04. Oktober 2017

Ein Rüffel für Frau Bohnebluescht

Johannisbeerstöcke wollen regelmässig verjüngt werden. Eine Tatsache, die die Gartenbloggerin regelmässig verdrängt – mit den entsprechenden Folgen.

Johannisbeeren
Je gepflegter der Johannisbeerstock, desto grösser die Ernte.
Lesezeit 2 Minuten

Alle paar Jahre kassiere ich einen Rüffel. Und zwar von meiner Gotte, die im hohen Norden lebt und drum leider nur alle paar Jahre in meinem Garten steht. Dummerweise immer im Herbst, da sie im Winter nicht reisen mag und im Frühling und Sommer ihren eigenen Garten bibäbele will (diesem Garten verdanke ich übrigens meine Liebe zum Gärtnern: Als Kind durfte ich dort sommerferienlang buddeln, pflanzen und ernten – dies aber nur so nebenbei …)

Item: Dieses Wochenende war es mal wieder so weit. Meine Gotte stand in meinem Garten, freute sich über mein Hochbeet, das sie bisher noch nicht gesehen hatte, und «The Pingus», unsere beiden Junghühner. Sie bewunderte den Hopfen, der mir mit mehr als fünf Metern längst hoffnungslos über den Kopf gewachsen ist, und den blauen Kohlrabi, der in zwei, drei Wochen erntereif sein wird.

Doch dann – dann entdeckte sie meine vier Johannisbeersträucher. Und schon rüffelte es, und zwar gewaltig. Zugegebenermassen aber auch zu Recht: Ein kurzes Zurückrechnen meinerseits ergab nämlich, dass die Trübeli seit Oktober 2013 nicht mehr beschnitten worden waren. Damals stand meine Gotte zum letzten Mal in meinem Garten – und hatte mich auch schon gerüffelt. Weil – du ahnst es – ich meine Trübeli damals ebenfalls schon jahrelang vernachlässigt hatte.

Und so hörte ich mir diesmal wie damals einen Vortrag darüber an, wie wichtig es sei, Trübeli gleich nach der Ernte zu verjüngen, da diese an den Seitentrieben der zwei- bis dreijährigen Hauptäste die meisten Früchte ausbilden. Und dass je weniger Fruchtholz der Strauch besitzt, desto kräftiger die neuen Bodentriebe, die für die Verjüngung der Krone gebraucht werden, nachwachsen. Und dass man ja keine Stummel stehen lassen dürfe, da diese faulen. Mein Einwand, dass die letztjährigen Ernten so schlecht gar nicht gewesen seien, wurde dabei bewusst überhört.

Zum Glück blieb es aber nicht nur beim Vortrag. Denn auch diesmal wie damals schnappte sich meine Gotte meine Astschere und setzte gekonnt zum Verjüngungsschnitt an. Womit das Problem der Überalterung zumindest für diese Gartensaison elegant gelöst wäre.

Um aber weiteren Rüffeln zu entgehen, bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als mich bis spätestens nächsten Sommer über die Kunst des idealen Johannisbeerstrauchschnitts schlauzumachen. Oder ich versuche mein Gotti zu überreden, bereits nächstes Jahr wieder auf zu Besuch zu kommen, und zwar möglichst im August. Dann könnte ich ihr ganz entspannt die letzten Trübeli servieren – und sie anschliessend zur Astschere greifen. Ohne Rüffel und für einmal sogar – termingerecht!

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