Leser-Beitrag
04. Februar 2018

Eine exotische Gartentour

Wir waren reif für die Insel. Einen kleinen Abstecher ins Paradies... Der spezielle Gartenbericht von Leserin Verena Meier aus den Ferien.

Palmen im Paradies

Die Insel ist klein und rund. Der Bus braucht eine Stunde, um sie zu umrunden. Gleich bei unserer Ankunft im Flughafen wurde uns eine (stinkende) Blumengirlande um den Hals gehängt und noch während der Fahrt zu unserem Hotel (es nennt sich «Resort», das klingt wohl etwas vornehmer!) sah ich im Dämmerlicht am Strassenrand Büsche mit grossen Blüten dran. Was war das nur?

Hibiskus

Am nächsten Morgen sah ich sie wieder, gleich als ich aus der Tür unseres Bungalows trat, um zum Frühstücksbuffet am Strand zu gehen. Hibiskus, jeder Busch in einer anderen Farbe! Was für eine schöne Anlage! Palmen, in jeder Höhe und Form, ragten in den blauen Himmel. Wie im Paradies!

Parkanlage

Die Kellnerinnen im Frühstückspavillon hatten ein hübsches Sommerkleid an und trugen auf dem Kopf einen üppigen Blumenkranz – oder mindestens eine grosse Hibiskus Blüte im kunstvoll hochgesteckten Haar. Naja, das Klischee der Trauminsel musste gepflegt werden, aber es war schön und wir waren Touristen und genossen es!

Ab dem dritten Tag begann es zu regnen. Da entdeckte ich bei der Rezeption einen Zettel, darauf wurde ein Rundgang durch das Gelände des Ressorts angeboten; «guided by our housegardener». Naja, mit Sonne und Strand war ja nix, also nix wie los! Natürlich kamen keine frisch-verliebten Hochzeitspaare zum Treffpunkt, aber deren Grosseltern, gekleidet im Safari-Look. Der einzige Mann der Gruppe hatte einen Schirm dabei und seine Frau trug einen Hut mit Blütenkranz. Ich hatte mein geblümtes Strandkleid angezogen, passte also durchaus zu dieser Gesellschaft.

Palme und Sträucher darunter

Dann kam der Gärtner. Kein Einheimischer, das sah man sofort, er war ein grosser, drahtiger Typ und sein englisch war für mich sehr schwer zu verstehen, aber er gab sich grosse Mühe, langsam zu sprechen. Er sei aus Südafrika und arbeite schon seit ein paar Jahren hier auf der Insel. Es sei hier sehr einfach, Gärtner zu sein. Die Natur sei so grosszügig wie fast nirgends auf der Welt! Was man anderswo mühsam hegen und pflegen müsse, wachse hier wie Unkraut, ganz von alleine!

Gepflegte Anlage

Naja, hier ein bisschen schneiden, dort schauen, dass die Schlingpflanzen die Kletterröschen nicht ersticken, und vor allem: Aufpassen, dass die schweren Kokosnüsse nicht auf die Wege fallen können! Unwillkürlich schauten alle besorgt in die Höhe, zu den Wipfeln der Palmen, wo es kleine Kokosnüsse hatte! Es sei seine Aufgabe, die Nüsse rechtzeitig runterzuholen, denn es wäre nicht zu verantworten, wenn einem Gast eine auf den Kopf fallen würde; bei über 5 kg, dem üblichen Gewicht von reifen Kokosnüssen, wäre das tödlich! Mit etwas eingezogenen Köpfen gingen wir weiter.

Blume 1

Der Mann öffnete seinen Schirm. Dicke, schwere, warme Tropfen fielen plötzlich vom Himmel. Der Gärtner führte uns zu einem Unterstand mit einem Dach aus Palmenblättern und begann, einen Vortrag über Palmen zu halten. Unter anderem erzählte er, dass Kokosnüsse, solange sie unbeschädigt sind, monatelang im Ozean schwimmen können und dass manche Schiffbrüchige nur dank ihnen überlebt hätten! Die Kokosnuss, die nach seinen Kenntnissen am weitesten weggeschwemmt worden sei, habe man in Tschechien gefunden! – Keine Ahnung, ob das stimmt, aber wir waren alle sehr beeindruckt.

Blume 2

Es regnete in Strömen, er stand lachend neben unserm schützenden Dach und sagte, es sei wunderbar, dass es endlich regne, man habe schon lange darauf gewartet, die letzten Wochen seien sehr trocken gewesen. Es goss wie aus Kübeln und man wusste nicht, ob das heulende Rauschen vom Wind oder vom Meer herkam. Noch konnte er uns nicht gehen lassen!
Anhand einer Pflanzung gerade vor uns erklärte er noch, dass er sehr grossen Wert auf eine stufenweise Unterpflanzung lege. Stimmt, die Palmen standen nie «nackt» im Rasen. Den Boden rundherum bedeckten niedrigwachsende Blätterpflanzen, dann Mannshohe mit riesigen Blättern (waren das nicht Philodendron? Sowas war doch in unserer Stube, als ich noch Kind war?!) und erst dann sah man die Stämme der Palmen in die Höhe ragen. Das sei wichtig, das gebe der Palme einen guten Boden zum Wachsen und mache sie stabiler.

Blume 3

Ausserdem züchte er die niedrigen Pflanzen alle selber. Es genüge, wenn man einzelne Blätter in gutes Substrat stecke. Sie bildeten schnell Wurzeln und man könne sie schon nach kurzer Zeit auspflanzen. Das kam mir doch vertraut vor! Nun schien der Regen etwas nachzulassen. Der Gärtner führte uns zurück zur Rezeption. Unterwegs griff er nach einer Hibiskusblüte und gab uns einen letzten Tipp: Immer schön fleissig schneiden, sonst blühen sie nicht mehr!

Blume 4

Dass Blumen und Blüten hier besonders gut gedeihen, sah man auf Schritt und Tritt. Auch wenn ich nie einen Blick auf einen Privatgarten werfen konnte, weil alle Häuschen von einem hohen Gartenzaun umgeben waren, so wickelten und wanden sich doch überall Schlingen hoch, meistens mit Blüten. Manche glaubte ich schon einmal gesehen zu haben, aber bitte fragt mich nicht nach Namen! Träumt einfach ein wenig vom Paradies!

Park

Benutzer-Kommentare