30. August 2017

Salzburg überrascht mit neuen Attraktionen

Die österreichische Barockstadt Salzburg erfindet sich immer wieder neu. Ein Streifzug durch «Die Bühne der Welt» zu zahlreichen neuen Adressen und Attraktionen.

Salzburg
Die Aussicht von der Festung Hohensalzburg auf Salzburgs Altstadt gehört zum Pflichtprogramm.
Lesezeit 5 Minuten

Gut Ding will Weile haben: Salzburg muss mal wieder ohne direkte Flüge ab der Schweiz auskommen. Am besten und umweltfreundlichsten ist der Railjet, der beispielsweise ab Zürich ohne Umsteigen 5 Stunden und 23 Minuten benötigt, um am Hauptbahnhof der nach Wien, Graz und Linz viertgrössten österreichischen Stadt mit 152 000 Einwohnern einzufahren.

Die relativ lange Anreise lohnt sich gerade in diesen Tagen, denn Salzburg, seit 1997 mit ihrem Altstadt-Ensemble auf der Unesco-Weltkulturerbe-Liste, lockt mit so einigen neuen Attraktionen. Dazu zählt das Vier-Sterne-Boutique-Hotel Goldgasse, das sich im historischen Zentrum der Altstadt und in Fussdistanz zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten befindet. Das Haus hat 16 originell eingerichtete Zimmer und Suiten, eröffnete im Frühjahr 2015 und ist Mitglied von «Small Luxury Hotels». Der Name des Hotels nimmt es vorweg: Er ist ein Tribut an die gleichnamige schmale Gasse, die vom Alten Markt in einem Bogen zum Residenzplatz führt, wo Europas zweitgrösster Marmorbrunnen steht.

Eines von 16 Zimmern im «Goldgasse»: die Peer-Gynt-Suite.

So richtig begeistert bin ich von « G'schmackige Touren durch Salzburg»: Astrid Zehentmayer holt mich für die seit 2014 existierende «Schmankerltour» ab. Diese kostet 45 Euro pro Person (bei 1 bis 5 Personen Gesamtpreis 250 Euro) und streift während dreier Stunden verschiedene kulinarische Adressen, aber auch die grossartige Historie Salzburgs. Bei der stadtbekannten Sporer Likör- & Punschmanufaktur an der Getreidegasse 39 beeindruckt die grosse Weinauswahl auf engem Raum. Tipp: nach dem Roten Veltliner verlangen!

Kurze Visite bei der Sporer-Manufaktur mit ihrer grossen Auswahl

In nachbarschaftlicher Nähe, an der Getreidegasse 15, geschäftet Azwanger gleich neben dem Geburtshaus von Mozart seit 1656 und verkauft inzwischen neben vielem anderen die Spezialität Schilcher, Gin oder Marillenbrand (Aprikosenschnaps). Tipp für Naschkatzen: «Venusbrüstchen». Diese süsse Verführung erfreute schon zur Zeit Mozarts den Gaumen. An der Getreidegasse 38a, in einem kleinen Hof, wartet seit Februar 2017 die Café/Bar «Seppo» auf Kunden. Der Name ist ein Hinweis auf den finnischen Betreiber. Feine Öle und Balsamico ab Fass gibt es im «GenussFass» an der Wiener-Philharmoniker-Gasse 3.

Astrid Zehentmayer durchquert mit ihrer Begleitung aus der Schweiz den Salzburger Grünmarkt am Universitätsplatz (samstags geöffnet von 7 bis 13 Uhr), wo ich eine grünrote sizilianische Weltklasse-Tomate kaufe. Am Mozartplatz 5 befindet sich seit Neuem die Genussmanufaktur Grahammer. Das Angebot umfasst Essige aus der kleinsten Manufaktur der Welt, Wiener Salonnougat vom Ein-Mann-Betrieb, Konfi aus Salzburg, Biosäfte, Schnäpse, Honig und, und, und. Und in der Schauküche werden Pestos, Chutneys und Salatdressings bei einem Glas Prosecco verkostet. Und gleich noch eine starke Adresse: Im Klosterladen St. Peter gibt es neben Büchern über spirituelles Leben und Religion auch Schmankerl wie mit Weihrauch angereicherte Geleefrüchte.

Teil des fürsterzbischöflichen Werks und des DomQuartiers: der Domplatz in der historischen Altstadt.

Der Kirche begegnet man in der Altstadt von Salzburg auf Schritt und Tritt. Sie ist bestes Beispiel einer kirchlichen Residenzstadt im Herzen Europas. Verantwortlich für die Entwicklung waren die Fürsterzbischöfe als geistliche und weltliche Führer. Zum Entdecken ihrer Errungenschaften in der Mozartstadt lohnt sich die Salzburg Card. Dabei gibt es das prunkvolle DomQuartier als neuen Museumsrundgang (mindestens zwei Stunden einrechnen). Empfehlenswert ist ebenso die Ausstellung zu 20 Jahre Unesco-Weltkulturerbe im Panorama-Museum am Residenzplatz.

Der Mirabellgarten lockt mit seiner schönen Aussicht auf die Festung Hohensalzburg, der grössten und am besten erhaltenen in Europa.

Es lohnt sich, auch mal die Uferseite der Salzach zu wechseln und beispielsweise durch den Mirabellgarten zu wandern, am besten in den früheren Morgenstunden, weil tagsüber Hunderte von asiatischen Touristen die Anlage frequentieren. Dort finden auch die Schlosskonzerte Mirabell statt.

Aussicht vom Kapuzinerberg auf Salzburg und die Festung.

Wir wandern zu einer weiteren Neuheit: Der Kapuzinerberg bietet nicht nur eine schöne, kurze Wanderung mit überraschender Aussicht auf Salzburg. Er ist auch das Zuhause des neu gestalteten Franziskischlössl. Das ist ein wunderschön gelegenes Haus mit zwei soeben fertiggestellten Suiten (vier ab 2018), einem Restaurant mit Terrasse, einem Jagdgewölbesaal und Hofladen zugleich. Wer an einem ungewöhnlichen Ort, abseits der Hektik, ein paar Tage ausspannen möchte, ist hier genau richtig. Der ehemalige Wehrbau mit Befestigungsanlagen gehört ebenfalls zum Unesco-Weltkulturerbe. Anton Gruber heisst der Geschäftsführer des Franziskischlössl, das man tagsüber auch nur zu einer Einkehr besuchen kann.

Die neuesten Zimmer im Franziskischlössl beeindrucken mit grosszügigen Räumlichkeiten. (Bild: zVg).

Wir wandern rund eine halbe Stunde den Hügel hinunter zurück Richtung Mirabellgarten und besuchen eine eigentliche Institution von Salzburg: das Marionettentheater an der Schwarzstrasse 24, seit 2016 auf der Liste des immateriellen Unesco-Weltkulturerbes. Dort arbeitet seit vielen Jahren der Westschweizer Pierre Droin als Puppenspieler. Für Jung und Alt ist es immer ein spezielles Erlebnis, auf einem der 365 Plätze eine Oper mit Marionetten zu geniessen.

Pierre Droin aus Genf arbeitet schon seit Jahrzehnten am Salzburger Marionettentheater.

Am Sonntag frühstücken wir wie die Salzburger und besuchen das Café und die Cocktailbar Glüxfall am Franz-Josef-Kai 11, gleich bei der Salzach. Die Auswahl ist riesig, die Nachfrage ebenso. Deshalb der Tipp: unbedingt vorgängig reservieren.

Auf dem Weg von Salzburg nach Hellbrunn fährt man durch diese Baumallee.

Nach dem Brunch radeln wir nach Hellbrunn. Das Velo dazu lässt sich bei «a velo» an der Willibald-Hauthaler-Stasse 10 ausleihen. Die Strasse befindet sich beim Mozartplatz. Die Baumallee schon ein paar Minuten nach dem Verlassen der Altstadt präsentiert sich wunderschön. Auch von hier zeigt sich die Festung Hohensalzburg attraktiv.

Hellbrunn selbst ist Schloss, Park und Wasserspiele in einem. Das Lustschloss ausserhalb von Salzburg wurde vergangenes Jahr 400 Jahre alt. Auch hier wieder wie im Zentrum selbst: Eine neue Ausstellung (Eintritt € 12,50 inklusive Audioguide, mit «Salzburg Card» kostenlos) informiert über die wechselvolle Geschichte. Unbedingt anschauen sollte man sich übrigens die Wasserspiele, wobei man aufpassen muss, nicht überraschend von einem Strahl nass zu werden - eine faszinierende Reise in die Renaissance.

Hellbrunn eignet sich für einen Halbtagesausflug ab Salzburg - am besten mit dem Velo.

Und Hellbrunn hat auch einen stimmigen Weihnachtsmarkt. Ja, Salzburg ist ohnehin die Stadt des Advents. Kein anderer Ort in Europa zelebriert die Tage vor Weihnachten mit solcher Passion, nirgendwo ist die Auswahl an Läden, Märkten und Veranstaltungen wie dem Salzburger Adventsingen dichter.

Vom 1. bis zum 17. Dezember 2017 geht es mit dem Salzburger Adventsingen wieder los (Bild: zVg).

Kein Salzburg-Beitrag ohne eine Glaubensfrage zu beantworten: Wo gibt es denn die besten Mozartkugeln? Das wiederum ist freilich Ansichtssache. Diejenigen von Fürst kosten € 1,30 das Stück und haben mehr Schokolade, die von Holzermayr werden mit mehr Marzipan angereichert. Und das Schokoladen- und Confiseriegeschäft Josef Holzermayr befindet sich am Alter Markt 7, also gegenüber dem neuen Hotel Goldgasse, dem Ausgangspunkt unserer Reise.

Das Goldgasse führt auch ein sehr empfehlenswertes Restaurant, das sich Gasthof Goldgasse nennt und seit Juli 2014 gegen 40 Plätze hat. Motto: «heimisches Geniessen im Herzen der Altstadt». Das geht so: junger Spinat mit pochiertem Bioei, Spargelcremesuppe, hausgemachte Tarte vom weissen Spargel (im Frühling), auf dem Salzstein gegarte Chiemsee-Reinanke, Erdbeerdessert. Die Speisen von Küchenchef Nico Wlodarczak (26) und seinem neunköpfigen Team sind regional, saisonal, innovativ und sehr, sehr schmackhaft. Die Preise sind für Schweizer Verhältnisse sehr angenehm, kostet doch beispielsweise der erwähnte Fisch als Hauptgang € 25,90. Trotz der Innovation ist das Backhendl eines der beliebtesten Positionen auf der Menükarte.

Tipp für ein Restaurant in Salzburg: der Gasthof Goldgasse an der Goldgasse 10. Der junge Spinat mit dem pochierten Bioei hat sehr gut geschmeckt.

Salzburg hat neben innovativen Köchen auch diverse Restaurants, die gerne traditionelle Speisen anbieten. Meine weiteren Restaurant-Tipps: Fideler Affe oder Zum Zirkelwirt (unbedingt Brennnesselknödel ordern) für typisch österreichisch-gutbürgerliche Küche, Carpe Diem Finest Fingerfood an der Getreidegasse oder Mönchsberg 32 für Gourmets. Das M32 erreicht man auf einem gemütlichen Spaziergang von der Festung hoch oberhalb von Salzburg bis zum Museum der Moderne.

Wer nach dem Abendessen ein Glas Wein geniessen möchte, sollte zu Wein & Co pilgern. Das Ladenlokal und die Bar dort sind gerade am Wochenende stark besucht. Man bekommt kaum einen Stehplatz. Es lohnt sich also, zu reservieren oder frühzeitig einzutreffen. Prosit!

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