14. Juni 2018

Die schöne Fanny

Die Femme fatale von Zofingen schüttelt das Leben dreier Künstler und Tagediebe in der Schweizer Provinz gehörig durch. Die Buchkritik zum Roman von Pedro Lenz.

Pedro Lenz: Die schöne Fanny

Jackpot, erfolgloser Möchtegernschriftsteller, der sich mit Hunde- und Pferdewetten und mit dem Geld, das ihm sein Bruder zusteckt, über Wasser hält, sucht nach dem roten Faden für seinen Roman. Und nach der grossen Liebe. Die, glaubt er, in Fanny gefunden zu haben, die wie ein Blitz in sein Leben tritt.

Allein durch ihre Anwesenheit bringt sie Jackpots Gefühlsleben komplett durcheinander, und daneben wird sie auch zur Feuerprobe für seine Freundschaft zu den beiden Malern Louis und Grunz. «Die Eifersucht ist ein Gift, das sich im ganzen Körper breitmachen kann, ähnlich wie eine Grippe, nur bleibt sie meist länger.» Alle begehren Fanny, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
Fanny selbst bleibt dabei bis zum Ende geheimnisvoll. Auch ein bisschen platt. Ein Männertraum von der idealen Kindsfrau mit grossen Rehaugen, die die Wünsche eines jeden Mannes erfüllt, aber selbst flatterhaft durchs Leben gleitet, ohne gross etwas zu wollen.

Pedro Lenz – sein grösster Erfolg war Der Goalie bin ig– schreibt meist auf Berndeutsch. Die Originalausgabe erschien 2016 unter dem Titel Di schöni Fanny im Cosmos Verlag. Kein & Aber hat das Buch für alle, die nicht Mundart verstehen oder Mühe haben, diese zu lesen, nun auf Hochdeutsch herausgebracht. Die Übersetzung lässt das Berndeutsch nicht ganz verschwinden, was Lenzens Sprache authentischer, manchmal aber auch etwas einfältig erscheinen lässt. Alles in allem ist die Transformation jedoch recht gut gelungen, auch wenn hie und da ein schweizerdeutscher Begriff stehen geblieben ist, der im Deutschen eine andere Bedeutung als in Mundart hat.

«Die schöne Fanny» ist eine sehr unterhaltsame Persiflage auf die Kunstwelt im Allgemeinen und die schweizerische im Besonderen. Wo sich Hausmeister von Kulturhäusern wie Präsidenten aufführen und der Schreiberling vom «Oltner Tagblatt» in die Runde schaut, «wie einer, der von sich denkt, er sei wichtig», um dann eine nichtssagende, unbedeutende, nicht zu Ende gehen wollende Rede zu halten, «in einem schleppenden Hochdeutsch, das du in braune Fläschchen hättest abfüllen und in der Apotheke als Schlafmittel verkaufen können».

Lenz stolpert mit den drei Tagedieben auf tragikomische Weise durch den Künstleralltag in der Schweizer Provinz, den er manchmal böse sarkastisch, oft aber auch liebevoll augenzwinkernd skizziert. Vor allem aber ist das Buch ein Plädoyer für die freie Liebe. Unbedingt lesen!

Bei Ex Libris: Die schöne Fanny
Autor: Pedro Lenz
Verlag: Kein & Aber

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