Leser-Beitrag
28. Januar 2018

Die Schneeflockenfallschule

Die Geschichte von Leserin Annette Scholer zur Erklärung der Entstehung von Schneeflocken für ihre Tochter.

Schneeflocken meiner Tochter
Die Schneeflocken meiner Tochter

„Mami warum schneit es schon wieder nicht?“ fragte die kleine Lisa ihre Mutter.
„Es ist gar nicht so einfach, dir das zu erklären. Aber es wird schon eine Geschichte daraus geben“, antwortete die Mutter.
„Jupii einen Geschichte, erzähl Mami, erzähl es jetzt“, forderte Lisa.
„Nicht so schnell, Lisa, wir wollten dich doch noch vorher baden und ins Pyjama stecken, danach bekommst du deine Geschichte“, erwiderte Mami.
„Neiin ich will sie jetzt und sofort hören, baden ist sowieso doof“, widersprach Lisa. „Muss ich die Haare auch noch waschen?“
„Sicher“ antwortete Mami, „das gehört einfach dazu.“
„Iiii nein, diese doofen Haare, immer Haare waschen, das ist etwas, was man nicht machen muss, die Geschichte ist viel wichtiger!“ Lisa fing noch mehr an zu bocken und wirbelte ihr lockiges Haar durch die Luft. Eigentlich liebte es Lisa zu baden, doch wenn es um eine Geschichte ging, dann war ihr das Wasser egal.
„Keine Widerrede, du musst in die Wanne. Du hast dich so mit Kuchenteig bekleckert, weil du die Schüssel und die Kelle mit dem Schokoladenteig abgeschleckt hast, nun muss es sein.“ Mutti blieb hart.
Widerwillig ging Lisa in das frische Badewasser mit ganz viel Schaum, aber auch den liebte sie heute nicht. Sie will die Geschichte und zwar jetzt, nicht später oder in 20 Minuten und schon gar nicht erst morgen, sondern genau jetzt. Das Bad fiel dementsprechend sehr kurz aus, rein raus inklusive Haarwäsche. Mami erlaubte es ihr heute ausnahmsweise, die Haare nicht zu fönen, aber nur, wenn sie Ihr Frotteetuch um den Kopf wickelte. Lisa sah danach aus wie eine Frau aus dem Orient oder eine Afrikanerin, denn sie hatte einen grossen Turban auf dem Kopf. Nun flog sie schon fast ins Bett. So schnell war sie noch nie im Bett wie heute.
„Komm Mami, jetzt geht es los“, rief sie. „Nicht so schnell, ich will erst noch die Überschwemmung im Bad aufwischen.“
„Nein“ schrie Lisa entsetzt, auch das noch, dachte sie. Aber Lisa weiss, dass Mami sehr gerne Ordnung hat und sich nicht darauf einlässt, es nachher zu machen. Ungeduldig hüpfte sie auf dem Bett hin und her und sang dazu: „Ich bekomme eine Geschichte, eine Schneegeschichte, ich bekomme eine schöne Schneegeschichte. Jupidu, schwappidupidu.“
Nach einigen Minuten kam ihre Mutter an den Bettrand, doch in Lisas Augen dauerte es Stunden. Mami machte es sich gemütlich und wollte anfangen zu erzählen. „Mami, wo ist denn das Buch?“ fragte Lisa erstaunt, sie wollte Bilder sehen. „Nun, heute gibt es kein Buch, dein Buch ist heute in deinem Kopf.“
„Häää, ohne Buch?“ fragte sie. „Das ist so etwas von doof. Das ist eine doofe Geschichte, die will ich gar nicht hören.“ Lisa Kopf fängt schon leicht an rot zu werden und ihre Augen fingen an zu rollen.
„Nur ruhig, nun leg dich hin.“
„Nein, doof, doof, doof“, erwiderte Lisa bockig, so bockig wie ein Esel sein kann, oder noch schlimmer.
Mami fand es auch nicht mehr so lustig und sagte streng: „Nun leg dich hin, schliess deine Augen, hör mir zu und fange an zu träumen, dann siehst du die Bilder in deinem Kopf.“
Widerwillig legte sie sich hin machte das, was Mami von ihr verlangte. Nun, endlich geht es los.

„Was viele nicht wissen, ist, dass die Schneeflocken zuerst in die Schneeflocken-Flugschule weit oben im Himmel müssen, dort wo es so richtig kalt ist. Sie gehen dorthin um zu lernen, wie sie richtig auf die Erde fallen können“, fing Mami an.
„Waaaas“ ruft Lisa entsetzt und mit grossen Augen „Schneeflocken-Flugschule?? Das ist doch Mist, das kann doch nicht sein.“
„Doch Lisa, auch Schneeflocken müssen in die Schule gehen“, sagte Mami ruhig, denn zwei Hitzköpfe konnte sie nicht gebrauchen. Sie erzählte weiter: „Also: Die Schneeflocken müssen in die Schule, ob sie wollen oder nicht. Sonst fallen sie im Sommer als Regentropfen auf die Erde. Die Schule beginnt im Frühling, im Winter sind sie bereit hinunterzufallen, vorausgesetzt, sie bestehen die Wie-falle-ich-richtig-Prüfung“
„ Cool, ich will auch in diese Schule, dann muss ich schon bald nicht mehr dorthin, denn Schule finde ich nämlich auch doof.“
„Ich weiss“, schmunzelte Mami. „Aber nun weiter, sonst muss ich das Ende morgen erzählen“, ergänzte sie.
„Nein, bloss nicht!“ Lisa wurde sofort still und schloss wieder die Augen.
„Also,in der Schule hat es Eisstühle und Tische und jede Flocke hatte ihren Platz“, erzählte Mami.
Wieder unterbrach sie Lisa: „Die frieren ja, den ganzen Tag auf diesen Stühlen zu sitzen.“
Mami lachte und erwiderte: „Es muss doch kalt sein, sonst schmelzen die Flocken zu Regentropfen.“ Diese Antwort leuchtete Lisa ein, sie schwieg und schloss die Augen. Sie stellte sich vor, wie es war, auf so einem eiskalten Stuhl zu sitzen und fing an zu zittern. Oder zitterte sie von den nassen Haaren? Mami deckte sie bis zur Nasenspitze zu und erzählte weiter: „In dieser Schule hatte es stille, unruhige Schneeflocken, vorwitzige Schneeflocken, Schneeflocken, die nicht zuhörten und nur Unfug im Kopf hatten. Genauso so wie bei uns Menschen. Und der Lehrer hatte seine liebe Mühe, diese Bande im Zaum zu halten.“
Wieder unterbrach Lisa Mami: „ Wenn ich die Augen noch weiterhin zu machen muss, schlafe ich ein und ich verschlafe das Ende der Geschichte, und das will ich nicht.“
„Nun, ab und zu kannst du die Augen aufmachen und schauen, ob ich noch da bin“, sagte Mami.
„Du bist doch da, sonst würde ich doch nicht deine Geschichte hören.“
Mami erwiderte dieses Mal nicht. Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Doch das muss Lisa nicht wissen. „Also, in der Schule war unter anderem die scheue Flöckli, der freche Wirbel und da waren noch Schneeli und Federli. Die hiessen so, weil sie so leicht wie ein Fliegengewicht waren“, erklärte Mami. Lisa sagte nichts und hörte gespannt zu. „Also, die Flocken müssen lernen, dass sie nur auf die Erde dürfen, wenn es draussen sehr kalt ist. Da aber der freche Wirbel so schnell wie möglich auf die Erde wollte, hatte er auch bereits unliebsame Begegnung mit der Wärme gehabt. Und wenn der Lehrer ihn nicht sofort in die Kühlschrank gebracht hätte, wäre er zu einem Regentropfen geworden.“
„Mami, im Himmel gibt es doch keine Kühlschränke, die haben ja keine Steckdosen wie wir“, belehrte Lisa ihre Mutter.
„Eigentlich hast du Recht, Lisa, es ist etwas Ähnliches wie ein Kühlschrank, je weiter oben sie sitzen, desto kühler wird es dort. Wirbel musste einfach ein Stockwerk weiter oben sitzen bleiben, bis er wieder gefroren war. Fast wie eine Strafbank, weil er nicht gehorchte, als der Lehrer sagte, es sei zu warm, um den ersten Probeflug zu machen“, erklärte Mami.
„Probefliegen?" fragte Lisa.
„Ja, die Schneeflocken müssen probefliegen, damit sie so leicht und flockig vom Himmel tanzen können, so ähnlich wie Federn; und das geht nur bei einen gewissen Temperatur“, ergänzte Mami. „Wenn sie zu früh oder zur falschen Zeit fliegen wollen, haben wir nassen, schweren Schnee.“
„Den habe ich nicht gerne, dieser gibt keine schönen Schneeballen und wir können keine Schneeballschlacht machen“, sagte Lisa.
„Genau, und das wollen wir ja. Also nun zu Federli. Sie hat genau das richtige Gewicht, um auf die Erde zu fliegen, sie ist bereits ein wenig älter als die Anderen, ist eine der ersten, die auf die Erde fliegen darf. Federli hat immer gut aufgepasst und viel in ihren Fluglektionen gelernt, nun ist sie bereit zu fliegen. Als das Wetter stimmte und es genug kalt war, machte sie ihren ersten richtigen Flug. Sie freute sich riesig und konnte es kaum erwarten, bis es richtig losging. Der Lehrer erklärte ihr nochmals, worauf sie achtgeben musste, und dann ging es los. Leicht, locker, flockig flog sie mit ausgestreckten Armen und Beinen los. Juhuuu ich fliege und fliege und fliege, rief sie. Wir sehen uns auf der Erde, rief sie den anderen noch zu und glitt langsam wie eine Feder Richtung Erde. Der Lehrer rief ihr noch nach, schau dass du nicht zu viel Sonne erwischst und suche dir einen Schattenplatz, dann kann du dich noch lange ausruhen und bringst den Menschen, besonders den Kindern, viel Freude. Schneeli, die fast so gross wie Federli war, fragte den Lehrer, warum sie auf die Sonne aufpassen musste. Der Lehrer antwortete ihr: Die Sonne lässt uns schmelzen und dann werden wir zu einem Wassertropfen. Dann sind die Kinder traurig. Wir bestehen aus Wasser, aber wenn alles stimmt, sind wir eben Schneeflocken und im Winter ist es genug kalt, um Schnee zu werden. Aus diesem Grund gibt es die Schneeflocken-Flugschule, denn nur besondere Wassertropfen werden zu Schnee und ihr seid die Auserwählten. Du Schneeli, du bist auch bald bereit und wenn du noch ein paar Flugstunden gemacht hast, wirst du die Nächste sein, die runtersegeln darf, erklärte ihr der Lehrer.“
Mami musste durchatmen und sich anders hinsetzten, denn Lisa klebte ihr fest an den Lippen.
„Weiter, weiter, was macht den Wirbel?“ fragte Lisa. Wirbel gefiel ihr am besten, der war wie Lisa. Frech, unruhig, immer auf Zack, immer der Erste und wusste immer alles besser. „Wirbel, liebt es, die scheue Flöckli zu ärgern, denn Flöckli war die Kleinste. Wirbel zog Flöckli den Stuhl weg und sie fiel zu Boden. Er kitzelte sie an der Nase, bis sie niesen musste. Er kitzelte sie an den Füssen, bis sie vor Lachen vom Stuhl fiel. Er schubste sie und sie fiel um. Nein, Wirbel war kein netter Zeitgenosse, umso musste er immer wieder nachsitzen und lernte dabei nicht viel. Auch machte er sich über den Lehrer lustig. Er machte ihn nach, er legte ihm einen Wassertropfen auf den Stuhl, sodass der Lehrer selber schnell schauen musste, dass er nicht schmolz. Wirbel stibitzte die Brille, sodass der Lehrer Hilfe brauchte, weil er blind wie ein Maulwurf war. Nein, mit Wirbel war es nicht einfach, und wenn er bis Ende Winter nicht lernte, wie man richtig zu Boden schwebt, würde er ein Regentropfen werden, meinte der Lehrer zu ihm. Das war Wirbel momentan egal, er wollte lieber die anderen necken. So ging es Tag um Tag und kein Schnee fiel, weil Flöckli noch zu klein war. Schneeli musste noch ein paar Flugübungsstunden machen und Wirbel war zu wirbelig. Er hatte auch zu wenig in der Schule aufgepasst. - Lisa, weisst du eigentlich, dass die Schneeflocken ein Wie-fliege-ich-richtig-Trampolin haben?“ fragte Mami.
„Waaaaas, ein Trampolin, ein richtig grosses Trampolin, so cool, so megagigacool. Ich will auch eine Schneeflocke sein, dann springe ich den ganzen Tag auf dem Trampolin herum“, sagte Lisa. Ja, ein Trampolin wünschte sich Lisa schon lange, aber sie hatten keinen Platz für ein grosses, und das fand Lisa ganz und gar nicht toll und das kleine in der Wohnung war doof.
„Sie können auch nicht den ganzen Tag auf dem Trampolin sein und üben. Die Schneeflocken müssen am Morgen in der Schule sein und erst am Nachmittag haben sie die Flugübungsstunden“, erklärte ihr Mami. „Wirbel war natürlich am Nachmittag wie immer der Erste, wenn es ums Trampolinspringen ging. Er hüpfte wie ein Gummiball herum, machte Purzelbäume und versuchte sogar, einen Salto zu machen. Doch der ging ziemlich daneben und er fiel auf die Nase, pflatsch tönte es. Er war so verdreht, dass die andern nicht mehr wussten, wo oben und unten war. Sie fanden es sehr lustig, weil es so komisch aussah und endlich auch einmal Wirbel in einer doofen Lage war und nicht immer nur sie. Nun war Flöckli an der Reihe. Sie war leider zu leicht, sodass sie das Trampolin nicht in Schwingung brachte. Das Sprungtuch bewegte sich keinen Millimeter, nicht den klitzekleinsten Millimeter. Natürlich war das Wirbel zu langsam, zu langweilig und daher sprang er zu Flocki auf das Trampolin. Das war aber eine ganz, wirklich eine ganz schlechte Idee. Wirbel war nicht der Leichteste und Flocki flog in hohem Bogen über das Schutznetz direkt vor die Füsse des Lehrers. Der hatte sich umgedreht, weil er heimlich an einen Eiszapfen schlecken wollte, da er dies über alles liebte. - Meine Güte, erschrak der Lehrer, er sprang sogar ein wenig in die Höhe, so hatte er sich erschrocken, sosehr wie ein Kind, das beim Stehlen erwischt worden war. Der Lehrer putzte sich erst einmal seine Brille und musste nochmals hinsehen, ob er auch richtig gesehen hatte. Doch er sah richtig, Flöckli lag vor seinen Füssen und rieb sich ihr Hinterteil. Aua, aua, tut das weh, wimmerte Flöckli. Der Lehrer wirbelte herum und musste nicht einmal in die Runde fragen, wer der Übeltäter war. Denn er wusste es bereits. Wirbel, komm sofort hierher! befahl er. - Meinen sie mich? Herr Lehrer, fragte Wirbel unschuldig. - Natürlich dich, Wirbel, das kannst nur du gewesen sein, oder? - Wirbel antwortete mit einem gequältem „jjjaaa“. - Du musst zur Strafe alle Eiszapfen auf Hochglanz polieren, und wehe dir, wenn einer abbricht, dann kannst du noch den Schulhof fegen, und der ist gross, sehr gross. So schimpfte der Lehrer. - Ich kann doch nichts dafür, wenn Flocki zu leicht ist und nicht vorwärts kommt, jammerte Wirbel. - Du weisst aber ganz genau, dass nur einer auf dem Trampolin sein darf, damit nichts passiert. Das ist doch unsere 7. Regel fürs Fliegen, oder?“ fragte ihn der Lehrer. - „Ja, das weiss ich. Ich wollte doch nur helfen und es ging mir zu langsam, erwiderte er. Flöckli soll doch in den Kindergarten gehen, die ist zu klein, brummelte er in sich hinein und fing an, die Eiszapfen zu polieren, bis sie noch mehr glänzten. Zu den anderen Kinder sagte der Lehrer: Wisst ihr noch die 10 Regeln für einen guten Flug? - Ja, ich weiss es, rief Schneeli aufgeregt.
Ihr müsst wissen, dass diese Regel jede Schneeflocke wissen musste, bevor sie auf den richtigen Flug zur Erde geht, sonst durften sie nicht abfliegen. Also: Schneeli begann aufzuzählen und war dabei sehr stolz:

10er- Regel der Schneeflockenfallschule

1. Kommt nie mit direktem Sonnenlicht in Kontakt.
2. Kommt nie mit Wasser in Kontakt, sonst werdet ihr zu Regentropfen.
3. Immer gut in der Schule aufpassen und zuhause wiederholen, was ihr gelernt habt.
5. Regelmässig auf dem Trampolin üben, aber nur, wenn der Lehrer dabei ist.
6. Es ist verboten, ohne Lehrer auf dem Trampolin zu üben. Wenn wir üben wollen, können wir von einer Schneemauer springen (ist aber für Wirbel zu doof, Babyzeug, zu wenig ... hoch)
7. Schneeflocken dürfen nur alleine auf dem Trampolin springen, damit nichts passiert
8. Beim Fliegen immer schön die Arme und Beine auseinanderstrecken.
9. Sofort Schatten suchen, wenn ihr auf der Erde gelandet seid.
10. Schaut, dass ihr den Kindern auf der Erde möglichst lange viel Freude bereitet und einen Schattenplatz sucht, wenn ihr dort unten angekommen seid.

Gut gemacht, alles richtig erzählt, lobte sie der Lehrer. - Du bist die Nächste, die zur Erde fliegen darf. Zeige doch denn anderen noch einmal die richtige Flugabfolge und dann geht es in den nächsten Tagen los. - Juhuiii, ich darf bald abfliegen, jubelte Schneeli. Sie zeigte ihre schönste Flugübung und strahlte dabei so stark wie die Sonne. Wirbel war natürlich auf das Tiefste beleidigt, er konnte doch am besten und höchsten Fliegen, doch das war nicht so wichtig wie die 10er Regel. Diese doofe, eingebildete Zicke, dachte er. Aber er wusste ganz genau, dass Schneeli weiter war als er, er konnte dies jedoch natürlich nicht zugeben, das hätte zu sehr an seinem Selbstwertgefühl gekratzt. Dass jemand besser ist als er, das ging doch nicht.

„Es wurde Weihnachten und kein Schnee fiel, es wurde Neujahr und wiederum fiel kein Schnee“ erzählte Mami weiter.
„Mami, das ist doof, ich will jetzt Schnee“, sagte Lisa, die bald am Verzweifeln war aber auch sehr müde, da sie sich bereits seit längerem die Augen rieb.
„Nun Lisa, wir haben Petrus, der das Wetter macht. Er steht über dem Lehrer und er bestimmt, wann der Schnee zu Boden fällt, wenn wir Regen haben oder die Sonne scheint. Vielleicht können wir ihn fragen, ob er ein wenig nachhelfen kann, damit auch die anderen drei zu uns fliegen können“, sagte Mami.
„Ouja das machen wir, aber wie wollen wir das machen?“ fragte Lisa.
„Wir bitten Petrus, dass er die Schneeflocken früher fliegen lässt, damit wir bald Schnee haben", erklärte ihr Mami.
Lisa fing sofort an: „Lieber Petrus, mach, dass es sofort oder noch schneller schneit.“
„Er wird wohl nicht auf Kommando schneien lassen, nur weil du es willst. Wie du weisst, braucht alles seine Zeit“, meinte Mami.
„Och, nicht schon wieder dieser Spruch. Ich will aber morgen Schlitteln“, erwiderte Lisa müde. Dann betete sie nochmals leise vor sich hin: „Bitte, lieber Petrus, lass es morgen ganz fest schneien, damit ich einen Schneemann bauen, schlitteln und eine Schneeballschlacht machen kann.“ Dann gähnte sie noch einmal und sperrte ihr Mund ganz fest auf.
Mami wollte weitererzählen, doch Lisa war bereits eingeschlafen und träumte wahrscheinlich von ganz vielen Schneeflocken, und dass sie morgen schlitteln konnte. Jedenfalls sah es so aus, weil sie ein Lächeln im Gesicht hatte und sehr zufrieden aussah. Oder träumte sie vom grossen Trampolin? Mami schaute lächelnd aus dem Fenster ... und sah, wie es zu schneien anfing. Sie staunte sehr und dachte, vielleicht läuft die Zeit in der Schneeflocken-Flugschule doch schneller als wir dachten. Sie sieht wie eine freche Schneeflocke sich auf die Fensterbank setzte. Ist es Wirbel? fragte sie sich. Ganz scheu und langsam schwebte ein weiteres kleines, vielleicht Flöckli, auf die Fensterbank und setzt sich neben die erste. Dann schwebte eine ganz weisse, grössere Schneeflocke, die wie Schneeli aussah, als dritte auf die Bank.
Die Mutter schmunzelte und dachte, manchmal werden Wünsche doch schneller wahr, als wir denken; wir müssen nur fest daran glauben. Die Mutter deckte Lisa zu, gab ihr einen Kuss und schlich sich aus dem Zimmer.

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