08. Dezember 2018

Eine Fahrt im Taxi Stutz

An Taxifahrten hat unsere Kolumnistin durchzogene Erinnerungen. Darum fährt sie heute lieber selber.

Taxi! Lisa Stutz ist manchmal selber eines (Bild: pixabay)
Taxi! Lisa Stutz ist manchmal selber eines (Bild: pixabay).
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Im Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, gibt es das «Taxi Stutz». Leider ist der Inhaber des Taxiunternehmens nicht mit mir verwandt, das habe ich längst bei meinem Vater abgeklärt. Mehrmals sogar, in der Hoffnung, doch noch einen Verwandtschaftsrabatt herauszuschlagen. Aber es ist nichts zu machen: Er ist weder mein Grossonkel noch der Mann der Cousine meiner Tante. Pech gehabt.

Das erste Mal mit einem Taxi gefahren bin ich mit meiner Grossmutter. Wir reisten mit dem Zug nach Locarno und liessen uns und unser Gepäck zum Hotel chauffieren. Ich war acht Jahre alt, und es war der reine Wahnsinn. Ich fühlte mich wie im Film «Ein Zwilling kommt selten allein», in dem die eine Zwillingsschwester im karierten Kostüm durch London gefahren wird und aus dem Fenster staunt. Taxifahren, das ist das Edelste überhaupt, war ich überzeugt.

Etwa so lange, bis Jahre später die erste meiner Freundinnen aus einem Taxifenster kotzte.Die Anreise nach Zürich in den Ausgang bewerkstelligten wir damals meist mit dem Zug. Um vier Uhr morgens gab es dann aber keine Verbindung mehr in die Provinz. Also legten wir zusammen und quetschten uns ins Taxi. Diese Fahrten waren oft eine Qual. Auf der einen Seite die schlafende Freundin, deren Kopf besorgniserregend hin und her rollte. Auf der anderen die betrunkene, von der ich mir im Sekundentakt versichern liess, dass ihr nicht schlecht sei. Und vorne die hellwache, die sich mit dem Fahrer über das beschissene Verhalten seiner Ex-Frau aufregte.Heute feiern wir nicht mehr so oft, lieber treffen wir uns bei jemandem zu Hause. Wenn dann alle müde sind, schwenke ich meinen Autoschlüssel und verkünde: «Ich gehe. Wer will mitfahren im Taxi Stutz?» 

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