14. Mai 2018

Ein Hoch auf die Teilzeitarbeit

Trotz nicht allzu rosigen Aussichten und teils harzigen Bedingungen feiere ich die Teilzeitarbeit und geniesse den Spagat zwischen Büro und Backstube.

Kuchen-Picknick
80:20 Ich habe mir meinen Job-Kuchen in zwei Stücke aufgeteilt: Büro und Backstube. (Bild: Unsplash)
Lesezeit 3 Minuten

Laut dem Bundesamt für Statistik arbeiten 6 von 10 erwerbstätigen Frauen teilzeit. Allzu rosig sind die Aussichten bei einer Teilzeitarbeit nicht: ungesicherte Arbeitsverhältnisse, schlechtere soziale Absicherungen (z.B. bei der Pensionskasse) und geringere Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen.

Trotzdem war mir nach dem Abgang vom Studium vor 1,5 Jahren klar, dass ich «nur» 80 Prozent in meinen jetzigen festen Beruf einstiegen möchte. Glücklicherweise war meine Stelle bereits auf 80 Prozent ausgeschrieben, ich musste also keine Überzeugungsarbeit leisten.

Falls du das aber mal tun musst, hier eine Liste von Teilzeitkarriere.ch mit Argumenten, die du deiner Chefin oder deinem Chef um die Ohren hauen kannst:

  • Teilzeitmitarbeitende sind motivierter
  • Sie sind ausgeglichener und sorgen für ein angenehmeres Betriebsklima und weniger Betriebsunfälle
  • Es gibt weniger krankheitsbedingte Ausfälle
  • Die Fluktuation ist geringer
  • Das Ausführen einer Teilzeitarbeit sorgt für eine höhere Attraktivität des Unternehmens auf dem Arbeitsmarkt
  • Teilzeiterwerbstätige weisen eine höhere Produktivität auf im Vergleich zu Vollzeiterwerbstätigen
  • Das Unternehmen steigert seine Effizienz durch flexible Formen der Arbeitsorganisation
  • Durch die ausserberuflich erworbenen Schlüsselkompetenzen ist dank Teilzeitmitarbeitenden mehr Know-How vorhanden

Wer kann da noch Nein sagen?

Ich bin mir bewusst, dass ich das Glück habe, zum einen nicht auf 100 Prozent Lohn angewiesen zu sein, und zum andern einen Arbeitgeber zu haben, der Teilzeitstellen unterstützt. Laut der Boston Consulting Group hat die Schweiz in diesem Bereich nämlich einen grossen Aufholbedarf. Sie schreibt in der Studie Steinzeit Teilzeit: «Unsere Teilzeitmodelle sind verstaubt oder inexistent und Frauen wie Männer leiden unter den starren Rastern unserer Unternehmen und den Vorstellungen der Nachbarn und Arbeitskollegen.» In mangelndem Enthusiasmus der Unternehmen sowie in Präsenz- und Anwesenheitskultur anstelle von Offenheit für flexible Arbeitszeiten sieht der Bericht die Hauptprobleme. Diese machen eine Teilzeitarbeit schwierig oder gar unmöglich.

Einer der Gründe, weshalb ich 80 Prozent bei den Migros-Medien arbeite, ist mein Wille, noch Platz für ein zweites Jöbbli zu lassen. Ich backe seit bald zwei Jahren mit dem Start Up The Tiny Factory Bio-Granola in Zürich. Eine schönere Abwechslung kann ich mir kaum vorstellen. Währendem ich in meinem Job bei den Migros-Medien grösstenteils am Computer arbeite, verlangt mir der Job in der Backstube körperlich richtig was ab. Wir hacken, mischen, hantieren mit dem riesigen Ofen und füllen das Granola zuletzt von Hand in kleine Päckli – alles Handgriffe, die exakt sitzen müssen und viel Kraft kosten. Doch der Wechsel zwischen Büro und Backstube motiviert mich und macht mich glücklich. Ich habe das Gefühl, dass ich dank meinem Nebenjöbbli stressige Situationen im Büro lockerer angehen kann, denn es gilt wie auch in der Backstube: Mit Geduld und Sorgfalt wird das beste und knusprigste Resultat erzielt.

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