09. November 2017

Ein Haus wird smart

Es fing an mit ein paar schaltbaren Steckdosen. Inzwischen hat Hans Fischer sein Zuhause Schritt für Schritt zum Smart Home umgebaut – und mit raffinierten Mechanismen Marke Eigenbau ausgerüstet.

Smart Home geht auch im Garten.
Hans Fischer kann die automatische Gartenbewässerung auch manuell per Tablet steuern.

Es scheint ein ganz normales Einfamilienhaus in ländlicher Umgebung zu sein, nichts deutet auf etwas Aussergewöhnliches hin. Nur Eingeweihte erkennen bei genauerem Hinsehen da und dort einen kleinen Sensor oder ein unauffällig verlegtes Aussenkabel.

Ein auffällig grosser Mann öffnet die Tür: Hans Fischer, Elektroingenieur und Technikblogger. Schon bald zeigt sich: Hier funktioniert nichts, wie in durchschnittlichen Haushalten. Auf dem Weg in die Küche gibt er bei seiner Kaffeemaschine via Smartphone-App einen Kaffee in Auftrag.

Selbst machen, dann passts

Für Hans Fischer ist das aber mehr eine Spielerei und Futter für seinen Blog. Wenn es um die Haussteuerung geht, verwendet er selten fertige Lösungen. Viel lieber tüftelt er die Dinge von Grund auf selbst aus, sodass sie genau seinen Bedürfnissen entsprechen.

Beispiel Gartensitzplatz: Fischer hat nicht nur die Platten selbst verlegt, sondern ein Sonnendach installiert, das sich bei starkem Wind und Regen selbst einrollt. Dafür ist es mit seiner kleinen Wetterstation und einem Regensensor auf dem Dach verbunden. Die Markise hat kein Gefälle, deshalb kann das Wasser nicht ablaufen.

Wetterstation
Wetterstation für die Steuerung der Bewässerung und der Storen


Die Wettersensoren sind auch nützlich für das automatische Bewässerungssystem. Die im Garten verlegten Schläuche kommen nur zum Einsatz, wenn es zu trocken ist. So muss Fischer im Sommer nicht jeden Tag eine halbe Stunde lang mit dem Schlauch im Garten stehen – eine eintönige Arbeit, die ihm keinen Spass macht.

Typisch für die Vorgehensweise von Hans Fischer ist auch der Rasenmähroboter. Den hat er nachträglich mit WLAN ausgerüstet und ihm eine Minigarage gebaut. So macht sich der Roboter nur an die Arbeit, wenn klar ist, dass es nicht auf das abgeschnittene Gras regnet.

«Ich versuche, dort zu automatisieren, wo es mich wirklich unterstützt», sagt Hans. Beim Licht etwa stimmt für ihn das Verhältnis von Aufwand und Ertrag nicht. Auf einen Schalter zu drücken, ist nun wirklich keine grosse Arbeit. Zwar wäre ein Bewegungsmelder im Gang ganz praktisch, wenn man keine Hand frei hat. «Aber wenn ich unser schon fast schlafendes Kind ins Bett trage, soll das Licht natürlich nicht angehen.» Und so intelligent ist dann das Smart Home auch wieder nicht, dass es diese Situation von einer anderen unterscheiden könnte.

Bewässerungsanlage
Bewässerungsanlage

Ein Grund, weshalb man kaum etwas von den Tüfteleien sieht: Die Sensoren und Motörchen kommunizieren meist über Funk mit der Zentrale, die sich im Keller an einer diskreten Stelle befindet. Den Schaltkasten hat Hans ebenfalls selbst gebaut, dann aber noch von einem Elektriker überprüfen lassen.

Schritt für Schritt erweitern

Alles selber zu bauen, macht ihm Spass. Ausserdem spart er so eine Menge Geld. «Eine Neubau-Installation kostet schnell einmal 20 000 Franken nur für die Smart-Home-Komponenten», sagt Hans Fischer.

Davon ist er selbst weit entfernt. Das Herzstück des smarten Heims, ein speziell dafür ausgelegter Server der Firma Loxone, hat gerade einmal 590 Franken gekostet, die Kosten für die gesamte Hardware schätzt Hans auf 2500 bis 3500 Franken. «Die Programmiersoftware ist zudem frei erhältlich, bei Lösungen wie KNX muss man den Elektriker ranlassen oder eine Lizenz kaufen.»

Die unzähligen Arbeitsstunden, nach einer groben Schätzung Fischers «mindestens 100», sind in den Kosten natürlich nicht eingerechnet, aber eben: Es ist ja ein Hobby, das er aus Spass betreibt. Oder besser gesagt: Es ist mit der Zeit zum Hobby ausgeartet. «Wenn man mal angefangen hat, entdeckt man immer mehr Dinge, die man auch noch machen könnte.» Das liegt unter anderem daran, dass man vieles messen und statistisch auswerten kann. Hans hat zum Beispiel die Daten zum Wasser- und Stromverbrauch im Loxone-Server zur Verfügung. So sieht er, welchen Effekt bestimmte Massnahmen haben oder ob es sinnvoll wäre, eine eigene Fotovoltaikanlage zu betreiben.

Aufladen des Elektrogartens
Laden des Elektroautos über die Photovoltaik-Anlage

Viele Menschen empfinden die Automatisierung als Bevormundung und Kontrollverlust. Nicht so Fischer. Weil er alles selber macht und weil er offene, modulare Bestandteile verwendet, ist er nicht abhängig von irgendwelchen Betreibern, die ihre Lösungen über die Cloud steuern, Nutzerdaten sammeln und das Gerät unbrauchbar machen, wenn sie Konkurs gehen.

Die meisten Daten werden bei Hans Fischer nur lokal über Funk übermittelt und sind nicht von aussen zugänglich. Eine Ausnahme stellt derzeit noch das Heizungssystem von Tado dar, das eine geschlossene Lösung ist, die Hans nicht selbst verbaut hat. Aber auch die Heizung möchte Fischer irgendwann über Loxone regeln.

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