22. August 2017

Ein verschnupfter Rüsselspringer

Der kleine Hüpfer ist eines der vielen Tiere, die im Walter Zoo in Gossau in das neue Savannenhaus einziehen. Nach der Ankunft braucht das kleine Säugetier jedoch zuerst medizinische Betreuung.

Der kleine Rüsselspringer
Der kleine Rüsselspringer wird mit dem Inhalationsnarkosegerät betäubt, damit er bei der Untersuchung stillhält. (Bild: Walter Zoo)
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Er sieht aus wie eine Spitzmaus, ist aber nicht mit ihr verwandt: Beim Rüsselspringer handelt es sich um eine spezielle Tierart, die in West-, Süd- und Zentralafrika zu Hause ist. Woher der Name stammt, wird klar, wenn man die lange Nase des 25 Gramm leichten Tiers sieht.
Ausserdem hat es sehr dünne Beinchen. Die Gefahr ist gross, dass sie brechen. Deshalb ist besondere Vorsicht geboten, wenn ich den Rüsselspringer untersuche, der vor wenigen Tagen aus einem anderen Zoo zu uns gekommen ist.

Wie jeder Neuankömmling ist der Rüsselspringer zuerst in der Quarantänestation einquartiert worden. Dort fiel den Tierpflegern auf, dass ein Auge verklebt und die Nase sehr feucht ist. Und dass er fast nichts frisst. Mein Verdacht: eine Erkältung oder – viel schlimmer – eine Lungenentzündung.

Zu klein für eine Blutprobe

Heute schauen wir uns das genauer an. Um einen Beinbruch zu vermeiden, narkotisiere ich den Kleinen für die Untersuchung. Für eine Blutprobe ist er zu winzig, deshalb nehme ich nur eine Tupferprobe von dem Sekret, das aus dem Rüssel tropft. Resultat: Der Rüsselspringer leidet höchstwahrscheinlich an einer bakteriellen Infektion – ein häufig auftretendes Problem bei dieser Tierart.

Ich gebe ihm Antibiotikum, einen Entzündungshemmer und ein Schmerzmittel. Die Behandlung muss mehrere Tage lang fortgesetzt werden. Aber es ist klar, dass ich dem Tier nicht jeden Tag eine Narkose verpassen kann. Was tun? Die Lösung: Wir mischen das Antibiotikum ins Futter, das hauptsächlich aus Insekten besteht.

Bereit fürs Savannenhaus

Schon nach drei Tagen frisst der Kleine wieder normal. Vermutlich hatten ihn der Transport und die neue Umgebung gestresst und so sein Immunsystem geschwächt. Nun ist er wieder fit und bereit für sein neues Zuhause, das soeben fertiggestellte Savannenhaus, in dem sich bald Vertreter von mehr als 20 verschiedenen Tierarten tummeln werden. Hier bekommt der Rüsselspringer schon bald eine Partnerin. 

Karin Federer (31) ist Tierärztin und berichtet regelmässig aus dem Walter Zoo in Gossau SG.

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