01. Juni 2018

Eine Dame für die Ritter

Ritterorden gibts nicht nur auf der Kinoleinwand, sondern auch im wirklichen Leben. Nur weiss das kaum jemand. Die Luzernerin Donata Krethlow möchte das als erste Schweizer Leiterin des Ritterordens vom Heilligen Grab zu Jerusalem ändern.

Donata Krethlow, erste Schweizer Statthalterin des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem
Die erste Schweizer Statthalterin des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem: Donata Krethlow beim Auszug aus der Luzerner Jesuitenkirche.
Lesezeit 4 Minuten

Donata Krethlow ist meistens mit ihrem Trottinett unterwegs. Aber eigentlich erwartet man die Luzernerin hoch zu Ross. Denn als die 47-Jährige kürzlich mit viel Pomp zur ersten Leiterin des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem der Schweiz ernannt wurde, verwiesen die Feierlichkeiten eher auf die Ursprünge des Ordens im 10. Jahrhundert.

Über 300 Ritter und Damen aus ganz Europa kamen zu dieser Zeremonie in die Luzerner Jesuitenkirche. Die Herren trugen weisse Umhänge, bestickt mit dem roten Jerusalemkreuz – dem Wappen des Ordens. Schwarze lange Mäntel umhüllten die Damen, Schleier bedeckten ihre Hinterköpfe. Neumitglieder wurden per Ritterschlag mit blankem Schwert in die Gemeinschaft aufgenommen. Eine alte Tradition.

Ritterschlag beim Ritterorden vom Heilligen Grab zu Jerusalem
Altes Ritual: Mit dem Ritterschlag werden neue Mitglieder in die Gemeinschaft der Ritter aufgenommen.

«Es braucht ein bisschen Mut, sich so in der Öffentlichkeit zu zeigen», sagt Donata Krethlow. «Aber wir tragen mit diesen Symbolen unsere inneren Überzeugungen, den Glauben an Gott und die Liebe zur Kirche, nach aussen.» Krethlow ist mit diesen Gepflogenheiten des Ritterordens bestens vertraut. Nicht nur, weil sie als Historikerin ein berufliches Interesse an Traditionen und Vergangenem hegt, sondern, weil bereits Vater und Mutter Ritter und Dame waren, genauso Onkel und Tante.

Die katholische Kirche spielte eine zentrale Rolle im Alltag der Luzerner Familie. «Ich habe mich als Kind oder Jugendliche nie dagegen aufgelehnt wie vielleicht andere. Mir gefallen die christlichen Werte und der Glaube an Gott.» Der Eintritt in den katholischen Ritterorden vor 18 Jahren passierte so fast automatisch. «Ehrlich gesagt war das irgendwie selbstverständlich. Es gehörte bei uns einfach dazu.» Ihr Interesse an den Absichten des Ordens hielt sich damals in Grenzen. «Richtig gepackt», wie sie sagt, habe es sie erst acht Jahre nach der Ernennung zur Ordensdame.

Donata Krethlow, erste Schweizer Leiterin des Ritterordens vom Heilligen Grab zu Jerusalem
Seit 18 Jahren ist Donata Krethlow Mitglied des Ordens und an die besonderen «Umstände» der Feierlichkeiten gewohnt.

2008 begab sich Donata Krethlow auf Pilgerreise durch Israel, die palästinensischen Autonomiegebiete und Jordanien, wo der Ritterorden zahlreiche christliche Einrichtungen wie Kindergärten oder Spitäler finanziell und spirituell unterstützt. «Diese Reise hat mich begeistert und mir die Augen geöffnet für die Bedeutung des Ordens.» Sie erzählt von den schwierigen Lebensumständen der christlichen Minderheit im Heiligen Land, von Nonnen, die sich um ausgesetzte Waisenkinder kümmern, und von Orten, an denen Moslems, Christen und Juden gemeinsam beten. «Wenn ich heute in diese Regionen reise und die von uns unterstützten Spitäler, Kindergärten oder Schulen besuche, ist es für mich wie nach Hause zu kommen», sagt die zweifache Mutter.

Donata Krethlows Sicht auf den Orden veränderte sich. Ihr Engagement wuchs und sie kümmerte sich fortan um zahlreiche administrative Angelegenheiten. Stets ehrenamtlich. Ihre Ernennung zur neuen Schweizer Statthalterin und damit zur ersten Frau Europas in diesem Amt ist die Konsequenz dieses Schaffens, entspricht aber auch dem ausdrücklichen Wunsch des obersten Ordensleiters im Vatikan. Ritterorden gelten heute als verschwiegen, ihre Absichten als kaum bekannt. «Stimmt», sagt Krethlow, «aber nicht absichtlich, sondern es gelang bisher einfach zu wenig, unsere Gemeinschaft und unsere Projekte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.»

Donata Krethlow mit Mitglidern des Ritterordens vom Heilligen Grab zu Jerusalem
Als Frau in der Männerrunde. Donata Krethlow wird sich als Statthalterin des Ritterordens daran gewöhnen müssen.

Mit einer Frau an der Spitze soll die katholische Rittergemeinschaft zugänglicher und transparenter wirken und werden. Vier Jahre lang wird die Luzernerin dem Ritterorden in der Schweiz mindestens vorstehen. Auf Donata Krethlow warten vor allem repräsentative Aufgaben: vier bis fünf offizielle Anlässe pro Jahr. Dazu die jährliche Versammlung aller europäischen Statthalter. Eine Erhöhung der Frauenquote im Orden, in der Schweiz liegt sie bei 18 Prozent, möchte sie erreichen. Den Altersdurchschnitt senken und die karitative Arbeit der Ritter und Damen öffentlich wirksamer gestalten.

«Ich lasse das alles auf mich zukommen und möchte zurückblickend einfach sagen können: Wir hatten eine bereichernde spirituelle Zeit und konnten die Christen im Heiligen Land mit unseren Projekten unterstützen.» Bald, im September, wird sie wieder durch ihre zweite Heimat reisen. Die Projekte des Ordens besuchen. Dann nicht mit ihrem Trottinett, sondern zu Fuss. Wie damals im Mittelalter, als Pilger am heiligen Grab in Jerusalem den Ritterschlag erhielten.

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