31. März 2014

Die sinnlosesten Erfindungen

Quadratische Wassermelonen? Wurden tatsächlich in Japan erfunden. Migrosmagazin.ch stellt zehn der verrücktesten Innovationen vor.

quadratische Wassermelone
Die quadratische Wassermelone (Bild: Fotolia)

Die quadratische Wassermelone
Das obige Bild zeigt eine Frucht mit dem unverwechselbaren Muster der Melone, jedoch gleichmässig quadratisch stapel- und lagerbar – so lang sie denn frisch bleibt. Logisch für in Biologie Bewanderte: Ausgewachsene Wassermelonen bringt man nicht mehr so in Form, die Erfinder aus der Ernährungsindustrie zogen sie von Anfang an in genau normierten Schablonen heran.

Die «Ohrentrompete»
Russel E. Oakes aus Wisconsin war hauptberuflich Werbetexter, tat sich aber mit überschaubarem Erfolg nebenher als Erfinder von über 60 Patenten hervor. Neben einem an sich nützlichen, im Handling aber mässig praktischen Spaghetti-Wickler verdient sicher seine Ohrentrompete den Absurditätspreis: Das ins Ohr gehaltene, geschwungene Ding sollte es ermöglichen, Gespräche hinter dem eigenen Rücken belauschen zu können, ohne sich umdrehen zu müssen. Ob die bahnbrechende Innovation, die unübersehbar das Signal «Ich lausche mit!» ausgesendet hatte, in den 50er- und 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts vielen Leuten half?

Das «geknickte» Bett
Ein ehemaliger Zirkusdirektor, ebenfalls aus den USA, schlug sich in derselben Epoche mit einem Schlafproblem herum. Er hatte genug davon, sich seitlich weg zu wälzen oder sich gar umzudrehen, um am Ende nach einem Sturz abrupt auf dem Boden aufzuwachen. Der clevere Mann ersann also ein Bett mit einem markanten Längsknick in der Mitte. Diese Vertiefung hinderte Testpersonen tatsächlich, im Schlaf unkontrollierte Drehungen und Verschiebungen auszuführen – allerdings mangels stabiler Liegeposition für Wirbelsäule und Co. ebenso effizient daran, überhaupt einzuschlafen.

Die «Augentropfen-Zielbrille»
Während die Schweiz in Sachen Erfindungen pro Einwohner weltweit mit an der Spitze liegt, brilliert die Innovationsgrossmacht Japan seit Jahren mit einer unschlagbaren Menge an Patenten, wovon viele schlicht den Alltag erleichtern sollen. Einige mit durchschlagendem Erfolg, andere ohne. Das Beispiel des Gestells, das wie eine Hornbrille daherkommt, mit zwei auf die Augen gerichteten Trichterchen, um von oben Augentropfen zielgerecht einzuträufeln, dürfte hilfreich sein. Bloss schämt sich wohl jede(r), so etwas in der Öffentlichkeit anzuwenden.

Der Glamour-Autoreifen
Nicht nur Privatpersonen, auch gestandene, ja erfolgreiche Grossfirmen bescheren der Öffentlichkeit oder zumindest sich selbst bisweilen eine sinnlose Erfindung. Der Pneuriese Goodyear entwickelte in den 60er-Jahren einen Reifen mit kleinen leuchtenden Glühbirnen im Felgenbereich. Sicher erhöhte dies seitlich, gerade bei Stillstand in der Nacht die Sichtbarkeit des Wagens in der Umgebung. Generell dürfte mehr nervöses Geflimmer auf befahrenen Routen den Komfort und die Sicherheit kaum erhöht haben.

Die Flimmerkiste
Wer sagt, dass verrückte Erfindungen nie Verbreitung finden dürfen? Sucht man nach Innovationen, die unser Leben bis heute mitprägen, aber in völlig anderem Sinn als vom Erfinder beabsichtigt, stösst man schnell auf das Werk des Amerikaners Farnsworth. Sein erster Fernseher war klar zu Bildungszwecken gedacht, speziell sollten Lebensarten und -umstände anderswo auf der Welt gezeigt werden. Trotz ein wenig Reise- und Bildungs-TV heute: Das Ziel stand schnell weit hinter Unterhaltung und Werbung zurück. Aber zugegeben, in Sachen Marktdurchdringung bleibt der Fernseher weltweit unübertroffen.

Das Tötungsinstrument
Ebenso stutzig wie die Flimmerkiste könnte einen die Erfindung von Joseph-Ignace Guillotin machen. Sie wurde nicht nur in der Französischen Revolution, sondern über Jahrzehnte bis in der hintersten Überseeinsel angewendet. Der Zyniker mag also auf dem Erfolg der Erfindung beharren, doch erinnert man sich an das Ziel von Guillotins Produkt, befallen einen leise Zweifel: Er wollte die von Staat und Machtapparaten verhängte Todesstrafe humaner gestalten. Zuverlässig funktionierte sie bei Wartung von Konstrukt und geschliffenem Beil zwar, aber punkto Schmerzfreiheit und vor allem Unabhängigkeit von Klassenzugehörigkeit der Opfer stellen sich Fragen. Zudem führte die vordergründige Effizienz des Instruments zu einem Boom (halb-)staatlicher Exekutionen. Guillotin schämte sich bis zum Tod (jährte sich am 26. März um 200. Mal), die Nachfahren benannten sich um.

Die Partydroge
Einige Dauergäste an Musikanlässen in den 80er-Jahren bis in die Gegenwart werden die Nase rümpfen, doch auch das MDMA, abgekürzt für 3,4-Methylendioxy-N-Methylamphetamin, fällt historisch gesehen unter die Kategorie der sinnlosen Erfindungen – für gut 70 Jahre. Der deutsche Anton Köllisch wollte mit dem heutigen Ecstasy ursprünglich starke Blutungen medikamentös stoppen. Doch erst die Aufputschwirkung für den Ausgang rettete die Substanz für den Massengebrauch.

Die Gewürzstäbchen
Zurück nach Japan führen uns die Essstäbchen mit eingebauter Gewürzampulle. Durch Zusammendrücken der oberen Enden mit den Fingern verstreut man durch die unteren Enden Gewürz auf das Gericht im Teller. Dass fernöstliche Menschen am Tisch viel mehr Fingerspitzengefühl aufbringen als Europäer oder Amerikaner, sei geschenkt. Aber wie viel Training und Körperbeherrschung sind erst erforderlich, um genau die gewollte Messerspitze an Gewürzen zusätzlich auf dem Essen zu platzieren?

Der Spaghetti-Kühlventilator
Zum Schluss nochmals eine Erfindung für Frau und Herr Jedermann zur erleichterten Nahrungsaufnahme – bei einem weltweit verbreiteten Gericht: Ein an einem Stäbchen (schon wieder!) befestigter Ventilator sorgt mit Luftzug dafür, dass die nächste Ration an gerollten Pastawürmchen rasch zum Verzehr bereit ist. Bloss beschwert das Gerät den filigranen Stab mindestens so sehr, wie beim ausbleibenden Pusten Energie gespart werden kann. Ach ja: Mitesser mit Verständnis für Lärm und Skurriles brauchen etwaige Testpersonen natürlich auch.

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