17. Oktober 2019

Die Liebe kam auf vier Pfoten

Der beste Freund des Menschen? Ganz klar: der Hund. Regisseur Martin Skalsky wurde von seinem sogar zum Dokufilm «Cody» inspiriert, der diese Woche im Kino startet. Er und andere Frauchen und Herrchen erzählen, was sie mit ihrem Vierbeiner verbindet.

Martin Skalsky mit Cody
Regisseur Martin Skalsky mit seinem ehemaligen rumänischen Strassenhund Cody.

Cody hat mich verändert – und ich ihn

Martin Skalsky (41) ist zum Vegetarier geworden, von der Stadt aufs Land gezogen und hat seinen ersten eigenen Film gedreht – alles wegen Cody (etwa 10). Und de facto hat sich der ehemalige rumänische Strassenhund seinen Menschen auch selbst ausgesucht.

Skalsky ist Filmkomponist und hat für seine Arbeit jahrelang viel Zeit in Berlin verbracht. 2014 flanierte er dort über einen Flohmarkt mit einem Freund, der dabei auf eine Bekannte mit drei Hunden traf. Einer davon war Cody, der fünf Monate zuvor von einer rumänischen Tierrechtsaktivistin von der Strasse gerettet und als Übergangslösung nach Berlin vermittelt worden war. «Cody hatte damals noch einige Verhaltensstörungen und verhielt sich besonders Männern gegenüber teils aggressiv – unter anderem deshalb hatte sie ihn bis dahin nicht weitervermitteln können», erzählt Skalsky. Doch an dem Tag auf dem Flohmarkt kam Cody direkt auf ihn zu und wich nicht mehr von seiner Seite. «Am Ende habe ich ihn adoptiert.»

Skalsky, der zuvor noch nie einen Hund hatte, liess sich ganz auf Cody ein, wollte wissen, woher er kam, wie er gelebt hatte und was ihn wohl beschäftigen könnte. Die Rekonstruktion von Codys wilder Lebensgeschichte machte den Komponisten zum Regisseur, sein Film ist nun im Kino zu sehen. Skalsky reiste nach Rumänien und Grossbritannien, wo er Codys ehemalige Hundegefährtin von der Strasse fand und eine Wiederbegegnung zwischen den beiden arrangierte.

Mit seiner Frau ist er von Zürich nach Mellingen AG gezogen, weil es auf dem Land für Cody mehr Auslaufmöglichkeiten gibt. Inzwischen erwartet das Paar dort das zweite Kind. Und die Beschäftigung mit seinem Hund und dem menschlichen Umgang mit Tieren machte ihn zum Vegetarier. «Aber ich habe auch Cody verändert: Er hat gelernt, wieder zu vertrauen, und die meisten seiner Verhaltensstörungen sind weg.»

Die wilde Promenadenmischung ist zum Familienmitglied geworden, und Skalsky liebt es, stundenlang mit ihm durch die Natur zu spazieren. «Ich lebe dadurch heute auch deutlich gesünder als zuvor.» So hat eine Zufallsbegegnung in Berlin gleich zwei Leben verändert.

Filmtipp: «Cody – the dog days are over», ab 24. 10. im Kino

Marktforscherin Ursula Kaspar
Marktforscherin Ursula Kaspar mit den Akitas Archie und Betty.

Archie war ganz klar der Meinung, er sei der Chef

Ursula Kaspar (48) ist es gewohnt, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, wenn sie mit ihren Akitas Archie (9) und Betty (4) unterwegs ist. Dem Anblick der beiden grossen weissen Pelztiere kann kaum jemand widerstehen. «Es kommen dann immer dieselben Fragen», sagt die Marktforscherin aus Dübendorf ZH. «Und mit der Zeit nervt das ein bisschen. Ich habe mir schon überlegt, ein T-Shirt zu tragen, auf dem die wichtigsten Antworten stehen...»

Akitas kommen ursprünglich aus Japan und waren in der westlichen Welt lange Zeit gar nicht erhältlich. Kaspar hat beide aus Tierheimen adoptiert, Archie vor sieben Jahren aus Spanien. «Wir hatten schon in meiner Kindheit immer Hunde, mit denen ich sehr eng war – und als ich fast nur noch arbeitete, wollte ich wieder einen Hund in meinem Leben.»

Zwar las sie sich zuvor intensiv ein, gibt aber offen zu, dass sie kaum auf das vorbereitet war, was sie erwartete, als der zweijährige Akita schliesslich per Flugzeug in Zürich eintraf. «Archie hatte eine wahnsinnige Energie und wollte nach vier Stunden Laufen immer noch spielen, während ich schon völlig erledigt war», erzählt sie lachend. «Und er war ganz klar der Meinung, er sei der Chef. Manchmal denkt er das auch heute noch, dann müssen wir das erst mal klären.»

Betty kam vor drei Jahren hinzu, aus einem Schweizer Tierheim. «Eine Freundin, die schon einen Akita hatte, wollte sie übernehmen, aber die beiden Vierbeiner vertrugen sich nicht, also bin ich eingesprungen.» Zwei Hunde haben den Vorteil, dass sie sie auch mal zusammen allein lassen kann. «Aber auf das Sozialleben wirkt es sich nicht nur positiv aus: Ich muss immer im Vorfeld abklären, ob es okay ist, wenn ich zwei Hunde dieser Grösse mitbringe.»

Dennoch würde Ursula Kaspar ihre pelzigen Begleiter nicht missen wollen. «Wir haben eine sehr enge Beziehung. Und Archie hat mir auch einiges beigebracht: geduldiger und weniger gestresst zu sein, Kompromisse zu suchen.» Dies habe sich auch bei der Mitarbeiterführung als Leiterin eines Marktforschungsinstituts positiv ausgewirkt. Von einer Hundefotografin wurde Archie sogar schon als Model eingesetzt. «Mit Betty könnte man das nur bedingt, die ist viel zu sehr Diva, um etwas zu tun, worauf sie gerade keine Lust hat.»

Am allerliebsten gehen die drei ausgiebig zusammen spazieren. «Wobei man Archie sein Alter langsam anmerkt. Nach einer Stunde laufen zieht er heute immer gerne in Richtung Restaurant.» Und schon jetzt beschäftigt Kaspar der Gedanke, dass Archie nur noch ein paar Jahre mit ihr sein wird. «Das wird eine grosse Tragödie, wie wenn ein Familienmitglied stirbt.» Dennoch dürfte es wohl nicht unmittelbar einen Nachfolger geben. «Ich glaube, Betty wäre ganz gerne ein Einzeltier, mit ein paar Hundefreunden ausser Haus.» Doch bis dahin wird es noch etwas dauern. Und als die drei sich auf den Heimweg machen, ziehen sie sofort wieder alle Blicke auf sich.

Fachlehrer Michael Nydegger
Fachlehrer Michael Nydegger mit Labradorweibchen Zuma

Zuma ist ein bisschen wie ein weiteres Kind

Für Michael Nydegger (47) ist das Labradorweibchen Zuma (5) nicht nur eine Freizeitgefährtin, er steht mit ihr auch regelmässig ehrenamtlich im Einsatz, wenn irgendwo in den Alpen eine Lawine runterkommt und Menschen verschüttet haben könnte. «Eigentlich kann jeder Hund lernen, was es dafür braucht, aber zu kleine und zu schwere Hunde eignen sich nicht, weil sie im Schnee versinken», erklärt Nydegger. Das Training dauert zwei Winter und läuft primär übers Futter und den Spieltrieb. Mit zwei bis drei Jahren sind Lawinenhunde in der Regel einsatzfähig, aber längst nicht alle Tiere beenden die Ausbildung erfolgreich. Zuma schon. «Sie ist derart verfressen, dass das mit ihr bestens funktionierte. Und sie ist sowieso immer sehr motiviert und will ihr Bestes geben.»

Einen Menschen gefunden haben die beiden bei ihren Einsätzen bisher aber noch nicht. «Lebendbergungen gibt es ohnehin weniger häufig», sagt Nydegger, der hauptberuflich Fachlehrer bei Seilbahnen Schweiz ist und in Brienz BE wohnt. «Nur ein Drittel der Verschütteten überlebt länger als 30 Minuten in einer Lawine.» Mit seinem vorherigen Hund hat er aber schon Tote geborgen.

In jedem Fall schweissen die Einsätze Mensch und Hund zusammen. «Man ist jeweils eine Woche lang auf Pikett und verbringt dabei quasi jede Minute gemeinsam, auch bei der Arbeit. Denn sobald der Pager sich meldet, muss man bereit sein.» In der Regel kommt schon bald danach ein Helikopter, holt das Team ab und bringt es zum Lawinenhang. «Auf diese Weise entsteht eine sehr enge Beziehung. Zuma merkt mir an, ob es mir gut geht oder ob ich Stress habe – und reagiert darauf.»

Sie stammt aus einem Wurf einer Labrador-Züchterin, die Nydegger sehr schätzt. Die Familie wählte sie gemeinsam aus. «Weil sie von den drei Welpen die Neugierigste und Selbstständigste war», sagt Nydegger – ein Vorteil bei Lawinenhunden. Ohne Familie würde es aber nicht funktionieren: «Meine Frau und meine Söhne unternehmen sehr viel mit Zuma. Wir haben sie immer bei uns und richten auch unsere Ferien nach ihr aus.» Wie schon der erste Hund, den die Nydeggers nach seinem Tod kremierten und begruben, ist auch Zuma zum Familienmitglied geworden. «Sie ist ein bisschen wie ein weiteres Kind. Wenn sie Geburtstag hat, gibts auch für sie etwas Spezielles. Aber in unserem Bett schlafen darf sie nicht, sie hat ihr eigenes.»

Sporttherapeutin Lone Halvorsen
Sporttherapeutin Lone Halvorsen mit dem Englischen Cocker Spaniel Quina.

Es war Liebe auf den ersten Blick

Als Lone Halvorsen (49) und ihre damalige Partnerin zu einer Züchterin von Englischen Cocker Spaniel gingen, kamen zwei Welpen infrage. «Aber Quina hat uns mit ihrem Charme sofort um den Finger gewickelt – ich hätte mir schlicht nicht vorstellen können, ohne sie nach Hause zu gehen», erzählt Halvorsen. «Es war Liebe auf den ersten Blick.»

Die Sporttherapeutin aus Erlinsbach AG ist in Norwegen mit Hunden aufgewachsen. Zuletzt hatte sie den Labrador Lexa zwölf Jahre lang als Pflegehund; Quina (3) ist nun ihr erster eigener. «Die Beziehung ist sehr eng – ich verwöhne sie sicherlich ähnlich wie ein Kind. Aber ich wollte nie Kinder und sehe sie eher als Kumpel.» Quina sei lustig, verspielt, verschmust, liebe es zu wandern und schwimme für ihr Leben gern. «Einzig beim Essen ist sie eher eine Diva – manchmal verschmäht sie auch das beste Stück Fleisch.»

Obwohl Lone Halvorsen und ihre Partnerin sich mittlerweile getrennt haben, wohnen sie weiterhin in einer Art WG zusammen – wegen Quina. «Wir verstehen uns gut, von daher klappt das bestens, und Quina ist dadurch praktisch nie allein.»

Der Cocker Spaniel hat sogar einen eigenen Instagram-Account mit mittlerweile über 900 Followern, die Halvorsen im Schnitt jede Woche mit einem neuen Bild beliefert. «Wir inszenieren nie extra dafür, es sind einfach Fotos, die im Alltag ohnehin entstehen.» Sie schreibt jeweils einen kurzen Text dazu, aus Quinas Perspektive. «Ich habe dann entdeckt, dass erstaunlich viele Hunde ein eigenes Instagram-Konto haben, und mittlerweile sind dadurch tolle, enge Freundschaften zu anderen Haltern entstanden.»

Noch etwas hat Lone Halvorsen durch Quina realisiert: «Ich will nie wieder ohne einen Englischen Cocker Spaniel sein.» Schon jetzt fürchtet sie sich vor dem Tag, an dem Quina einmal nicht mehr da ist. «Eine Horrorvorstellung. Quina hat mein Leben verschönert und vervollkommnet, und ich möchte ihr nun dasselbe schenken: ein Leben voller Abenteuer, Freude und Liebe.»

Benutzer-Kommentare

Verwandte Artikel

Disney On Ice: «Die Eiskönigin – Völlig unverfroren» Jetzt gewinnen

Gewinne Tickets für «Disney on Ice»

Informationen zum Author

Donald Trump und Xi Jinping

Kapitalismus in der Krise?

Sherazade lebt seit der Scheidung ihrer Eltern im Heim.

Leben ohne die Eltern

Monika Niederberger und Bruno Manser

Denkmal für einen Kämpfer