07. Oktober 2017

Die Superpendlerin

Wenn man auf dem Land wohnt und in der Stadt arbeitet, gibt es eine Unannehmlichkeit, um die man nicht herumkommt: das Pendeln. Eine Leidensgeschichte.

Fahrender Zug.
Wohl oder übel muss man sich mit dem Pendeln abfinden, wenn man am einen Ort wohnt und am anderen arbeitet. (Bild: Dan Roizer)
Lesezeit 2 Minuten

Es klingt perfekt: Ich wohne auf dem Land und arbeite in der Stadt. Ich geniesse tagsüber die ganzen Trüffel-Kebabs, Pop-up-Stores und #zurichskylines. Am Abend lasse ich die gestresste Menschenmasse, die ausgefahrenen Ellenbogen und die HB-Hängers zurück. Ich bin dann wieder in meinem Dorf, wo alles ruhig ist und heimelig.

Wie gesagt, es klingt perfekt. Wäre da nicht das Problem, dass ich jeden Morgen und jeden Abend irgendwie vom Land in die Stadt und umgekehrt kommen muss. Pendeln nennt sich mein Problem. Ich bin eine Pendlerin. Und ich verabscheue es.

Ich bin nämlich überzeugt, dass ich eine ganz speziell schlechte Pendlerin bin. Nicht so eine fröhliche Superpendlerin, die die Zeit im ÖV nutzt, um E-Mails zu beantworten, die Babysitterin zu instruieren und sich auf den Feierabend einzumeditieren.

Ich bin eher die Sorte, die zwischen Facebook-Aktualisieren, Einnicken und aggressivem Anstarren von überdrehten Teenagern hin und her wechselt.

Weil ich derart schlecht im ÖV-Pendeln bin, habe ich mich entschlossen, einen Teil meines Wegs mit dem Auto zurückzulegen. Meine Morgen sehen nun so aus, dass ich zuerst zu Anton hetze (so heisst mein Auto, zum Nachnamen Miroslav, aber das ist eine andere Geschichte). Anton steht jedoch nicht etwa in meiner Tiefgarage, denn ich habe keine, sondern im Parkhaus der Gemeinde.

Das nächste Ziel: Der Bahnhof eines Zürcher Agglo-Ortes. Auf dem Weg hat es insgesamt vier Lichtsignalanlagen und eine Baustelle. Während der Wartezeiten sende ich Stossgebete gen Himmel, dass es am Bahnhof einen freien Parkplatz haben möge.

Bisher hat das fast immer funktioniert. Ich parke also und warte darauf, dass der Zug eintrifft. Während der Fahrt befinde ich mich im erwähnten Wechselbad zwischen Aktualisieren, Einnicken und Anstarren. Am HB angekommen, sprinte ich aufs Tram. Nach zwei Stationen quetsche ich mich nach draussen. Endlich angekommen!

Während meine Zürcher Arbeits-Gspänli an ihrem Bürotisch fröhlich in den Tag starten, bin ich schon fix und fertig. Ich habe einen Spaziergang, eine Auto-, Zug- und Tramfahrt hinter mir. Fehlen als Verkehrsmittel nur noch Velo, Schiff und Flugzeug.

Wenn ich mir das so überlege: Challenge accepted! Vielleicht komme ich dann in die Zeitung als Pendlerin des Jahres?

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