17. November 2017

Einbrüche: viele wiegen sich in falscher Sicherheit

Mehrfamilienhäuser sind beliebter bei Einbrechern als Einfamilienhäuser, Parterrewohnungen weniger gefährdet, als viele denken. Und mit der Winterzeit schnellt die Zahl der Einbrüche wieder nach oben. Die meisten schützen sich zu wenig davor.

Türen mit wenig Werkzeug knacken
Viele Türen lassen sich mit wenig Werkzeug leicht knacken. (Bild: Getty Images)
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Alle elf Minuten schlagen Einbrecher in der Schweiz durchschnittlich zu. Die meisten Einbrüche geschehen tagsüber, wenn die Bewohner wahrscheinlich bei der Arbeit sind. Werden die Uhren im Herbst auf Winterzeit gestellt, häufen sich die Vorfälle.

Die Statistik zeigt auch eine Reihe von überraschenden Befunden. So sind nicht etwa Einfamilienhäuser besonders gefährdet, es wird im Gegenteil häufiger in Mehrfamilienhäuser eingebrochen. Auch werden nicht zwingend Parterre­wohnungen besonders oft heimgesucht, sondern genauso oft Wohnungen in den mittleren Stockwerken: Sie lassen Einbrechern mehr Fluchtwege offen. Wohnungen im obersten Stock sind dann besonders gefährdet, wenn für die Diebe klar ersichtlich ist, dass die Bewohner in den Ferien sind und sie ungestört bleiben.

Fürchtest du dich vor Einbrechern?

Gebiete in der Nähe eines Autobahnanschlusses sind für Einbrecher attraktiver, weil es mehrere Fluchtwege gibt. Sicherheitssysteme, die gut sichtbar sind, schrecken Einbrecher ab. Hingegen schätzen sie dichte, hohe Hecken, weil sie Sichtschutz bieten.

Rolf Mohn (62) von der Kantonspolizei Aargau hält es allerdings für äusserst schwierig, Einbrüche in Statistiken zu packen. Je nach Personen oder Gruppe variierten Tageszeit und Taktik. «Wer von einem Einbruch betroffen ist, dem ist die Statistik egal.» Grundsätzlich bedauert Mohn, dass sich die meisten im Alltag zu wenig vor Einbrechern schützten. Viele Ängste seien durch Filme inspiriert, die Realität sei banaler.

Einbrecher können einem heutzutage schon fast leidtun

Rolf Mohn

Wie gross ist die Angst vor Einbrüchen in der Bevölkerung?

Grundsätzlich sorgen sich die meisten im Alltag zu wenig und schützen sich entsprechend schlecht. Die Angst ist allerdings nicht von der Zahl der Einbrüche abhängig, sondern davon, wie die Polizei informiert und wie die Medien das aufnehmen. Greift eine Zeitung auch nur einen einzelnen Vorfall gross auf, sind die Ängste vorübergehend jedenfalls gross.

Entsprechen denn die Ängste den realen Risiken?

Nein. Vor dem Naheliegendsten fürchten sich die Leute nicht. In der warmen Jahreszeit sind bis zu 20 Prozent der Einbrüche Einschleichdiebstähle: Die Leute lassen Balkon- und gar Wohnungstüren offen oder gehen ins Bett, ohne die Läden vor den offenen Fenstern zu schliessen. Sie sind sich zu wenig bewusst, dass Gelegenheit Diebe macht. Dafür fürchten sie sich vor Delikten, wie sie die Sendung «Aktenzeichen XY» zeigt. Doch da geht es um die schwersten Verbrechen, die zum Glück absolute Einzelfälle sind. Auch Krimis oder Serien schüren diese Ängste. Würden sie Einbrecher zeigen, wie sie tatsächlich vorgehen, würden alle wegzappen.

Wie gehen sie vor?

Seit Jahren im Grunde genommen gleich. Die Diebe brechen eine Tür oder ein Fenster immer noch mit Schraubenzieher oder Brecheisen auf. Oder sie bohren ein Loch in den Fensterflügel, um mit einem Drahtwerkzeug an den Fenstergriff zu gelangen. Vereinzelt gibt es immer auch neue Vorgehensweisen, die einzelne Einbrecher beherrschen.

Angenommen, man ist zu Hause und hört Einbrecher. Wie sollte man reagieren?

Wie der Hund, der bellt, oder die Alarmanlage, die schrillt. Licht machen, Radio aufdrehen, poltern, rufen, sich bemerkbar machen. Da wir nicht wollen, dass uns die Einbrecher nahekommen, müssen wir ihnen schnell zu verstehen geben, dass wir sie gehört haben. Dann ergreifen sie die Flucht. Schnellstmöglich sollte man danach die Polizei über den Notruf 117 informieren.

Die Gangart der Polizei ist härter geworden.

Seit 2012 hat die Zahl der Einbrüche in der Schweiz stark abgenommen. Worauf führen Sie das zurück?

Zum einen ist die Gangart der Polizei beim Ermitteln, Fahnden und Festnehmen härter geworden. Die gesetzlichen Möglichkeiten werden maximal ausgeschöpft. Zum anderen ist die mögliche Beute weniger attraktiv geworden. Frauen tragen weniger Gelbgoldschmuck, der sich früher einfach einschmelzen oder veräussern liess. Die Fernsehgeräte sind zu gross und schwer geworden zum Stehlen. Die Leute ziehen Bodenbeläge wertvollen Teppichen vor. Bargeld liegt kaum herum. Auf Tablets und Smartphones sind meistens Ortungsdienste aktiviert, die zu den Dieben führen können. Oder die Geräte sind gesperrt. Einbrecher können einem heutzutage schon fast leidtun.

Was nehmen sie denn mit?

Selten verpflegen sich Einbrecher an einem Tatort oder stehlen ein Kleidungsstück. Hauptsächlich haben sie es abgesehen auf Bargeld, Schmuck, Uhren und teure, kleine Elektronikgeräte wie Fotoapparate.

Was empfehlen Sie den Leuten, um sich optimal zu schützen?

Alle Türen und Fenster schliessen, auch wenn man tagsüber schnell zur Nachbarin geht. Bargeld, Schmuck und Uhren sowie wertvolle Briefmarken oder Münzen in einem Tresor aufbewahren. Wer einen Neubau plant oder sich zu Hause unsicher fühlt, sollte eine Sicherheitsberatung in Anspruch nehmen, die Schwachstellen aufzeigt. Alle kantonalen Polizeistellen bieten diese an, meistens kostenlos. Und bereits ab etwa 2000 Franken kann über Sicherheitslösungen vom Fachmann diskutiert werden.

Rolf Mohn (62) leitet die polizeiliche Beratungsstelle der Kantonspolizei Aargau.

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