27. Dezember 2016

Öko-Insel in der Karibik

Aruba ist ideal für alle, die in der Wärme überwintern wollen – und in einer Hinsicht überraschend: Das kleine Paradies macht Ernst mit der Nachhaltigkeit und ist damit einzigartig in der Karibik.

Der berühmteste Strand der Insel Aruba: Baby Beach.
Der berühmteste Strand der Insel Aruba: Baby Beach.

Wer an die karibische Insel Aruba denkt, sieht vor dem inneren Auge sofort lange, weisse Strände, türkisfarbenes Meer, blauen Himmel, Sonnenschein, bunte Häuschen, fröhliche Menschen … Im inneren Ohr erklingen die für Aruba typischen Akkordeonklänge, vielleicht auch Steeldrums und Reggae. Und die Realität steht der Vorstellung in nichts nach.

Die Insel zählt zu den ABC-Inseln, Aruba, Bonaire und Curaçao und strotzt vor Lebensfreude. Jeden Dienstag richten Einheimische im Hof des historischen Forts Zoutman in der Hauptstadt Oranjestad das Bonbini-Festival aus. «Bonbini» bedeutet willkommen. Mit Geschichten, Musik und Tanz wird Gästen ein Einblick in die Kultur und viel Lokalkolorit vermittelt. Zur Karnevalszeit fällt das Festival besonders bunt und fröhlich aus. Intensiv kitschig rosarot leuchtet auch der Zuckerbäckerbau der Royal Mall ganz in der Nähe des Hafens.

Oranjestad auf Aruba
Niederländisch: Häuser im Zuckerbäckerstil in Oranjestad

Wenn drei Kreuzfahrtschiffe ihre Gäste in die Stadt ergiessen, ist das Zentrum rappelvoll. Und genauso das Arutram, das einzige Tram der Welt, das mit Wasserstoffzellen betrieben wird. Es fährt durch die Einkaufsmeile von Oranjestad. Weil der Flughafen ganz in der Nähe liegt, geht es manchmal recht laut zu.

Traumstrände und Wüsten

Die Gäste des Resorts Renaissance Aruba am Yachthafen müssen Boot- und Flugzeugfans sein; denn ihr Badeparadies liegt auf einer Insel vor dem Flughafen. Dafür teilen sie sich den Strand mit fünf Flamingos. Alle schönen Strände findet man entlang der Westseite der Insel, wo das Meer ruhiger ist. Von Nord bis Süd, vom windigen Arashi Beach bis zum seichten Baby Beach, hat man die Wahl. Alle Strände Arubas sind öffentlich zugänglich und schlicht traumhaft. Schönste Sonnenuntergänge garantiert!

Flamingo am Strand der Renaissance-Insel
Flamingo am Strand der Renaissance-Insel

Der rauen Ostküste ist es wohl zu verdanken, dass die spanischen Entdecker die Insel als wertlos einstuften. Nur Wüste, Kakteen und Ziegen, spotteten die geldgierigen Spanier und übersahen ironischerweise die Goldvorkommen. Sie wurden später entdeckt und geschürft. Heute sind von den Anlagen nur dornenüberwucherte Ruinen übrig, die man besichtigen kann. Kakteen sind auf der ganzen Insel allgegenwärtig.

Im Arikok-Nationalpark, der 18 Prozent der Inselfläche einnimmt, erklären die Parkranger bei einer Tour die verschiedenen Arten. Der Kadushi-Kaktus wird für Suppe verwendet, der Yatu-Kaktus hingegen für Konfitüren, aber auch sehr effektive Zäune.

Jeep-Safari auf Aruba
Auf der abenteuerlichen Jeep-Safari werden die Gäste ordentlich durchgerüttelt.

Jeep-Safaris sind in Aruba beliebt, so sehen auch Resort-Gäste etwas von der Insel. Die Touren führen zu den Hauptsehenswürdigkeiten: Zum Natural Pool, einer Felsformation an der Ostküste, die gefahrloses Schwimmen ermöglicht, zur Natural Bridge, der Alto Vista Chapel und dem California Lighthouse. Schnorcheltrips mit dem Katamaran gehören ebenfalls zum vergnüglichen Angebot. Der Partycharakter des Törns ist dank der Musik und des reichlich ausgeschenkten Aruba Ariba, des National-Cocktails, ziemlich ausgeprägt.

Viele Innovationen, eine Vision

Trotz guter Bedingungen ist das Leben auf «One Happy Island» nicht ganz sorglos. Denn auf einer Fläche, die kaum grösser ist als der Kanton Appenzell Innerrhoden, wohnen 106'000 Einwohner, verbringen jährlich eine Million Gäste ihre Ferien. Aus­serdem besuchen rund 600'000 Tagesgäste von Kreuzfahrtschiffen die Insel. Eine Herausforderung an die Infrastruktur.

Umso nötiger ist die Realisierung von Arubas Vision, bis 2020 Strom und Wasser erdölfrei zu produzieren. Ansporn bekommt die Regierung von Sir Richard Bransons Klimaschutzorganisation «Carbon War Room» und von der National Geographic Society, die Aruba im vergangenen Jahr den «World Legacy Award» für seine Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit verliehen hat.

Tourismus ist die wichtigste Einnahmequelle des Landes, das zum Königreich der Niederlande gehört und seit 1986 autonom ist. Die Amtssprachen sind Niederländisch und Papiamento, die Sprache der Kreolen. «Bonbini» (willkommen), «Bon Dia» (guten Tag) und «masha danki» (vielen Dank) haben wir schnell gelernt, aber glücklicherweise sprechen die meisten Inselbewohner auch Englisch.

So ergibt sich mit Juliette Carvalhal (43), Koordinatorin der «Green Agenda» von Arubas Regierung, rasch ein angeregtes Gespräch, als sie erzählt, dass ab 1. Januar 2017 Plastiksäcke verboten sind. Läden, die sie dann noch abgeben, müssen mit empfindlichen Bussen rechnen. Wow! In der Schweiz diskutiert man noch, in Aruba werden die Säcke einfach abgeschafft. Allerdings wissen die wenigsten Arubaner, was auf sie zukommt, weil die Kommunikation offensichtlich noch nicht angelaufen ist.

Bianca Peters (37), die wir im Innovationsbüro der Regierung treffen, träumt schon lange von einer nachhaltigen Welt. Jetzt laufen bei ihr alle Projektinfos zusammen, die Aruba zu Nachhaltigkeit verhelfen sollen. Die Kommunikationsfachfrau klingt begeistert, wenn sie von LED-Strassenbeleuchtung und Projekten mit Schulen spricht.

Arikok-Nationalpark, Aruba
Kakteen und Heilpflanzen im Arikok-Nationalpark

Sie ist überzeugt, dass Aruba bis 2020 punkto Energie umweltfreundlich sein wird, wenn alle mitmachen. Hier sind natürlich auch die Hoteliers gefordert. Der Schweizer Jürg Brändli (49), der vor zwei Jahren die luxuriöse Villen- und Suitenanlage «Swiss Paradise Aruba» aufgebaut hat, setzt beispielsweise auf Dämmung, damit die Multi-Split-Klimaanlage nicht zum Dach und zu den Fenstern hinaus kühlt, sowie auf LED-Leuchten, vom Pool bis zur Nachttischlampe.

«Im Frühling kommt endlich eine 80-Kilowatt-Solaranlage aufs Dach», erzählt der Hotelier stolz. Eigentlich hatte der gebürtige Aargauer andere Pläne, als ein Hotel auf Aruba zu betreiben. Doch weil er Neuem gegenüber aufgeschlossen ist, besitzt er nun ein kleines Bijou. Der Frage, ob Aruba seine Ziele bis 2020 schafft, begegnet er skeptisch.

Hotelier als Umweltpionier

Ebenso der Südtiroler Hotelbesitzer Ewald Biemans (71). Ein Umweltpionier, der seit 23 Jahren mit Gästen und Schülern einmal im Monat die Strände reinigt. Sein Bucuti & Tara Beach Resort hat schon viele Auszeichnungen eingeheimst. Und man mag es kaum glauben: Die Nachhaltigkeit in seinem Resort geht auf ein Bier im Plastikbecher zurück, das ein deutscher Gast im Jahr 1988 unappetitlich fand. Von da an war Nachhaltigkeit Biemans’ Thema Nummer eins. In diesem für die Karibik vorbildlichen Resort wird auch der Abfall getrennt entsorgt. Das hat uns lange irritiert, denn wir hörten, es werde gar kein Abfall getrennt. Dann hiess es: doch, aber nicht in den Haushalten – was stimmt jetzt?

Parkranger Julio Beaujon aus dem Arikok-Nationalpark
Parkranger Julio Beaujon, Arikok-Nationalpark, Aruba

Freddy Kelkboom (58), Geschäftsführer von EcoGas Aruba, hat darauf eine Antwort. Seine Firma sammelt 30 Prozent des Inselabfalls; 70 Prozent holt die staatliche Abfallentsorgung ab und füllt damit eine Deponie. EcoGas hingegen trennt den Müll, entfernt Wiederverwertbares wie Glas und Aluminium und produziert aus dem Rest Naturgas, das für die Entsalzung von Meerwasser verwendet wird. Ab 2018 soll dann der ganze Inselabfall nach dieser Methode verwertet werden, damit für die Wasseraufbereitung kein Schweröl mehr benötigt wird.

Trinkwasser aus jeder Leitung

Apropos Wasser: Weil es auf Aruba kein Quellwasser gibt, fliesst aus jeder Wasserleitung reines Trinkwasser, das aus Meerwasser hergestellt wurde. Es schmeckt erstaunlich gut, man erkennt den Ursprung nicht im Mindesten.

Natürlich wird in Aruba auch Sonnenenergie genutzt, beispielsweise gut sichtbar auf dem Autoparkplatz des Flughafens. Ebenso wichtig ist Windenergie, denn hier weht der Wind Tag und Nacht recht konstant. Im Südosten der Insel steht Arubas erster Windpark, der bereits knapp ein Fünftel des gesamten Energieverbrauchs abdeckt.

Betrachtet man also einzig die Energieerzeugung, wird Aruba das Ziel ab 2020 für die Wasser- und Elektrizitätsproduktion kein Erdöl mehr zu verwenden, wohl erreichen. Und wenn die Nachhaltigkeit weiter gefördert wird, machen auch die Gäste – abgesehen von der Anreise – umweltfreundliche Ferien in einem gastfreundlichen Land. Bonbini!

Diese Recherchereise wurde durch Aruba Tourism Authority ermöglicht.

Bilder:Heinz Jucker

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