17. Mai 2019

Ein Leben für die Rote Emmalie

Coni Hiltebrand führt seit 27 Jahren einen Hof im zürcherischen Teufen. Hier kultiviert sie alte Kartoffel- und Tomatensorten. Zu Besuch an einem Ort, wo die Natur sich ausbreiten darf.

Coni Hiltebrand liebt die Natur.
Coni Hiltebrand lebt für ihren Hof im zürcherischen Teufen.

Sie heissen Blaue St. Galler und Rote Emmalie und sehen alles andere als konventionell aus: Pink bis dunkelrot leuchten die Kartoffeln. Es sind zwei von insgesamt fünf Sorten, die Coni Hiltebrand (49) auf ihrem Hof in Teufen ZH anbaut. «Der Kartoffelstock bekommt mit diesen pinkfarbenen Erdäpfeln eine wunderschöne Farbe», sagt die Bäuerin.

Seit 27 Jahren ist sie Chefin auf einemacht Hektar grossen Betrieb mit IP-Suisse-Label – und eine Liebhaberin von seltenen Sorten, Artenvielfalt und geschlossenen Kreisläufen. «Was der Boden hergibt, landet auf dem Teller. Ich verarbeite es zu Likör, Konfitüre, Sauce, Ratatouille, Kräutersalz.» Im kleinen Hofladen gibt es vieles davon auch zu kaufen; man bedient sich und hinterlegt einen Batzen. Samstags trifft man sie auf dem Markt in Bülach.

Top in der «Landfrauenküche»

Coni Hiltebrand sagt zwar von sich, sie sei eine Perfektionistin. Aber draussen vor dem Bauernhof, den sie von ihren Grosseltern übernommen hat und auf dem ihr 80-jähriger Götti Hansjörg Gehring sie unterstützt, darf die Natur sich frei ausbreiten – einen ondulierten, mit Chemikalien gedopten Rasen sucht man hier vergebens. Dafür gedeihen im Kräutergarten Lavendel, Majoran, Zitronenmelisse, Rosen, Rosmarin ungezähmt in einer dafür vorgesehenen Zone. «Es ist nicht schlimm, dass alles durcheinanderwächst.»

Bis im November dürfen die rosa Schweinchen noch bleiben.
Bis im November dürfen die rosa Schweinchen noch bleiben.

Den Kräutern und dem Gemüse im Feld weiter unten gefällts – sie verselbständigen sich, spriessen da und dort; Vögel und Insekten fühlen sich hier zu Hause. Im kleinen Gewächshaus wärmen die Sonnenstrahlen jungen Salat, Zucchetti, Rosenkohl, Tomaten. «Der Schwarze Prinz ist meine Lieblingstomate», sagt sie. Es ist eine alte Sorte wie die Berner Rose. Coni Hiltebrand baut auch Milchperle an, eine Pro-Specie-Rara-Sorte. Daraus und aus Kräutern gewinnt sie Saatgut, um die Setzlinge dann weiterzuverkaufen.

Die Bäuerin ist auch eine ausgezeichnete Köchin, wie sie Ende 2018 in der SRF-Sendung «Landfrauenküche» bewiesen hat. Als Hauptspeise servierte sie Lamm – ohne dass es eine von den Teilnehmerinnnen gemerkt hätte. Das Fleisch war mit Holundersaft und Prosecco mariniert, die Sauce mit Schokolade verfeinert. Doch sie hat nicht nur aus Liebe zum Kochen mitgemacht. «Ich sah in dieser Sendung immer nur Frauen von Bauern. Ich wollte zeigen, dass auch Frauen einen Hof führen können.»

Mit Martin (48), ihrem Mann, hat sie zwei Söhne (24, 22) und eine Tochter (19). Er arbeitet Vollzeit als Schreiner, seine handwerklichen Fähigkeiten sind auf dem Hof immer wieder gefragt: hier eine Secondhand-Tür einbauen, da aus einer Hundebox ein Daheim für drei Küken zimmern, dort einen alten Schafwagen zur Übernachtungsmöglichkeit für Gäste ausbauen. Sie weiss die Unterstützung zu schätzen: «Ich muss nicht alles selber können.»

Ein Vorzeigeobjekt für Schulklassen

Es ist der erste Montag im Mai. Der Boden erwacht nur langsam aus der Winterstarre. Gejätet ist noch nichts. «Für viele wäre so ein Garten eine Schande», sagt Coni Hiltebrand, «aber das Unkraut schützt den Boden.» Der Butterfly-Spinat zum Beispiel, eine alte Sorte, hat sich verselbständigt und wächst nun an Stellen, wo er nicht vorgesehen war. Aus drei Hochbeeten zieht sie fünf Radieschensorten. «Das ist Biodiversität», sagt sie und ist ein bisschen stolz. Immer wieder besuchen Schulklassen den Hof, etwa um zu lernen, wie aus Samen Salat entsteht.

Coni Hiltebrands ganzer Stolz – fünf Radieschensorten
Coni Hiltebrands ganzer Stolz – fünf Radieschensorten

Die Tiere sind zum Teil – trotz Frost morgens – bereits draussen: Schafe, Ziegen, Ferkel, Hühner, Pferde, Kaninchen, Schildkröten. In der Mitte der bewirtschafteten Fläche breitet sich eine Mischwiese aus. Hier blühen Margeriten, Hahnenfuss, Löwenzahn, Klee, Wiesensalbei – ein Paradies für Insekten, Schmetterlinge und Vögel. Dahinter schleicht ein Fuchs herum. Erst kürzlich hat er ein Kaninchen aus dem Käfig geholt und gefressen. Der Hof liegt 800 Meter ausserhalb des Dorfs. Es ist eben wirklich ein Ort, wo sich Fuchs und Kaninchen gute Nacht sagen.

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