01. September 2017

Die Nacktfotos

Warum mir Fidel selbst beim Duschen in die Quere kommt.

Es gibt nicht nur Füdlifotos von Fidel, sondern leider auch von mir.
Lesezeit 2 Minuten

Mein Freund hat Nacktfotos von mir. Ich weiss: Das kommt nie gut. Die Exfreunde von Britney Spears, Daniela Katzenberger und viele andere haben die anzüglichen Fotos ihrer Verflossenen nach der Trennung ins Netz gestellt. Und dann gibt es noch die Beispiele, die zwar anständig im Unanständigen blieben, aber gehackt wurden – wie etwa Lindsey Vonn und Tiger Woods.

Dass es solche Bilder von mir gibt, daran ist der Kater schuld. Oder besser gesagt, die Fürsorgemilitanz meines Liebsten. Er hat in der Küche und im Badezimmer Kameras installiert. Die eine schiesst Bilder vom Fresscomputer, die andere hat die Katzenklappe im Visier – und beide kann der Fidel-Papi via App abrufen.

Einverstanden: An langweiligen Stehpartys ist es immer wieder ein guter Gag, Fidel live beim Lauern vor seinem Napf zu zeigen, oder wie er über die Badewanne durch das Katzentürchen im Fenster nach draussen huscht.

Das Argument für die digitale Überwachung des Katers ist sein Wohlbefinden. Natürlich sehen bei verlängerten Wochenenden auch die Nachbarn mindestens einmal pro Tag zum Rechten. Sie bieten dem Kater dann jeweils seine obligate Easypill, etwas Nassfutter und ein paar Streicheleinheiten an. Für die Hauptmahlzeiten sorgt die Fressmaschine, die jeweils punkt sieben Uhr eine neue Kammer mit Trockenfutter öffnet, morgens 15 Gramm, abends 25 Gramm.

Obwohl damit die physischen Bedürfnisse des Katers vollständig abgedeckt sind, setzt mein Katzenfreund die Betreuung durch Computer und Nachbarn mit Vernachlässigung gleich: Er möchte überprüfen, ob der Strolch auch wirklich zum Essen auftaucht. Ob er wohlbehalten von seinen nächtlichen Streifzügen zurückkommt. Oder ob er vielleicht nicht doch irgendwo verletzt im Gebüsch liegt.

Ich fürchte den Tag, an dem wir irgendwo in den Bergen sind und die Kameras keine Lebenszeichen übermitteln. Dann nämlich würde der Ausflug augenblicklich abgebrochen – selbst wenn Kommandant Fidel sich nur etwas länger als gewöhnlich auf einem Mäuerchen sonnen würde.

So oder so: Manchmal beschleicht mich das vage Gefühl, nicht nur das Tier, sondern auch ich könnte überwacht werden. Komme ich nach Hause muss ich erst die Kameras abstellen. Laufen sie nicht mehr, weiss mein Freund, dass ich in Fidelhausen bin. Ich habe auch schon vergessen, sie abzustellen, und bin in die Badewanne gehüpft. So sind die verfänglichen Bilder entstanden.

Aber es könnte noch schlimmer kommen: Es gibt sogar GPS-Colliers für Katzen. Zum Glück hat Fidel eine Aversion gegen jegliche Art von Halsbändern. Nur deshalb verzichtet sein Helikopter-Tierhalter darauf, ihm eine GoPro umzuschnallen – und damit könnte uns der Lover meines Liebsten sogar im Schlafzimmer überraschen.

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