13. Oktober 2017

Eine Uno-Stimme für die Jugend

Die 21-jährige Sabine Fankhauser hat vor der Uno-Generalversammlung in New York die Anliegen der Schweizer Jugend präsentiert. Sie wünscht sich mehr politisches Engagement und eine Zukunft, die alle mitgestalten.

Sabine Fankhauser vor dem UNO-Hauptsitz
Sprachrohr der Schweizer Jugend: Sabine Fankhauser vor dem UNO-Hauptsitz in New York.

Die Wünsche vieler Jugendlicher in drei Minuten Redezeit packen und vor der Uno-Vollversammlung in New York auf Französisch präsentieren? Diese Aufgabe würde wohl viele abschrecken. Doch Sabine Fankhauser (21) war nur leicht nervös, als sie Anfang Oktober vor den Delegierten aus 193 Ländern die Eröffnungsrede zum Traktandum 28, Soziale Entwicklung, hielt. «Ich rede gern vor Leuten», sagt sie. Da ihr Auftritt vorverschoben wurde, hatte sie auch gar keine Zeit, nervös zu werden.

SABINE FANKHAUSERS WICHTIGSTE BOTSCHAFT IM VIDEO

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Sabine Fankhauser ist seit Jahresbeginn Jugenddelegierte und hat sich in dieser Funktion mit vielen 15- bis 25-Jährigen ausgetauscht. Es war ihr wichtig, möglichst unterschiedliche Jugendliche zu fragen, was sie beschäftige. «Da ich nicht demokratisch gewählt worden bin, wollte ich mir die Position verdienen.» Sie hat in verschiedenen Regionen der Schweiz Schulklassen besucht, sich mit Jungpolitikern getroffen, Pfadfinder begleitet und ein Wochenende mit sogenannten UMAs, unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden, verbracht.

Und allen hat sie die gleichen Fragen gestellt: Welches sind eure Wünsche für die Zukunft? Was bereitet euch Sorgen? Fühlt ihr euch von der Gesellschaft ernst genommen?Politisch liessen sich die Antworten zwar nicht auf einen Nenner bringen.
Hinsichtlich der Wertvorstellungen hingegen fand Sabine Fankhauser viele Gemeinsamkeiten: Ob Teenager oder Mittzwanziger, ob Gymnasiast oder Lernender, ob Asylsuchende oder Schweizerin, alle brachten sie zum Ausdruck, dass sie dazugehören und mitbestimmen möchten. In einer Gemeinschaft leben wollen, wo man aufeinander Acht gibt und Spass haben kann.

Als Fazit aus den zahlreichen Gesprächen hat sie eine Rede zum Thema «Gesellschaftliche Teilhabe» gehalten. Sabine Fankhauser hielt ein Plädoyer dafür, dass Migranten integriert werden, Frauen die gleichen Chancen haben und allen eine gute Bildung offensteht. Entscheidend sei dabei die Haltung jedes Einzelnen.

Ein Zuhause für Menschen aus aller Welt

Sabine Fankhausers Offenheit für andere ist ihr zu Hause vorgelebt worden: In den vergangenen zehn Jahren haben stets Jugendliche aus anderen Ländern das Gästezimmer der Familie bewohnt. Gastgeschwister aus Latein- und Nordamerika, Litauen, Rumänien und Neuseeland brachten ihre Sicht auf die Welt ein.

Seit anderthalb Jahren lebt eine junge Eritreerin in ihrem Elternhaus in Riehen BS. Die 21-Jährige ist aus ihrer Heimat geflüchtet, um nicht zwangsverheiratet zu werden oder Militärdienst leisten zu müssen. Nach zwei Jahren in einer Integrationsklasse absolviert sie nun ein Praktikum in einem Altersheim. «Wir hoffen, dass sie dort später ihre Lehre absolvieren kann», sagt Sabine Fankhauser.

Sie selbst studiert Interna­tionale Beziehungen an der Universität St. Gallen. Ihr Engagement als Jugenddelegierte nimmt dieses Jahr allerdings rund 700 Stunden in Anspruch, zudem jobbt sie für eine Austauschorganisation der Universität und als Snowboardlehrerin. Deshalb belegt sie dieses Jahr nur das Minimum an Vorlesungen. Seit je ziehen ihre Kolleginnen und Kollegen sie auf, weil sie es bei all ihren ausseruniversitären Aktivitäten für erstaunlich halten, dass Sabine die Prüfungen immer besteht. Sie könne gut Prioritäten setzen – und habe sehr hilfsbereite Freunde an der Uni, sagt sie mit einem Lächeln.

Sabine Fankhauser war stets politisch interessiert. Zu Hause wurde viel diskutiert, und sie hat viel und breit gefächert gelesen, um sich mit Argumenten zu wappnen für die Diskussionen mit ihren zwei Schwestern und ihren Eltern. «Eine Zeitung reicht nicht», sagt sie. Das Studium vermittle ihr, wie Wirtschaft, Politik und Recht zusammenhängen. «In den zwei Jahren an der Uni habe ich mich von der Träumerin zur Realistin gewandelt.» Früher fand sie, man müsse möglichst viel Geld in Krisenregionen investieren. Heute treibt sie die Frage um, wie man nachhaltig helfen kann.

Zeigen, wie man sich einbringen kann

Um auch im Kleinen etwas beizutragen, hat sie für das Jugendrotkreuz St. Gallen zwei syrischen Teenagern ein Jahr lang Nachhilfe in Deutsch gegeben. Sobald sie mehr Zeit hat, möchte sie das erneut tun. Ihrer Meinung nach könnten sich viel mehr Menschen für Flüchtlinge engagieren. «Ich kenne Leute, die noch nie mit einem Flüchtling zu tun hatten», sagt sie. Das stimme sie nachdenklich. «Jeder könnte doch eine Stunde pro Woche weniger mit den sozialen Medien verbringen und sie stattdessen in die Integration von Flüchtlingen oder andere soziale Engagements investieren. Es braucht mehr Offenheit und Toleranz auf beiden Seiten.»

Das Klischee der unpolitischen Jugend ärgert Sabine Fankhauser. «Bei den Jugendlichen ist es wie bei den Erwachsenen: Manche sind politisch, andere nicht.» Sie findet es wichtig, dass man den Jungen in den Schulen vermehrt zeigt, wie sie sich einbringen können. Und sie wünscht sich, dass bald mehr als nur 35 der 193 Länder der Uno Jugenddelegierte stellen. «Jeder Vierte auf dieser Welt ist zwischen 15 und 25 Jahre alt», sagt sie. «Wir sind wichtig.» 

Sabine Fankhauser (21)

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