04. November 2017

Ein Landei kommt selten allein

Ich war mit meinem Mami in der Stadt. Und wir warten nun wieder ein Jahr, bis wir einen solchen Ausflug wiederholen.

Lesezeit 2 Minuten
Prost Mami! Beim Dachterrassen-Apéro.

Letzte Woche hatte ich Geburtstag. Und ich bekam die Erkenntnis geschenkt, dass es noch viel landeierigere Leute gibt als mich. Nämlich mein Mami. Wir haben seit ein paar Jahren die Tradition, dass wir uns an meinem Geburi einen schönen Tag in Zürich machen. Mit bitzli viel plaudern, bitzli viel kaufen, bitzli viel essen.

Dieses Jahr fiel es mir schon am Hauptbahnhof auf. Die Regel, dass man auf der Rolltreppe links geht und rechts steht, schien meine Mutter nicht zu interessieren. Das führte zur ersten peinlichen Situation: Ein auf den Zug hastender Mann tippte ihr von hinten auf die Schulter – um sich dann an ihr vorbeizu- drücken, bevor sie überhaupt reagieren konnte. Armes Mami, dachte ich. Aber noch bitzli mehr: armer Pendler!

Es war immer noch im Hauptbahnhof, als ich merkte, wie mein Mami aufgeregt hinter mir herhastete. Sie hatte offensichtlich keine Ahnung, wo wir durch mussten, um zur Bahnhofstrasse zu gelangen. Als wir endlich da waren – und nicht nur wir, wie das bei Bahnhofstrassen so üblich ist – merkte ich etwas anderes: Ihre Tasche war weit geöffnet. Ich hätte das grosse Portemonnaie quasi mit meinem Blick hinausziehen können.

Reissverschluss zu, erster Laden. Schnell war klar, dass heute jeder Verkäufer erfahren würde, dass ich Geburtstag hatte. Die meisten überspielten ihr Desinteresse auf liebevoll-professionelle Art und Weise. Sodass mein Mami im nächsten Laden noch fröhlicher und noch augenzwinkernder auf meinen Freudentag hinwies.

Auf der Dachterrasse eines Kaufhauses tranken wir Prosecco. Meine Mutter offenbarte dem Kellner verschwörerisch: «Wir haben bei Ihnen teuer eingekauft.» Es stimmt, wir hatten ein paar Hundert Franken hier ausgegeben. An der Bahnhofstrasse heisst «teuer eingekauft» aber gern mal ein paar Tausender. Es dauerte jedenfalls nicht lange, und uns wurden aufwendige Apéro-Kreationen aufgetischt. Well done, Mami!

Auf dem Nachhauseweg merkte ich, von wem ich meine Abneigung gegen das Pendeln geerbt hatte. Wir waren mitten zur Stosszeit unterwegs, und meine Mutter erschrak sehr über die Menschenmassen. Und stehen im Zug, das kam für sie nun gar nicht infrage! Kurzerhand spendierte sie uns eine Fahrt in der ruhigeren 1. Klasse. Es stellte sich heraus: Irgendwie ist es gar nicht so schlecht, von einem Landei abzustammen.

Benutzer-Kommentare