15. Juli 2017

Die neue Wandfarbe finden

Der neue Life-Hack von «Miss L«»: Wie man mit den Farbkärtchen aus dem Baumarkt zur richtigen Wandfarbe kommt.

Vase und die Blumen
Die Vase und die Blumen helfen beim Entscheidungsprozess.
Lesezeit 5 Minuten

Eine kurze Umfrage in meinem Freundeskreis hat ergeben, dass sich fast alle vor Wandfarben fürchten; also nicht vor der cremigen Flüssigkeit. Und auch das Streichen ist zwar lästig, aber machbar. Nein, die Leute haben einen Riesenrespekt vor der Auswahl des richtigen Farbtons und wohnen lieber in weissen Zimmern. Denn: Es könnte ja der falsche Ton sein, der an der Wand landet.

Da unsere Wohnung kunterbunt ist (und ich immer wieder Komplimente höre, dass alles so stimmig ist), teile ich heute mein Geheimnis mit dir: Ich greife bei der Wahl der jeweiligen Farbe auf fünf Tricks zurück:

1. Finde ein Leitmotiv

Das tönt jetzt sehr kompliziert, ist es aber nicht. Interior Designer benützen dafür sogenannte Mood Board, also eine Sammlung all der Dinge, die sie farblich, grafisch und von der Textur her inspirieren. Du brauchst ebenfalls eine Art visuelle Vorlage, ein Motto für das Zimmer, das neu gestaltet werden soll. Was genau dich inspiriert, ist ganz dir überlassen. Ich arbeite sehr gern mit Stoffmustern, denn dort ist – wenn der Stoffdesigner seinen Job gut gemacht hat, bereits ein perfekt abgestimmtes Farbschema enthalten. Wenn ich weiss, dass eben dieser Stoff später als Kissen auf dem Sofa oder als Bahn am Fenster landet, schneide ich mir ein kleines Probestück zu, das ich dann zum Farbenkauf mitnehme. Du kannst aber auch ein Bild, das später aufgehängt werden soll, als visuellen Spickzettel nutzen. Oder einen besonders schönen Blumenstrauss, dessen Farbzusammenstellung dich besonders anspricht, eine Keramikschale, ein Stück Tapete oder vieles mehr. (Wenn dein Leitmotiv vergänglich ist, das Fotografieren nicht vergessen!)

Die Auswahl ist gross
Die Auswahl ist gross.

2. Definiere, welche Farben wie stark vertreten sein sollen

Nehmen wir das Beispiel Stoffstück. Die Farben in deiner Vorlage sind selten gleichmässig verteilt. Ich habe dir mehrere Beispiele zusammengestellt. Bei mir hat der Stoff mit den floralen Elementen und den stilisierten Tieren in den Farben Rosa, Violett, Lachs, Gelb, Blau und Grün auf hellem Grund das Rennen gemacht. Eine oder zwei dieser Farben sollen später an die Wände. Welche dürfen es sein? Auch wenn du nun spontan Creme sagen möchtest, fordere ich dich ausdrücklich auf, mutiger zu sein. Ich habe mich beispielsweise für den Lachston und das Grün entschieden. Übrigens: Die anderen Farben sind zwar im Moment nicht relevant, sie werden aber in Punkt 5 eine Rolle spielen.

Mit dem Farbfächer
Mit dem Farbfächer beginnts.

3. Nimm deine Vorlage mit in den Baumarkt

Dort gibt es in der Farbenabteilung jeweils eine grosse Wand mit kleinen Papiermustern der Farben. Besser als Kärtchen, auf denen nur eine Farbe gezeigt wird, sind die Streifen, auf denen die Farben stufenweise mit Weiss abgetönt werden. Nun besteht dein Job darin, den Ton zu finden, der am besten zu deiner definierten Hauptfarbe passt. Manchmal hilft es, die Kärtchen, die in die engere Wahl kommen, ins Tageslicht mitzunehmen, um ganz sicher zu sein. Es gibt (gefühlt) eine Million Gelbtöne. Manchmal fällt die Farbe eher kalt aus und schwingt ins Grüne, dann hat sie starke Orangeanteile oder wirkt leicht schmutzig. Damit du weisst, was ich meine, habe ich dir Früchte mit Farben kombiniert. Siehst du die feinen Unterschiede?

Früchte bringen die feinen Unterschiede ans Licht.

Nun hast du also, wenn alles gut gelaufen ist, einen Streifen, der an einer Stelle perfekt passt. Obwohl – soll es genau so ein kräftiger Ton sein? Das kann natürlich super werden. Doch oft wünscht man sich eher eine abgemilderte Version – oder eben die knalligere Variante ...

4. Ein Ton kommt in vielen Abstufungen, triff eine Wahl

Der Papierstreifen, den du gerade in der Hand hältst, ist nur ein Teil eines viel längeren Streifens. Schau dir das Farbmusterregal genau an. Die Farbnummer läuft mitunter in beide Richtungen weiter. Je weniger weisse Pigmente hinzugefügt wurden, desto kräftiger ist der Ton und umgekehrt. Solange du dich horizontal entlang des Streifens bewegst, bleibt die Farbe von ihrer Wirkung her gleich, sie ist eben nur intensiver oder pastelliger. Um bei meinem Beispiel zu bleiben: Ich hätte die lachsfarbene Wand sogar im kräftigsten Ton streichen können – und die Farbe hätte trotzdem zum Stoff gepasst. Sobald du dich entschieden hast, kannst du den von dir favorisierten Ton entweder direkt mischen lassen, oder du suchst im Regal der bereits fertigen Farben nach einer Entsprechung. Variante 1 setzt voraus, dass die Farbmischanlage in deinem Baumarkt gut justiert ist. Variante 2 funktioniert nur, wenn du beim Abgleich Papierkarte/Farbeimer keine Kompromisse eingehen musst.

Die weiteren Farben
Die weiteren Farben kommen ins Spiel ...

5. Definiere die Begleitfarben

Die anderen Farben auf deiner Vorlage haben bisher keine Rolle gespielt. Nun haben sie ihren Auftritt. Vielleicht möchtest du einen Teil des Zimmers in einem zweiten Ton streichen? Falls ja, dann verfahre wie bei Ton 1. Nachdem ich unsere Wände lachsfarben und hellgrün gestrichen hatte, war ich noch auf der Suche nach weiteren Elementen, die sich im Vorhangstoff widerspiegeln. Wie wäre ein Teppich in einer weiteren Farbe aus deinem Muster? Oder ein Dekokissen aus Farbe Nummer vier? Vielleicht ein weiterer Vorhang als Zimmertrenner in Uni? Das Spiel lässt sich unendlich weiterführen.

Noch ein paar Worte zur Gewichtung: Das Zimmer wird dann besonders schön, wenn du Schwerpunkte setzt. Wenn dein Teppich grün ist, darf auch die Schreibtischlampe grün sein. Aber es darf nicht alles grün werden. Ein gelber Akzent kann das Bild perfekt abrunden. In deiner Vorlage finden sich sicher auch Farben, die zwar im Mix okay sind, dich aber grundsätzlich nicht so ansprechen. Du darfst diese Töne natürlich ignorieren, aber gehe nicht zu verbissen an die Sache ran. Kleine Abweichungen von deinem Farbschema im Dekobereich machen einen Raum interessant.

Ach, ja, früher hat man gern gesagt, dass kleine Räume hell gestrichen werden müssen. Glücklicherweise ist diese Regel schon lange widerlegt. Auch kleine Räume können sehr kräftige Wandfarben vertragen. Achte einfach darauf, dass das Zimmer gut ausgeleuchtet ist und dass die Möbel und die Dekoration nicht zu dominant sind.

Hier ein paar Impressionen aus unserem neu gestalteten Kinderzimmer. Ich habe für dich ausserdem ein Pinterest-Board angelegt. Lass dich inspirieren!


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