22. Juni 2017

Eine Katze als Lebensretter

Im Sozialdrama «A Streetcat named Bob» lebt ein Londoner Strassenmusiker und Junkie von der Hand in den Mund. Bis ihm eines Tages ein Kater zuläuft.

Ex-Junkie James Bowen (Luke Treadaway) mit Kater Bob. (Bilder: ZvG)
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Tiere ziehen immer. Sei es in Artikeln, Büchern oder Filmen: Spielen Tiere eine Hauptrolle, hat man das Publikum in der Tasche und kann sich drauf verlassen, die ganz grossen Gefühle auszulösen. Besonders beliebt sind Katzen, wie unzählige Videos online und auf Social Media zeigen. «Katzenvideos machen gesund und glücklich» titelte eine Zeitung als Haupterkenntnis einer US-Studie von 2015.

Dasselbe dürfte auch für «A Streetcat named Bob» gelten, ein berührendes britisches Sozialdrama um zwei Streuner, den Junkie James und den Kater Bob. James (Luke Treadaway, «Attack the Block» , «Unbroken» ) lebt auf den Strassen Londons, versucht in einem Methadonprogramm von seiner Heroinsucht wegzukommen und verdient ein bisschen Kleingeld als Strassenmusiker am Covent Garden. Als ihm seine Programmmanagerin (Joanne Froggatt, «Downton Abbey» ) eine Wohnung organisiert, läuft ihm dort eines Nachts ein rotpelziger, verletzter Kater zu. Obwohl er andere Sorgen hat, hilft James dem Tier, bringt ihn zum Tierarzt und gibt dort sein letztes Geld für Medikamente aus.

Die beiden werden unzertrennlich, und Bob verhilft dem Strassenmusiker in der Folge nicht nur zu mehr Aufmerksamkeit und dramatisch mehr Einnahmen, sondern öffnet auch das Herz der attraktiven Nachbarin (Ruta Gedmintas, «The Strain» ). James' Leben wird plötzlich so lebenswert, dass er sich entscheidet, komplett clean zu werden, auch in der Hoffnung, sich mit seinem entfremdeten Vater (Anthony Head, «Buffy the Vampire Slayer» , «Merlin» ) zu versöhnen.

Die Geschichte beruht auf wahren Ereignissen

Wäre die Story erfunden, würde man sie wohl schnell mal als kitschig und klischiert abtun, das Bemerkenswerte jedoch ist, dass sie auf der realen Lebensgeschichte des Ex-Junkies James Bowen basiert, die schon als Buch ein globaler Bestseller war. Noch bemerkenswerter: Kater Bob spielt sich weitgehend selbst, unterstützt von ein paar «Stunt-Katzen» wie die Filmemacher augenzwinkernd vermerken. Katzen gelten zwar als notorisch eigenwillig, aber Bob ist wohl wirklich ein besonderes Exemplar, und mit Hilfe von Herrchen James am Set klappte es dann ganz gut – auch weil Bob absolut süchtig nach Frischkäse ist, was natürlich ausgenutzt wurde.

Der echte Bob spielt sich im Film teilweise selbst – unterstützt von «Stunt-Katzen».

Trotz des absehbaren Happy Ends berührt der Film, auch weil er eine feine Balance hält zwischen den harten Realitäten auf Londons Strassen und den «feel good»-Elementen. Es hilft sicher auch, dass Regisseur Roger Spottiswoode ( «James Bond: Tomorrow Never Dies» , «Turner and Hooch» ) mit britischer Zurückhaltung inszeniert, wo eine US-Produktion längst in triefendem Kitsch versunken wäre.


«Bob, der Streuner» («A Streetcat named Bob»), bei Ex Libris für Fr. 15.90 (DVD), Fr. 17,90 (Blu-ray), Fr. 10.30 (das Buch)


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