12. Januar 2018

Digitale Entgiftung

Ein Tag ohne Smartphone? Für viele unvorstellbar. Das Gegenmittel heisst «Digital Detox». Aber wer braucht das eigentlich?

Menschen mit Smartphone vor dem Gesicht
Ohne Smartphone leben? Für manche Menschen ist das inzwischen undenkbar (Bild: Nicolas McComber/Getty Images).
Lesezeit 2 Minuten

Wir berühren unser Smartphone laut einer Studie über 2500-mal täglich. Surfen, spielen, liken: Für viele gibts kaum einen Moment, an dem sie nicht in irgendeinen Bildschirm starren. Hier soll der digitale Detox Abhilfe schaffen – digitale Entgiftung also. Weil viele Betroffene es nicht schaffen, das Handy wegzulegen oder den TV abzuschalten, gibt es sogar eigene Detox-Camps. Abgeschottet von der Zivilisation und vom WLAN-Netz, nehmen Teilnehmer eine Auszeit von Handy und Co. Sie meditieren oder reden zur Abwechslung mal wieder von Angesicht zu Angesicht miteinander. Auch in der Schweiz gab es schon Pilotversuche.

Nicht nötig, schadet aber auch nicht

Sind solche Radikalmassnahmen notwendig? In einer Studie der Zürcher Fachhochschule ZHAW mit Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren wiesen über 80 Prozent der Probanden keinerlei Suchtverhalten auf. Bei zehn Prozent gebe es jedoch erste Anzeichen und bei acht Prozent könne man gar von einer Verhaltenssucht sprechen, so Studienleiter Daniel Süss. «Die meisten Jugendlichen und auch die Erwachsenen brauchen kein Detox. Einer Minderheit würde es allerdings guttun.»

Anzeichen einer Sucht sind: Die Gedanken schweifen ab, man denkt ständig an Onlineaktivitäten, empfindet das Offlinesein als unangenehm. Man vernachlässigt Dinge, es kommt zu Leistungseinbussen und zu Schlafmangel. Oft werden Onlineaktivitäten vor nahestehenden Personen verborgen.

«Die meisten von uns haben ständig ihr Smartphone dabei. Wir sind immer online, und dank Flatrates gibt es keine Einschränkungen mehr. Darum braucht man eine bewusste Abgrenzung», sagt Daniel Süss. Vielen fällt das schwer. Fear of Missing out (FOMO) beschreibt die Angst, etwas zu verpassen, sei es einen Beitrag oder einen Kommentar. Deshalb loggt man sich immer wieder ein. «Ein gezielter Verzicht aufs Smartphone kann helfen, solche Muster zu unterbrechen und sein Verhalten im Alltag zu überdenken», erklärt Süss. Der Entzug kann sich auch physisch bemerkbar machen. Das Hochfahren eines Computers kann bei den Betroffenen zu einer Dopaminausschüttung führen. Dieses Belohnungsgefühl wird man anfangs vermissen. Deshalb sollte man zum Ausgleich etwas unternehmen.

Das Ziel eines Detox-Camps ist, nicht in die alten Verhaltensmuster zurückzufallen. Es geht jedoch nicht darum, ohne Handy zu leben. Man sollte Prioritäten setzen und entscheiden, was wichtig ist. Das gilt für alle, nicht nur für Menschen mit einem Suchtverhalten.

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