08. September 2014

Die häufigsten Mangelerscheinungen

Zu wenig Eisen, Magnesium oder Vitamine: Diese oft in ungenügendem Mass vorhandenen Stoffe können unter Umständen Beschwerden und Krankheiten hervorrufen.

Statt Früchten gleich Nahrungsergänzungsmittel schlucken
Statt Früchten gleich Nahrungsergänzungsmittel schlucken? Sicher nur in Ausnahmefällen angesagt. Und Vitamin C-Mangel gehört nicht zu den häufigsten Mankos. (Bild Getty Images)

Im Vergleich zu anderen Weltgegenden weist die Schweiz wenig Betroffene von gravierendem Vitaminmangel auf. Zu wenig Vitamin D, E oder B12 schafft es in Mitteleuropa immerhin gerade noch in die Top Ten der häufigsten Mangelerscheinungen. Die vielerorts anzutreffende Werbung für Vitamin-C-Nahrungsergänzungsmittel etwa sind aus medizinisch-biologischer Sicht für eine überwiegende Mehrheit der hiesigen Bevölkerung unnötig, sofern in der Regel ausgewogene Speisen mit zum Beispiel genügend Früchten auf den Tisch kommen.

Vitamin D stellt der Körper aus UV-Licht mehrheitlich selbst her, bei Älteren wird es unterdurchschnittlich in der Haut gebildet. Es sorgt für Phosphat- und Kalziumstoffwechsel (trifft oft auch mit Kalziummangel auf) und damit für Knochen- und Zahnaufbau. Enthalten ist es etwa auch in Milch, Fisch, Eiern, Butter oder tierischen Fetten.

Vitamin-E-Mangel kann von Blutarmut über Muskelschwäche bis zu Störungen der Nervenfunktionen führen und kommt vor allem in Getreidekeimen, pflanzlichem Öl und wiederum Eiern vor.

Vitamin B12 aus Fleisch, Milch und Eiern kann unter anderem bei ungenügend aktiver Magenschleimhaut oder auch bei Veganern in zu kleiner Dosierung aufgenommen und verarbeitet werden und äussert sich zumeist in Müdigkeit bis Schwäche, Schwindel oder im Extremfall Herzschwäche.

Die Spitzenplätze belegen aber andere: Eisen, Kalium, Magnesium oder Jod, wie im Migros-Magazin vom 8. September 2014 geschildert («Jod ist das Salz in der Suppe»). Was Jod angeht, sind bereits die in unseren Gefilden jodarmen Böden an einer leichten Unterversorgung schuld. Bei eklatanterem Mangel reagiert die Schilddrüse mit einem Kropf, der wiederum die Luftröhre verengen kann. Neugeborene können im schlimmsten Fall von Fehl- oder Totgeburten, allenfalls Taubstummheit oder Entwicklungsstörungen betroffen sein. Ohne für Jodmangel mitverantwortliche andere Krankheiten reicht die Verwendung jodierter Salze und gelegentlich von Fischen, Meeresfrüchten oder Algen zur Vermeidung von Jodmangel, zusätzliche Tabletten sind selten angebracht.

Gemeinsam sind den folgenden Phänomenen zum einen, dass ernsthafte körperliche Folgen zumeist erst bei deutlichem Mangel entsprechender Stoffe auftreten, also nicht bei leicht unterdurchschnittlicher Versorgung. Zum anderen ist oft nicht allein oder überhaupt nicht mangelhafte Ernährung der Grund, sondern bereits vorhandene Krankheiten, Störungen des Stoffwechsels oder auch etwa (starke) Monatsblutungen wie nicht selten im Fall von Eisenmangel.

Bei Verdacht auf eine Mangelerscheinung empfiehlt sich generell der Besuch beim Arzt mit genauen Messungen. Erst danach kann beurteilt werden, ob eine Umstellung des Speiseplans angezeigt wäre, Nahrungsergänzungsmittel in Form von (Brause-)Tabletten oder gar Spritzen o. Ä.

Die Risiken und wo die Stoffe vorkommen

Eisen: Die Weltnummer 1
Eisenmangel thront weltweit unangefochten an der Spitze der Mangelerscheinungen. Frauen sind mit starken Monatsblutungen durchschnittlich weit häufiger betroffen als Männer. Magengeschwüre, Hämorrhoiden oder gar Tumore sind weitere Hauptursachen für den Mangel. Das Mineral ist an der Bildung der lebenswichtigen roten Blutkörperchen beteiligt und für die konstante Sauerstoffzufuhr wichtig. Müdigkeit und Konzentrationsschwäche sind klassische Anzeichen für ein Manko, auch trockene Haut. Eisen enthalten Hülsenfrüchten, Spinat, Fenchel oder Hirse.

Magnesium: Der Wadenkrampf als Anzeichen
Nach dem Eisen die vielleicht bekannteste Mangelerscheinung. Das wiederholte Auftreten von Wadenkrämpfen in der Nacht (oder von Krämpfen tagsüber bei nicht allzu sportlichen Aktivitäten) ist das auffälligste Symptom. Nervosität und bisweilen Vergesslichkeit gehört auch dazu. Magnesium enthalten grünes Gemüse, auch Kürbis oder Cashewkerne.

Kalzium: Der Knochenhärter
Stark für Stabilisierung (und in der Jugend für den grundsätzlichen Aufbau) von Knochenbau oder auch der Zähne verantwortlich. Schneller fortschreitende Osteoporose («Knochenbrüchigkeit») oder auch Schlafstörungen sind die wichtigsten Symptome. Enthalten in Milchprodukten, Feigen oder Gemüsen wie Lauch, Fenchel oder Broccoli. Steht auch oft im Zusammenhang mit Vitamin-D-Mangel.

Kalium: Für den Kohlenhydratstoffwechsel
Auch das dritte Mineral unserer Liste ist von grosser Bedeutung, vorab für die Steuerung des Wasserhaushalts sowie für jene des Stoffwechsels verschiedener Kohlenhydratformen. Muskelschwäche, bei starkem Mangel Erschöpfungszustände, mitunter Erbrechen und Durchfall sind die Folge. Enthalten in Tomaten, Orangen, Bananen, Kartoffeln, Nüssen oder Rosinen sowie Kakao.

Zink: Extremfall Haarausfall
Erhöhte Infektanfälligkeit, starke Zügelung des Appetits oder Störung des Geschmacksempfindens sind Begleiterscheinungen, wenn eklatanter Mangel an diesem Spurenelement besteht, auch Haarausfall oder Durchfall. Milch, Käse, Vollkornprodukte, Eier und Fleisch sind die wichtigsten Lieferanten.

Folsäure: Auf die Verwertung kommts an
Die Folsäure ist das bei Weitem bekannteste Element der Folate. Diese kommen in praktisch jedem Blattgemüse vor, aber auch in Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Orangen, Kohl, Tomaten, Spargeln, Weintrauben oder wiederum Vollkornprodukten. Mehr davon zu sich zu nehmen, hilft aber nicht unbedingt: Ausgeprägte Mangelerscheinungen sind in diesem Fall fast durchwegs auf die ungenügende Resorption (Aufnahme und Weiterverarbeitung im Körper) zurückzuführen. Dann verändern Magenschleimhäute das Wirken der Folsäure zum Schlechten, psychische Krankheiten und Störungen können sich akzentuieren, bei Neugeborenen treten im Extremfall Offener Rücken (Spina bifida) auf, auch Fehlgeburten sind möglich. Deshalb werden Folsäurepräparate in der Schwangerschaft im Zweifelsfall eher grosszügig verschrieben.

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