23. März 2018

Du glaubst ja an den Osterhasen

Aber klar doch! Ein wenig Zauber im Alltag hat noch keinem Kind geschadet. Es gibt noch vier weitere Figuren, an die es sich zu glauben lohnt.

Lesezeit 1 Minute

Der Osterhase

Wer ist er?
Frühmorgens, wenn die Kinder noch in ihren Betten schlummern, hoppelt der Osterhase durch die Gärten und versteckt die farbigen Ostereier und die mit Schokolade gefüllten Osternestchen. Natürlich ist er längst über alle Berge, wenn die Kinder erwachen und sich auf die Suche machen.

Woher kommt er?
So rätselhaft es ist, dass der Papi plötzlich weiss, wo das lang gesuchte Nestchen versteckt ist, so rätselhaft ist die Herkunft des Osterhasen. Es kursieren verschiedene Geschichten. Eine davon besagt, dass der Osterhase in seinen Anfängen eine Osterhenne, ein Osterfuchs, ein Osterhahn, ein Osterkuckuck und ein Osterstorch war. Je nach Region war offenbar ein anderes Tier zuständig. Vermutet wird, dass sich der Hase aufgrund seiner starken Vermehrung von bis zu 20 Jungen pro Jahr als österliches Tier durchgesetzt hat. Dadurch gilt er als ein Symbol der Fruchtbarkeit.

blau-grünes Ei

Was ist zu beachten?
Es gilt als unschädlich, kleineren Kindern vorzugaukeln, dass der Osterhase die Eier und Süssigkeiten bringt. Im Gegenteil: Diese Illusion regt die Fantasie an und unterstützt die kognitive Entwicklung. Auch der erzieherische Nutzen ist hoch: Wann hat das Kind zuletzt so ausdauernd etwas gesucht? Allerdings – und das gilt auch für die Freunde des Osterhasen – sollten kritische Fragen und Zweifel von den Eltern unterstützt werden, sodass der Glaube an den Hasen schliesslich von selbst verschwindet. Aber Vorsicht: Ist das Kind noch von der Existenz des Storchs (unten) überzeugt, sollte bezüglich der Fruchtbarkeit der Hasen nicht zu sehr ins Detail gegangen werden.

Die Zahnfee

Wer ist sie?
In Kindermündern wackelt es manchmal ganz schön stark. Dann nämlich, wenn ein Milchzahn nach dem anderen ausfällt. Da kommt die Zahnfee ins Spiel beziehungsweise ins Kinderzimmer. Vor dem Zubettgehen legt das Kind seinen ausgefallenen Zahn unter das Kopfkissen. In der Nacht kommt die Zahnfee, die den Zahn mitnimmt und stattdessen ein kleines Geschenk dalässt. Mal ist es ein Glitzerstift, mal eine Murmel oder sogar ein Fünfliber.

Woher kommt sie?
Die Zahnfee ist uns aus dem englischsprachigen Raum zugeflogen. Vermutlich liegen ihre Ursprünge in einem magischen Ritual, das das Kind in die Jugend begleiten sollte. Als man noch an Hexen glaubte, war der richtige Umgang mit ausgefallenen Zähnen für die Menschen äusserst wichtig. Feenfiguren gibt es schon lange. Es ist nicht geklärt, wann sich die Mythen miteinander zur Zahnfee verwoben haben. Die ersten Berichte über die Zahnfee als gute Fee, die ausgefallene Zähne gegen Goldmünzen tauscht, gab es bereits Anfang des 19. Jahrhunderts.

Was ist zu beachten?
Statt unter das Kopfkissen kann das Kind den Zahn in einer Schatulle auf den Nachttisch legen. So laufen die Eltern nicht Gefahr, das Kind zu wecken, wenn sie sich unter dem Kopfkissen zu schaffen machen. Zudem kann die Zahnfee hervorragend als Komplizin in der Erziehung eingesetzt werden: Vielleicht hinterlässt sie ja mal einen Brief, in dem steht, wie wichtig es ist, immer gründlich die Zähne zu putzen.

Der Storch

Wer ist er?
«Mama, wo kommen die Babys her?» – «Na, die bringt der Storch!» Seine grossen Flügel schwingen auf und ab, im langen Schnabel hält er ein kleines Bündel mit dem Neugeborenen drin. Vorsichtig setzt er es vor dem Hauseingang ab. Nun gehört das Baby zu der Familie.

Woher kommt er?
Der Klapperstorch ist ein Symbol für Glück. Die Rückkehr der Störche im Frühjahr wurde mit neu erwachtem Leben in Verbindung gebracht. Sexualität war lange ein Tabuthema. Dank des Storchs kamen die Eltern darum herum, ihre Kinder über die tatsächlichen Umstände von Zeugung und Geburt aufzuklären.

Was ist zu beachten?
Der Storch ist zwar ein Klassiker, aber nicht mehr zeitgemäss. Wenn Fragen zu Schwangerschaft, Körper und Sex auftauchen, können Eltern inzwischen viele gute Kinderbücher zur Hand nehmen.

Das Christkind

Wer ist es?
An Heiligabend öffnen Eltern und Kinder das Fenster zum Wohnzimmer. Sie verlassen den Raum für eine ganze Weile. In dieser Zeit fliegt das Christkind hinein und legt die Geschenke unter den Baum. Wenn es mit dem Glöckchen klingelt, heisst das für die Familie: Jetzt darf sie reinkommen. Leider ist das Christkind dann schon wieder weg.

Woher kommt es?
Wie sein Name schon verrät, ist das Christkind religiöser Herkunft. Auch wenn es heute vor allem katholische Haushalte anfliegt, wurde es von den Reformierten erfunden. Daran ist der Samichlaus (unten) nicht ganz unschuldig. Zuerst war nämlich er für das Schenken zuständig. Da die Reformierten nicht an Heilige glauben, aber den Brauch des Schenkens nicht aufgeben wollten, entstand im 16. Jahrhundert das Christkind.

Was ist zu beachten?
Dem Christkind kann man Briefe schreiben. Es arbeitet mit der Schweizerischen Post zusammen – ein Team ist dafür zuständig, ihm beim Beantworten der Kinderbriefe zu helfen.

Der Samichlaus

Wer ist er?
Wenn es am 6. Dezember an der Tür klingelt, steht da mit ziemlicher Sicherheit der Samichlaus. Er hat den Schmutzli, ein Eseli und ein grosses Buch dabei. Daraus liest er den Kindern vor, was sie im vergangenen Jahr gut und was weniger gut gemacht haben. Zum Schluss gibt es Mandarinen, Schokolade und Spanische Nüssli. Und natürlich das hohe und heilige Versprechen der Kinder, dass sie künftig artig sein werden.

Woher kommt er?
Na, aus dem Wald! Niemand weiss, wo genau seine Hütte steht. Was viele auch nicht wissen: Der Samichlaus ist Türke. Der heilige Nikolaus wurde 325 nach Christus in der Stadt Myra, die heute zur Türkei gehört, zum Bischof geweiht. Um ihn kreisen viele Legenden und Mythen. In der Schweiz verschmolz der Sankt Nikolaus irgendwann zum Samichlaus.

Was ist zu beachten?
Der Samichlaus ist nicht mit dem Weihnachtsmann zu verwechseln. Der Weihnachtsmann ist das amerikanische Pendant zum Christkind und bringt an Weihnachten die Geschenke. Dank Filmen und Werbespots wird er auch in der Schweiz immer bekannter – und beliebter. Eltern dürfen gern ihr Kind darüber aufklären, welcher weissbärtige Mann zu welcher Tradition gehört.

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