01. Juli 2018

Die Perle im Ionischen Meer

Im Hochsommer ist die griechische Insel Lefkada mehr Hotspot als Geheimtipp. Doch ab Ende August hat man Strände, Tavernen und Shops fast für sich allein.

Egremni Beach
Egremni Beach, der schönste Strand Lefkadas, ist nur per Boot erreichbar.
Lesezeit 7 Minuten

Rechter Hand beeindruckt die mächtige Burganlage Agia Mavra – und geradeaus staut sich der Verkehr. Ein Schiff schiebt sich durch den schmalen
Kanal, der die Insel Lefkada vom Festland trennt. Jede Stunde wird die schwimmende Brücke für kurze Zeit zur Seite geschoben, damit die grösseren Schiffe passieren können. Die kleinen haben genügend Platz und fahren unter der Brücke durch.

Auf einem Damm fahren wir weiter und landen mitten im Trubel des Inselhauptortes Lefkada-Stadt. Für die erste Nacht haben wir das kleine Stadthotel Boschetto gebucht. Am Eingang zur Altstadt und nahe an der Lagune gelegen, ist es der ideale Ausgangspunkt, um die Stadt und ihre Umgebung zu erkunden. Besonders das erhöht am Stadtrand gelegene Kloster Panagia Faneromeni begeistert, mit seinem Innern und seiner Aussicht.

Mühle in Kavallos
Diese Mühle in Kavallos ist heute eine Ferienwohnung.

Doch zunächst stürzen wir uns ins Sonnenuntergangsgeschehen und spazieren die Promenade entlang. Sie ist tagsüber für den Verkehr offen, abends aber den Fussgängern vorbehalten. Jede Menge Restaurants, Bars und Boutiquen sind hier angesiedelt. Der Tipp unseres Hotelbesitzers aber führt uns zum Abendessen Richtung Jachthafen. In einem kleinen Park befinden sich die Aussensitzplätze der Kyma Taverna. Es ist angenehm ruhig hier, und der Fisch schmeckt vorzüglich.

Von den Venezianern geplant
In Lefkada-Stadt zählen vor allem die Kirchen zu den Sehenswürdigkeiten. Viele sind in Privatbesitz und tragen die Handschrift ihrer venezianischen
Architekten. Eine Besonderheit ist die ionische Ikonenmalerei, die in jeder Kirche eine üppige Zierde darstellt. Auf dem Streifzug durch die Altstadt entdecken wir aber auch ein Grammofonmuseum, viele kleine Läden und Tavernen.

Die Atmosphäre ist mediterran, gemütlich und typisch griechisch. Die Männer treffen sich im Kafenio auf einen langen Schwatz, und in der Taverne nebenan sitzen Touristen auf wackeligen Holzstühlen und geniessen ein Zaziki. Nur die weissblaue Idylle, wie sie von anderen griechischen Inseln bekannt ist, findet man hier nicht. Zu sehr ist Lefkada von Italien, besonders von Venedig, beeinflusst worden.

Kirche Panagia Ton Xenon
Ikonenmalerie in der Kirche Panagia Ton Xenon, Lefkada-Stadt

Die Hauptstadt war nicht immer an ihrem heutigen Ort. Vor 1684 befand sie sich innerhalb der Mauern der mittelalterlichen Burg Agia Mavra. Als die Venezianer beschlossen, die Stadt an den heutigen Standort umzusiedeln, planten sie wie im mittelalterlichen Städtebau üblich: Die Altstadt bekam eine zentrale Achse, von der die Gassen in Nord- und Südrichtung abzweigten. Dies begünstigte die Durchlüftung der Stadt. Im Mittelalter ein nicht unerheblicher olfaktorischer Vorteil.

Der perfekte Ort zum Leben
In der Nähe des Hafens treffen wir Daniela Gabriel Leventopoulos. Sie stammt aus Horw LU und lebt schon seit 27 Jahren auf Lefkada, wo sie eine Autovermietung betreibt. Die 50-Jährige kann sich nicht mehr vorstellen, in die Schweiz zurückzukehren. «Zu überlaufen!», findet sie, räumt dann aber ein, dass Lefkada neuerdings im Juli und August auch etwas «voll» sei: Die Insel hat 23'000 Einwohner, im vergangenen August hätten sich 200'000 Leute hier aufgehalten, «dann sollte man lieber weg sein», meint Daniela seufzend.

Daniela Gabriel Leventopoulos
Die Luzernerin Daniela Gabriel Leventopoulos am Milos-Strand

Ansonsten sei es der perfekte Ort zum Leben. Und: Fast jeder Einheimische verfügt über ein paar Zimmer, die er vermieten kann. Auch Daniela.
Es war ihr Beruf als Reiseleiterin, der sie 1991 auf die Insel führte, aber es war die Liebe, die sie zum Bleiben bewegte. Schon im ersten Sommer auf der Insel lernte sie ihren heutigen Ehemann kennen.

Die Schweizerin vermisst nichts
Weitere drei Sommer verbringt Daniela auf Lefkada, bis sie beschliesst, zu heiraten und für immer zu bleiben. Sie bekommt zwei Söhne und eine Tochter, mit denen sie Schweizerdeutsch spricht, aber – zumindest von den Söhnen – nur griechische Antworten bekommt. Dank ihres Sprachtalents lernt sie schnell Griechisch und arbeitet mit ihrem Mann im Familienbetrieb.

Auf die Frage, was ihr in Griechenland fehlt, denkt sie lange nach. «Früher habe ich vieles vermisst. Ich dachte, in der Schweiz sei alles besser. Aber heute fehlt mir nichts mehr. Nur manchmal vielleicht die soziale Sicherheit.» Dabei sei die wirtschaftliche Lage früher schlimmer gewesen als heute. Doch man sei mit weniger zufrieden gewesen. Sagts und packt den Familienhund kurzerhand aufs Trittbrett ihres Rollers: «Kommt, wir fahren zum Strand!»

alte Architektur in Vasiliki
Typische alte Architektur in Vasiliki

Am Milos-Strand bei Lefkada-Stadt ist nachmittags viel los. Kaum frischt der Wind auf, was er pünktlich macht, sind die Kite- und Windsurfer auch schon auf ihren Brettern. Es herrscht ein kunterbuntes Durcheinander am blauen Himmel – und die Bretter schneiden in höllischem Tempo die Wellen. Hier zu schwimmen ist nicht empfehlenswert. Es gibt stillere Gewässer, die sich besser eignen.

Ostküste: ideal für Familien
Auf der Ostseite der Insel ist das Wasser ruhiger, ein flacher Strand reiht sich an den anderen. Hier sind die grossen Resorts angesiedelt, die bei Familien mit Kindern beliebt sind. Wir sind hingegen auf der anderen Insel­seite in eine gemütliche Ferienwohnung hoch über Agios Nikitas umgezogen. Wer es wild­romantisch mag, darf sich die Strände auf der Westseite nicht entgehen lassen. Die meisten werden nur von Tagesausflüglern besucht.
Einer der schönsten ist seit dem letzten Erdbeben nur noch per Schiff erreichbar: Egremni Beach. Immerhin bieten Ausflugsboote Touren an, die auch Porto Katsiki ansteuern, ebenfalls ein beliebter Strand.

Agia Mavra
Die Burg Agia Mavra am Eingang zur Insel bei der schwimmenden Brücke

Gut zu wissen: Die Wassertemperatur ist bis Oktober angenehm warm. Tagsüber kann es an der Sonne sogar noch richtig heiss werden, nur abends ist ein Jäckchen von Vorteil, etwa beim Abendessen auf einer luftigen Terrasse mit Blick auf den Sonnenuntergang. Die schönsten Restaurants dafür haben wir auf der Westseite der Insel entdeckt: erhöht in den Bergen – beispielsweise in Exanthia, wo auch die Gleitschirmflieger starten – oder direkt am Strand.

Hier bieten sich Kathisma Beach, Porto Katsiki und die Strände westlich von Lefkada-Stadt an. Es lohnt sich aber auch, das abwechslungsreiche Inselinnere zu erkunden. Der höchste Berg ist 1158 Meter hoch. Obwohl einst Schweizer die ersten Wandervögel per Charterflug auf die Insel brachten, gibt es heute nur noch wenige Wanderwege. Wir haben einmal den Versuch nahe einer Schlucht unternommen, sind aber an der fehlenden Beschilderung gescheitert. Überhaupt: Wegweiser sind Mangelware! Einige der hübschen Klöster haben wir nach langem Suchen gefunden, andere gar nicht. Da hilft auch
ein Navigationsgerät nicht. Immerhin kommt man so zu einer Portion Abenteuer, und vielleicht entdeckt man etwas, das viel schöner ist als das ursprünglich Gesuchte.

Die Reise wurde unterstützt von Belpmoos Reisen AG und Hotel Boschetto/Mira Resort.

Milos-Strand nahe der Hauptstadt
Gehört nachmittags den Kitern: Der Milos-Strand nahe der Hauptstadt

Das Wichtigste in Kürze

Anreise: Per Charterflug ab Bern-Belp sowie Altenrhein, buchbar bei einem Spezialisten wie Belpmoos Reisen

Beste Reisezeit: In Lefkada kann es im Hochsommer sehr heiss werden, dann ist es auch oft überlaufen. Deshalb besser zwischen Ende August und Mitte Oktober reisen – auch wenn das Meer dann etwas weniger warm ist.

Mobil vor Ort: Es gibt Busse, doch zum Erkunden der Insel ist ein Mietauto oder -roller praktischer. Empfehlung: Daniela Gabriel
Leventopoulos, Ionian Car Rental. Tipp: Kleinwagen mieten! Die Strassen sind nicht für SUVs und Vans gebaut.

Orientierung: Sich eine gute Karte der Insel besorgen! Wegweiser sind oft kaum zu finden, häufig schlecht platziert.

Ausflugstipp: Der schönste Strand von Lefkada. Unbedingt das Schiff «Ionian Princess» ab Vasiliki wählen! Von dort aus ist man schneller am Egremni Beach als die Schiffe, die in Nydri starten. Letztere bleiben nur kurz dort, sodass die ca. 100 Princess-Passagiere den kleinen Strand bald wieder für sich haben. Abfahrt: Seven Islands Cruises, Nydri,
www.lefkascruises.com

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