Leser-Beitrag
22. Februar 2018

Die Resilienzgrenze und wie Blockaden entstehen

Wie und wann du dein Kind unterstützen und vor Überlastung schützen kannst, beschreibt Leserin Daniela Schlegel in ihrem Beitrag.

Die Resilienzgrenze wird auch die Grenze des Verkraftbaren genannt. Alles was unterhalb dieser Grenze liegt, kann über Nacht in der REM-Phase (Rapid Eye Movement-Phase) verarbeitet werden. Das heisst, während wir schlafen, verarbeiten wir das, was wir im Laufe des Tages erlebt haben: die über 9000 Bilder und sonstigen Geschehnisse. Wenn wir uns vorstellen, eine Person beim Schlafen zu beobachten, dann würden wir während der REM-Phase sehen, wie die Augen flackern, zittern. Dann verarbeiten die beiden Gehirnhälften durch Stimulation der beiden Hemisphären (Gehirnhälften) das Erlebte.

Starke Emotionen, seelische Belastungen oder übermässiger Stress, überschreiten die Resilienzgrenze und frieren sich als Blockaden in den Körperzellen ein. Sie können in der Nacht nicht fertig verarbeitet werden.

Woran erkenne ich eine Blockade? Wenn der Stresspegel über der Resilienzgrenze liegt, sind Menschen nicht mehr in der Lage, klar zu denken, zu reflektieren und überlegt zu handeln.
Die drei Hauptmuster sind: ich kämpfe, ich flüchte, ich friere ein (Schockstarre, gelähmt sein).

Wenn ein Kind sich beleidigt und/oder verletzt fühlt und seine Resilienzgrenze überschritten ist, kann es sein, dass es um sich schlägt und sich nicht mehr unter Kontrolle hat. Es reagiert in seiner Situation «normal», weil es gar nicht anders kann.
Vielleicht kennst du diese Situation: Ein normales Gespräch am Familientisch, eine Aussage oder Reaktion eines Familienmitgliedes bringt das Kind (oder den Erwachsenen) an seine Grenze, der Betroffene steht auf, flüchtet, verlässt den Tisch.

Als Auslöser von aussen kann ein Wort, ein Geruch, ein Mensch etc. dienen, der bewusst oder unbewusst das Knöpfchen drückt und eine Zellerinnerung hervorruft. Und der Körper ist sofort im gleichen Stress, wie damals in der Situation XY.

Ein anderes Beispiel: Erinnerst du dich einmal an dein ungeliebtestes Schulfach, vielleicht Mathematik oder Französisch? Dann spüst du ein komisches Gefühl, vielleicht Abneigung oder Unruhe. Als wäre es gestern gewesen, dabei ist es in deinem Fall vielleicht 10, 20, 30 oder mehr Jahre her. Das nennen wir Zellerinnerung.

Im Alltag eines Kindes passiert sehr viel, besonders in der heutigen Zeit haben die Kids einen stressigen Tagesablauf.

Resilienzgrenze grün (siehe Bild oben)
Das Kind wacht Morgens auf - Frühstück - verpasst knapp den Schulbus – Überraschungsvokabeltest in Englisch, Matheunterricht vorne an der Tafel rechnen - Mittagessen - Hausaufgaben - Musikunterricht – Musiknoten nicht gelernt, gleich weiter zum Karateunterricht - treffen mit Freunden zum Fussball - spielen - fernsehen – schlafen

Resilienzgrenze gelb (siehe Bild oben)
Dasselbe Prozedere nochmal nur heute verschläft das Kind - kein Frühstück – verpasst den Bus – Mama muss zur Schule fahren - Mama schimpft und ist genervt – Englisch-Arbeit zurück - Lehrerin sagt, sie hätte mehr von Dir erwartet – Mama sagt, du musst mehr lernen – Papa nimmt Handy weg.

Hierbei überschreitet das Kind die Resilienzgrenze, das entsprechende Gefühl dahinter friert ein, es kann nicht verarbeitet werden.

Die psychologische Widerstandskraft
In der Psychologie versteht man unter Resilienz auch die psychologische Widerstandskraft. Resiliente Menschen sind Menschen, welche die Fähigkeit besitzen, auch in schwierigen Situationen, Krisen und Belastungen, psychisch gesund zu bleiben. Ein gutes, vertrauensvolles und wertschätzendes Umfeld kann auf die Resilienz eines Kindes einen grossen Einfluss haben. Diese Kinder bekommen ein gutes Selbstwertgefühl von zu Hause mit, besitzen eine ausgeprägte Selbstwahrnehmung, können Gefühle benennen und mit ihnen besser umgehen. Das Kind darf sich in seinem Umfeld entwickeln, Fehler machen, sich ausprobieren und aus den logischen Konsequenzen lernen. Dadurch steigert es sein Selbstvertrauen und eignet sich eine Kompetenz an, wie Probleme angegangen werden können und Lösungen gefunden werden.

Widerstandskraft ist nicht angeboren. Sie entwickelt sich, indem das Kind von Erwachsenen die Möglichkeit erhält, sich mit der Umwelt und seinem Umfeld auseinanderzusetzen.

Wie können wir Erwachsenen den Kindern diese Kompetenz vermitteln?

Wir sprechen über unsere eigenen Gefühle und benennen diese

Wir helfen dem Kind dabei, seine eigenen Gefühle zu erkennen und zu benennen

Wir leben vor, wie wir mit Niederlagen umgehen, wie wir Chancen nutzen

Wir nehmen die Emotionen des Kindes ernst

Wir geben Fehler zu, wir entschuldigen uns bei anderen Menschen

Wir zeigen dem Kind, dass egal, was andere sagen, es genau richtig ist, wie es ist

Wir vermitteln unsere Werte, wie Dankbarkeit – Anerkennung - Wertschätzung

In diesem Sinne, Daniela Schlegel

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