20. Oktober 2017

Eine Heimat aus vielen Heimetli

Die Velotour von St. Gallen durch das abwechslungsreiche Appenzell nach Buchs SG. Ein Ostschweizer Best-Of aus den SchweizMobil-Routen Nummer 42, 99 und am Ende 9, mit zwei bis drei individuell eingestreuten Schlenkern.

Kirchlein Schlatt
Eine der idyllischen, für sich allein stehenden Miniwelten des Appenzells: Kirchlein Schlatt, im Hintergrund ist der Hohe Kasten zu erahnen.
Lesezeit 3 Minuten

Mitte Oktober genehmigte ich mir geografisch ein grosszügig bemessenes Eingeklemmtes. Als Bödeli dient der Start in der Ostschweizer Wirtschaftsmetropole, ab Güterbahnhof-Passage gehts (verkehrs-)beruhigt durchs Bruggen-Aussenquartier bis zum vorläufigen Abschied von Stadt und Kanton St. Gallen: auf der aussichtsreichen Fussgänger- und Velobrücke übers unterste Sittertobel. Gleich danach startet das Appenzeller Auf und Ab, das gut die Hälfte der insgesamt 58-Kilometer-Strecke dauern wird, bis kurz vor dem Chienberg-Hügel mit dessen verwinkelten Ausblicken ins St. Galler Rheintal.

Von da folgt der luftig-lockere, im Vergleich zum Bödeli markant höhere Sandwichdeckel: das flache Ausfahren nach Buchs durch eine teils bezaubernde Auenlandschaft nach Buchs. Wer noch genug Energie hat oder ein E-Bike, kann bis zum grösseren Bahnhof Sargans weiterfahren. Allerdings sind diese zusätzlichen gut 12 Kilometer mit weit weniger (sich lohnenden) Velowegen gesegnet.
Wenn wir schon bei den Varianten sind: Wer sich ohne elektrischen Support die Reise bis Buchs zutraut, aber Höhenmeter einsparen will, kann primär mit dem Verzicht auf die Haslen-Leimensteig-Schlaufe 250 Höhenmeter sparen (einfach vor Haslen rechts direkt Richtung Appenzell einschwenken). Einmal mehr ca. 70 Höhenmeter spart, wer, bereits zurück im Sankt-Gallischen, den Abstecher auf das Chienbergli bleiben lässt und direkt Richtung Hirschensprung den Hügel runterrauscht.

Route St.Gallen-Buchs

Die ganze Route (rot) als PDF zum Download (1350 x 1825 px / © swisstopo), den zweiten Teil als JPG findest du hier.

Witzig bei unserer Routenwahl, dass nicht der klar höhere Säntis, sondern der Hohe Kasten mit just 1800 m ü. M. den Grossteil der Tour als Schirmherr überwacht. Meist thront er während des Appenzeller Parcours in Fahrtrichtung hinter dem Städtchen Appenzell, das mit seiner witzigen Mischung aus bunt bemalten Fassaden, Luxussportwagen oder -läden und einem gerüttelten Mass an Tourismus aufwartet. Später blickt er noch majestätischer auf die Talfläche zwischen Rüthi und Frümsen herunter.

Ansonsten bleibt primär das selten so abwechslungsreich wie im Appenzell erlebte Ostschweizer Hügelland in Erinnerung, mit den alle zwei bis drei Kilometer wie von einem raffinierten Perspektivenmaler des Barock entworfenen Ansichten: zwischen lauschigem Flussbett an der Sitter, dem überschaubaren Dorf Stein, dem Leimensteig-Bergrestaurant mit den benachbarten paar Bauernhöfen oder locker zerstreut angelegten Weilern wie Eggerstanden zum Abschluss. Jeder Hügel und jede Senke, letztlich fast jeder putzig gepflegte Hof, jedes Kirchlein oder Ausflugsbeizli stellt eine Welt für sich dar. Im Ganzen fühlt man sich erstaunlicherweise schnell heimisch, dabei handelt es sich um eine Heimat aus unzähligen Miniheimetli. Ohne zu werten: Nicht nur Zürich, Bern oder gar Europa sind Universen entfernt, bereits St. Gallen! Stören tut das den Biker allerdings keineswegs. Es gibt mehr als genug zu sehen.

Geeignet für Genuss- bis etwas sportlichere Fahrer/E-Biker
Höhepunkt: Stein, Schlaufe Haslen-Appenzell, Eggerstanden-Chienberg
Pause: Leimensteig, Appenzell (Zentrum), Chienberg
Dauer: (gut) 4 Std. 30 Min.
Höhenmeter (bergauf): 980 m

Trümpfe der Biketour St.Gallen-Buchs

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