20. September 2019

Die Newcomerin und der Alte Hase

Wir treffen Kandidierende, die am 20. Oktober ins Parlament gewählt werden wollen. Trotz aller Differenzen sollen sie sich auf einen Vorstoss einigen und für ein gemeinsames Essen einkaufen. Diese Woche: Newcomerin Karin Supersaxo Freiburghaus (FDP/LU) und Ständerat Roberto Zanetti (SP/SO).

Roberto Zanetti und Karin Supersaxo Freiburghaus
Verstehen sich trotz aller Differenzen gut: Der erfahrene Politiker Roberto Zanetti und die Newcomerin Karin Supersaxo Freiburghaus. (Bild: Juventino Mateo-Leon)

Sie kandidiert bei den Nationalratswahlen erst zum zweiten Mal für ein politisches Amt. Er steigt bereits zum vierten Mal in den Ständeratswahlkampf, politisiert seit über 40 Jahren und ist skandalerprobt. Karin Supersaxo Freiburghaus kämpft für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Roberto Zanetti betreibt Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Die 28-jährige FDP-Neokandidatin aus Adligenswil – ein Migros-Kind – und der 64-jährige SP-Profi aus Gerlafingen – ein Coop-Kind – könnten unterschiedlicher nicht sein. So scheint es zumindest – bis sie sich in Zürich zum ersten Mal treffen. Selbst etwas überrascht, stellen sie fest: «Wir harmonieren ganz gut.»

Verbindendes finden sie gleich zu Beginn: Karin Supersaxo Freiburghaus’ unverkennbarer Walliser Dialekt erinnert Roberto Zanetti an seine eigenen Wurzeln im Bündner Poschiavo. Beim Einkauf für den Znacht landen denn auch ein Bündner und ein Walliser Bergkäse für die Älplermagronen im Korb. Einigkeit herrscht auch darüber, dass an der Kasse bezahlt wird – «die Kassiererinnen sollen nicht durch die Selbstbedienungskasse ersetzt werden», erklärt Zanetti.

Später wird die Diskussion politischer und die Eintracht leicht getrübt: Die FDP-Frau hat Mühe mit dem «steten Ruf nach Sozialstaat der Linken» und der SP-Mann mit der «politischen Überheblichkeit und wirtschaftlichen Macht» der FDP. Ob der Disharmonie finden die beiden aber ihre eigene Zauberformel: den Konsens. Lösungsorientiert zu politisieren, sei wichtig, sind sie sich einig. «FDP-Leute betrachten die Welt mit einem offenen Blick – das gibt spannende Diskussionen und entspricht mir», sagt Zanetti, der sich selbst als freiheitsliebend beschreibt. Supersaxo Freiburghaus lobt den Einsatz der Linken bei Frauenthemen: «Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf funktioniert bei der SP besser als bei den Bürgerlichen», sagt sie.

Der richtige Mix macht es aus

Sie will als junge Frau neue Impulse ins Parlament einbringen: nicht nur zu Frauenthemen, auch in den Bereichen Bildung und Umwelt. Man könne nicht alles den Männern überlassen. Und: «Es braucht Leute, die ‹out of the box› denken», sagt Supersaxo Freiburghaus. Über die Grenzen ­hinaus denken – kann das ein Politik-Oldie, der den Bundeshausbetrieb aus dem Effeff kennt? «Ja», sagt Zanetti, «wenn man offen ist und die Anliegen aller Menschen ernst nimmt, egal welcher Herkunft.» Er habe sich sehr wohl überlegt, ob er mit 64 Jahren nochmals antrete. Im Ständerat stehe eine ansehnliche Erneuerung an, die Mischung zwischen neu und erfahren werde also gut sein. «Auf den richtigen Mix kommt es schliesslich auch an», pflichtet Supersaxo Freiburghaus bei. Auch der Inhalt des gemeinsamen Vorstosses ist so rasch gefunden: «Die Berufslehre muss gestärkt werden».

Zum Schluss gibt der Alte Hase, der auch eine Abwahl erlebte und das ­Comeback schaffte, der Newcomerin einen Rat: «Hol dir eine Mentorin, der du vertraust, mit der du Einladungen und Geschäfte besprechen und die du alles fragen kannst.» Denn einmal in Bern angekommen, laufe man Gefahr, den Überblick zu verlieren.

Die Auswahl der Kandidierenden erfolgte in Zusammenarbeit mit smartvote.ch. Dort lassen sich die eigenen politischen Positionen mit denen aller Kandidierenden vergleichen.

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