06. Juni 2018

Ein Hoch auf den Holunder

Dass der Schwarze Holunder ein wahres Wundergewächs ist, wussten schon unsere Altvorderen. Ein Grund (mehr), sich eine Holdere in den Garten zu holen.

Holunderblüte
Der Duft der Holunderdolden betört Insekten und (Hobby-)Gärtner gleichermassen.
Lesezeit 3 Minuten

Nachdem wir uns hier in den letzten Wochen über Schnecken, Buchsbaumzünsler und ähnlich Unangenehmes ausgetauscht haben, will ich heute mal wieder über etwas Gefreutes schreiben. Und zwar über den Schwarzen Holunder oder die «Holdere», wie wir dieses Wundergewächs im Zürcher Oberland zu nennen pflegen.

Wundergewächs darum, weil der Holunder wie wohl kaum ein anderer Wildstrauch ganz viel Wunderbares aufzuweisen hat. So galt er beispielsweise bei den Germanen als Schutzstrauch, der die Grenze zwischen der Ober- und Unterwelt bewachte. In späteren Zeiten wurde ihm dann nachgesagt, Haus und Hof gegen böse Geister und Blitzschlag zu schützen, weshalb man bei älteren Bauernhäusern oder auch Ställen oftmals einen Holunderbusch stehen sieht.

In der Antike galt die Pflanze als wichtige Arznei, und auch heute noch ist der Schwarze Holunder eins der bekanntesten Volksheilmittel: antibakteriell, beruhigend, entgiftend, fiebersenkend, herzstärkend, kräftigend, schweisstreibend – es gibt fast nichts, was ihm nicht zugeschrieben würde.

Vor allem aber ist der Holdere auch ein wunderbarer Lieferant für die Küche: Seine Schirmrispenblüten, die jetzt blühen, lassen sich in einen wunderbaren Sirup (Rezept siehe Box) verkochen. Wer will, kann auch ein Gelee machen. Eine weitere bekannte Zubereitungsform sind ausgebackene Holunderblüten.

Die Vitamin-C-reichen Beeren wiederum, die auch von den Vögeln heiss geliebt werden, liefern meine Lieblingskonfi: Holdere-Apfel-Gelee, ein Traum (Rezept siehe Box). Und vergangenen Herbst hat mir eine gute Freundin selbst gemachten Likör geschenkt – auch der wurde nicht alt.

Doch aufgepasst: Da die Beeren des Schwarzen Holunders im reifen Zustand schwach giftig sind, sollten sie nicht roh verzehrt werden. Was die 62 (!) Vogelarten, die sich von den schwarzen Beeren ernähren, aber nicht wirklich stört.

Holunder in einer Hecke
Der Holunder ist eigentlich eine Waldrandpflanze und gedeiht deshalb auch im Halbschatten.

Holunder im eigenen Garten

Der Schwarze Holunder (lat. Sambucus nigra L.) gilt als äusserst anspruchslos. Er liebt den Halbschatten und bevorzugt nährstoffreichen, feuchten Boden. Deshalb findet man ihn gern auch an Waldrändern. Bei der Wahl des Standorts im eigenen Garten bitte einkalkulieren, dass der Strauch bis fünf Meter hoch und ziemlich ausufernd werden kann. Wird er allzu üppig, kann man ihn jedoch unbedenklich zurückschneiden.

Junge Holdere wachsen in der Regel problemlos an – selbst ausserhalb der optimalen Pflanzzeit im Herbst oder zeitigen Frühling. Nichtsdestotrotz eine kleine Warnung aus eigener Erfahrung: Mein zweiter Holunder fiel frisch gesetzt einer Horde Blattläuse zum Opfer; sie hatten die noch weichen Triebe wortwörtlich zu Tode gesaugt. Jungpflanzen deshalb regelmässig kontrollieren und die Läuse von Hand abstreifen oder aber mit Schmierseifenwasser einseifen.


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