08. Juni 2018

Ein Talent am Klavier und am Herd

See Siang Wong war ein klavierspielendes Wunderkind. Er spielt aber noch weitere Begabungen aus: Der Stadtzürcher mit chinesischen Wurzeln hat die SRF-Männerküche 2018 gewonnen. Kochen und Musik bestimmen sein Leben.

See Siang Wong
«Eigentlich arbeite ich ja nicht. Ich habe immer mit schönen Sachen zu tun», sagt See Siang Wong, der von seinem Beruf als Pianist lebt. (sämtliche Bilder: SRF/Ueli Christoffel)

Konzertpianist und Foodblogger See Siang Wong (39) vereint gern seine beiden grössten Leidenschaften: Zur Musik von Mozart passe ein frischer Salat oder eine leichte Vorspeise, zu Debussy asiatisches Essen und zu Chopin, einem weiteren Lieblingskomponisten von See Siang, sei ein Gericht wie Coq au Vin mit Petersilie, Thymian und Lorbeer die perfekte Marriage. «Die Gewürze und der Rotwein strahlen einen Hauch von Romantik und Sehnsucht aus, genauso wie die Stücke des polnisch-französischen Komponisten», erklärt der Künstler mit einem Augenzwinkern.

  • master

Pianist und Foodblogger See Siang Wong führt uns in sein Leben und die Geheimnisse der asiatischen Küche ein. / Video: Elena Bernasconi

So vielseitig wie die Werke sei auch er beim Kochen von Gerichten: «Ich kann romantisch und verträumt sein, aber auch konkret und mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.» See Siangs Spektrum reicht von raffinierten asiatischen Gerichten über kreative internationale Speisefolgen bis hin zu traditionellen Menüs. Die Bücherwand in seinem Arbeitszimmer, wo auch das Klavier steht, überquillt mit Kochbüchern aus allen Ecken der Welt. Er vergleicht: «Kochen und Musik ist für mich das Gleiche. Nur hat man in einem Fall statt mit Aromen und Gewürzen mit Melodien und Klängen zu tun. Und die Sinnlichkeit ist einmal auf der Zunge und einmal in den Ohren.» Kreativität und die Freiheit, wie er etwas interpretiere, lassen sowohl die Musik als auch das Kochen zu.

Am Anfang stand bei See Siang Wong, der im niederländischen Arnhem geboren und aufgewachsen ist, jedoch die Musik – und schuld daran war das Kochen: Die Eltern des Einzelkinds, die Mutter kommt aus Singapur, der Vater aus Malaysia, sind ausgebildete Köche und betrieben ein chinesisch-indonesisches Restaurant. «Weil meine Eltern viel arbeiteten und nur wenig Zeit für mich hatten, dachten sie, ich brauche ein Hobby», erzählt See Siang, dessen Vorname wörtlich übersetzt «die aufgehende Morgensonne am Ozean» bedeutet. Die Eltern kauften ihm ein Klavier und stellten es in den Keller, und so hatte der kleine See Siang seine erste Klavierstunde bei seinem holländischen Onkel, der auch Kunstmaler war. Er erkannte das Talent seines Neffen. Weiter erzählt der Schweizer mit chinesischen Wurzeln: «Mit 11 habe ich mich entschieden, Konzertpianist zu werden.» Die Medien bezeichneten ihn als Wunderkind, das mit 12 den ersten Fernsehauftritt hatte. Im selben Alter wurde er für das Musikstudium an die Hochschule aufgenommen.

Fünf Jahre später, 1998, kam er in die Schweiz, um seine Studien an der Musikhochschule Zürich fortzusetzen. Er erinnert sich: «Ich wohnte bei einer Gastfamilie. Es war für mich eine schwere Zeit, weil ich ganz allein war und die Schweizer zurückhaltender sind als die Niederländer.» Später im Studentenheim war stets er derjenige, der kochte. Mit 22 wurde See Siang Wong jüngster Dozent der Musikhochschule und hatte bereits fünf Diplome, darunter ein Solistendiplom, in der Tasche.

See Siang Wong
Inzwischen ist See Siang Wong als Sieger der «Männerküche» 2018 auch vielen Fernsehzuschauern bekannt.

«Ich wollte immer was Sinnliches im Leben machen. Eigentlich arbeite ich ja nicht. Ich habe immer mit schönen Sachen zu tun», sagt der Künstler. Er lebt von seinem Beruf als Pianist und ist seit 2010 auch Foodblogger; seit April 2018 betreibt er unter «Seesiangs» einen Blog für feines asiatisches Essen. Und den populären Fernseh-Kochwettbewerb «SRF bi de Lüt Männerküche» hat er vor ein paar Wochen gewonnen – dank Gerichten aus den Heimatländern seiner Eltern. Er begeisterte mit einem im Bananenblatt gedämpften Salzwasserfisch Barramundi und mit seinem in der Kokosnussmilch geschmortem Rindfleisch zum Hauptgang. Dieses malaysische Rendang, dem Ingwer, Zitronengras, Chili, Knoblauch und Zwiebeln beigegeben werden, bezeichnet er als eins seiner Lieblingsgerichte.

Zur Vorbereitung auf den Wettbewerb habe er wochenlang in seinen über 300 Kochbüchern geblättert, sei dann aber letztlich auf sein eigenes Menü gekommen. Seit der Ausstrahlung der Sendung habe er in den sozialen Medien Hunderte von Reaktionen sowie Anfragen für Projekte erhalten, die Kochen und Musik verbinden wollen. «Ich sehe das Rezept als Partitur, als Pianist bin ich Vermittler und Interpret – so wie ich als Koch Interpret des Rezepts bin. Das sind spannende Komponenten, die man zusammenführen kann.» Neben dem Essen und der Musik kommt ab und an noch ein weiteres Element dazu, ähnlich wie beim Klavier der Vierhänder: die Weine. See Siang Wong gab schon mehrmals Weinkonzerte, bei denen passend zum Klavierspiel edle Rebensäfte degustiert wurden. «Ein frischer Champagner lässt sich wunderbar mit einer strahlenden Mozartsonate kombinieren.»

See Siang Wong
See Siang Wong in seiner Küche in Zürich: «Ich sehe das Rezept als Partitur, als Pianist bin ich Vermittler und Interpret – so wie ich als Koch Interpret des Rezepts bin. Das sind spannende Komponenten, die man zusammenführen kann.»

Benutzer-Kommentare

Verwandte Artikel

Ziggy Marley: Rebellion Rises

«Instant»-Sommer

Helene Fischer

Helene Fischer hat ein dickes Fell

Meral Kureyshi

Meral Kureyshi ist gern anders

Electroboy im Studio

Electroboy lebt heute zurückgezogen