31. Mai 2018

Du nicht!

Gestern noch dicke Freundinnen, heute die kalte Schulter: Was ist los, wenn ein Kind plötzlich die beste Freundin nicht mehr mitspielen lässt? Das sei ziemlich normal, sagt die Expertin.

Mädchen mit Mutter im Gespräch
Wenn ein Kind plötzlich von den Gspänli ausgeschlossen wird, hilft ein offenes Ohr von den Eltern. (Bild: Getty Images).
Lesezeit 3 Minuten

Sara (7) und Tabea (6) sind seit dem ersten Kindergartentag eng befreundet. Sie treffen sich jeden Tag für den Schulweg und oft zum Spielen am Nachmittag - beste Freundinnen eben. Bis die achtjährige Noemi ins Haus nebenan einzieht. Sie freundet sich mit Sara an und möchte sie für sich allein haben - und bevor die jüngere Tabea sich versieht, ist sie ausgebootet. Wenn sie sich jetzt mit Sara verabreden will, sagt diese: «Nein, heute spiele ich mit Noemi, und du darfst nicht mitkommen.» Tabea ist todunglücklich. Ihre Eltern sorgen sich: Wird ihre Tochter gemobbt?

«Mobbing ist das meist nicht», beruhigt Brigit Baumberger König (46). Sie ist Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Entwicklungspsychologie und arbeitet am Zentrum für Systemische Therapie in Bern. Den beschriebenen Szenarien begegnet sie im Alltag oft. «In der Kindheit und frühen Jugend verändert sich viel, junge Menschen müssen sich selber noch kennenlernen und herausfinden, mit wem sie zusammen sein möchten», sagt sie.

Ausserdem, so die Expertin, sei es eine Charakterfrage, ob jemand schon früh stabile Freundschaften pflege, eher von einer Freundschaft zu anderen flattere oder sich in Gruppen am wohlsten fühle. «Natürlich gibt es Kindergartenfreundschaften, die für immer halten», räumt Baumberger König ein, «aber viele Kinder müssen zuerst Erfahrungen sammeln und merken, was eine verbindliche Freundschaft überhaupt ausmacht, nämlich Verlässlichkeit, Stabilität und Vertrauen.»

Hinzu komme, dass Kinder meistens ältere Gspänli spannender finden, sodass die jüngeren schlechtere Karten hätten. «Ob jemand dann einen Freund gleich ganz fallen lässt, ist eine Frage der Bedürfnislage und der Impulskontrolle», sagt Baumberger König. Vielleicht können die Eltern des "begehrten" Kindes diesem bewusst machen, dass es dem neu hinzu gekommenen Kind die Stirn bieten und zu seinem bislang liebsten Kameraden stehen kann.

Niemand kann jedoch solche schmerzhaften Situationen ganz vermeiden: «Plötzlich kommt ein neuer, starker Einfluss von aussen, dem sich der eine Teil eines Gespanns nicht entziehen mag», erklärt Brigit Baumberger König, «damit müssen wir alle umgehen lernen.»

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