27. Mai 2019

Zeit für mehr Frische und Nähe

Die Convenience-Kette der Migros wird zehn Jahre alt. Künftig soll es mehr Frischeprodukte geben – und neu Mini-Shops in Städten und an Tankstellen.

Migrolino-Chef Markus Laenzlinger vor der Filiale Löwenstrasse
Setzt auf Frische- und Gastroprodukte: Migrolino-Chef Markus Laenzlinger vor der Filiale Löwenstrasse Zürich
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Markus Laenzlinger steht vor dem Flipchart und zeichnet einen überdimensionalen Getränkeautomaten. Der Migrolino-Chef visualisiert seine neueste Idee: Es sind Kleinstläden in der Grösse von Zweizimmerwohnungen. Laenzlinger nennt sie Mikroläden oder Cornerstores. «Die kleinen Flächen zwischen 50 und 80 Quadratmeter sind unsere Zukunft.»

Laenzlinger kennt das «schnelle Geschäft mit den bequemen Produkten» schon seit Langem. Vor zehn Jahren hat er mit seinem Team die Migros-Tochter lanciert. Migrolino suchte Lizenznehmer mit Ladenflächen zwischen 100 und 200 Quadratmeter, überliess diesen gegen eine Gebühr den Namen und das Konzept und belieferte sie mit Migros- und Markenprodukten. «Anfangs glaubten nicht alle an uns», sagt Markus Laenzlinger. Für Gesprächsstoff sorgten etwa lange Arbeitszeiten oder tiefe Löhne der Shop-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter.

Frische Einrichtung, frische Produkte
Das Team liess sich nicht beirren, arbeitete hart und war mit dem Schnellkonsum-Geschäft zur richtigen Zeit am richtigen Ort, so Laenzlinger. Migrolino akquirierte nach Migrol und Shell die Tankstellenbetreiber Socar und Piccadilly als Shop-Partner und baute sein Franchise-Netz aus.

Parallel zur Expansion entwickelte das Team im Hauptsitz in Suhr einen neuen Ladenauftritt sowie das ­Konzept «Fresh» mit «ultrafrisch» ­hergestellten Sandwiches, Salaten, Menüs und Säften. Auch am Sortimentmix wurde gearbeitet: Mit einer Datenanalyse der Kassenbons hat ­Migrolino das Kaufverhalten in den Filialen durchleuchtet und den Produktemix entsprechend angepasst. Und sogar die kritischen Stimmen über die Arbeitsbedingungen in den Shops konnte Laenzlinger besänftigen. «Der 2016 abgeschlossene und seit Februar 2018 in Kraft getretene Gesamtarbeitsvertrag verbesserte die Situation», sagt er. Migrolino wolle eine faire und gute Zusammenarbeit mit den Lizenz­nehmern und deren Mitarbeitenden sicherstellen. «Nur wenn es ihnen gut geht, geht es uns gut.»

Inzwischen hat sich Migrolino mit  Wachstumsraten von jährlich sieben Prozent und mehr zu einem der am schnellsten wachsenden Unternehmen im Migros-Universum gemausert. Mit den 318 Geschäften macht die Kette 830 Millionen Franken Umsatz. Dazu kommen 140 Millionen Franken aus der Belieferung anderer Läden.

Minishops mit Bankensoftware
Zurzeit laufen die Geschäfte leider nicht immer reibungslos. Vor Kurzem verlor Migrolino in einer Ausschreibung zehn Standorte an Bahnhöfen. «Klar, das haben wir uns anders vorgestellt», sagt Markus Laenzlinger, «aber das spornt uns zu Verbesserungen an.» Besser werden will Laenzlinger mit den Mikroshops. Das Konzept soll demnächst umgesetzt werden – in Städten oder auch Shell-Tankstellen, die mit ihren 50 Quadratmetershops bisher zu klein waren für Migrolino.

Die Minishops sind tagsüber mit Mitarbeitern besetzt, die für Warennachschub sorgen. Nachts werden sie zu Selbstbedienungsstationen. Für den Warenbezug und den nächtlichen Zutritt benötigen Kunden die Migrolino-App, die mit einer Zutrittssoftware ausgestattet ist, wie sie Banken benutzen. «So können wir die Kunden identifizieren und sicherstellen, dass nur über 18-Jährige Alkohol beziehen können. Das ist unsere Vorstellung», so Markus Laenzlinger.

Die App erlaubt es zudem, direkt mit dem Kunden zu kommunizieren, und soll in den kommenden Monaten mit Sammelpässen oder Rubbelspielen ergänzt werden. Digitalisierung ist auch im Ablauf an der Kasse ein Thema. Das Migrolino-Team entwickelt eine Cloud-basierte Bezahllösung, die das Einkaufen einfacher und schneller macht: Bald können die Kunden ihren Kaffee und das Gipfeli dazu per App bestellen und danach einfach in der Filiale vorbeigehen und die Ware abholen.

Bald mit Ladestation für E-Autos
Die Arbeit wird Laenzlinger nicht so schnell ausgehen. Bereits hat er ein neues Projekt an der Angel. Migrolino erarbeitet einen massgeschneiderten Minishop für die Tesla-Ladestation in Dietikon, der im September eröffnet werden soll. Für Laenzlinger ist klar: «Wir wollen der Convenience-Betreiber werden, um den in der Schweiz niemand herumkommt.»

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