02. Juni 2018

Eine Hochzeit und einige Todesfälle

Unsere Stadt-Land-Kolumnistin giesst die Pflanzen ihrer Nachbarin. Was für ein Stress! Und was für ein Pech für alle Beteiligten.

Zimmerpflanzen
Die Grundausrüstung ist vorhanden, ABER ... (Bild: Unsplash.com)
Lesezeit 2 Minuten

Die Tochter meiner Nachbarin heiratet. Ich bin weder dabei, noch kenne ich sie persönlich. Trotzdem tangiert das mein Leben erheblich. Die Hochzeit findet nämlich im Ausland statt, am weissen Sandstrand. Ein bisschen weiss ist auch mein Gesicht geworden, als meine Nachbarin mich fragte, ob ich während ihrer zweiwöchigen Abwesenheit ihre Pflanzen giessen könne. Sie müssen wissen: Meine Nachbarin ist eine superliebe Frau, ich habe sie quasi am Tag meines Einzugs ins Herz geschlossen. Natürlich sagte ich Ja.

Leider bin ich nicht gerade begabt darin, Pflanzen am Leben zu halten. Ich gebe immer entweder zu viel oder zu wenig Wasser – was beides zu einem plötzlichen Tod der grünen Mitbewohner führen kann. Noch schlimmer ist das, wenn die Pflanzen nicht einmal mir gehören, sondern eben meiner Herzensnachbarin, die ihre Lieblinge sehr gut behandelt, wie ich nach kurzem Begutachten meiner neuen Pflegekinder feststellte. Seither bin ich im Stress.

Täglich stehe ich in der fremden Küche und giesse die Orchideen, Geranien und wie sie alle heissen. 12 Pflanzen sind es an der Zahl. Und ich gebe mir solche Mühe! Ich tröpfle, rede, pflüge. Doch alles nützt nichts. Langsam verabschiedet sich das blühende Leben aus Stielen und Blättern. Als eine vertrocknete Blüte nach der anderen auf den Küchenboden fällt, habe ich einen kleinen Nervenzusammenbruch. «Was habe ich falsch gemacht?», frage ich meinen Freund unter Tränen, als hätte er gerade mit mir Schluss gemacht.

Nun hoffe ich, dass meine Nachbarin eine erholsame Zeit am Sandstrand hat. Dass das Wetter strahlend schön ist und die Hochzeit wie im Märchen. Und dass sie mir nicht böse ist, wenn sie das Trauerspiel in ihrer Küche sieht. Sonst muss ich doch noch in die Stadt ziehen.

Das Video zu «Stadt, Land, Stutz»:

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