05. Januar 2018

Die Grippe im Haus

Wird ein Familienmitglied krank, sind Fiebermessen, Hygiene und Betreuung wichtig, die möglichst auf die Wünsche des Patienten eingeht.

Trinken, trinken und nochmals trinken: Das hilft, die Grippe besser zu überstehen.
Trinken, trinken und nochmals trinken: Das hilft, die Grippe besser zu überstehen. (Bild: Jim Corvin/Getty Images)
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Eben noch fühlte man sich putzmunter, nun kann man kaum mehr schlucken, und Benommenheit breitet sich aus. Wer kennt diese Grippe- und Erkältungssymptome nicht, die meist wie angeschossen auftreten und alle Pläne über den Haufen werfen? Glück im Unglück hat, wer sich in dieser Situation schonen kann, weil er einen Partner hat, der sich um einen kümmert.

Ungesüsster Tee, Wasser oder verdünnter Fruchtsaft sind für kranke Personen besonders geeignet. Wichtiger jedoch als ein «gesundes» Getränk zu offerieren sei es, auf die Vorlieben der Person Rücksicht zu nehmen, sagt die diplomierte Pflegefachfrau HF Brigitte Streiff vom Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) Kanton Bern: «Sturheit ist in der Betreuung von Grippepatienten fehl am Platz. Ein Kaffeeliebhaber, der Tee nicht mag, wird ihn auch im Krankheitsfall nicht trinken wollen. Doch zu einer Tasse Kaffee, begleitet von einem Glas Wasser, sagt er vielleicht ja. Und wer Wasser partout ablehnt, trinkt es vielleicht mit Sirup.» Nur alkoholische Getränke sind tabu.

Wer die Getränke in einem Krug oder einer Thermoskanne serviert, behält die Flüssigkeitszufuhr im Blick. Ist sie zu gering, äussert sich dies in fehlendem Harndrang, dunklem Urin oder ausgetrockneter, schuppender Haut. Auch beim Essen ist esim Grundsatz wichtiger, dassman isst, als was man isst. Zwieback und Salzstangen sind zwar oft willkommene Häppchen, doch entscheidet die kranke Person auch hier am besten selbst, was sie zu sich nehmen möchte.

Temperatur überwachen

Um den Krankheitsverlauf im Auge zu behalten, ist es ratsam, morgens, mittags und abends die Temperatur zu messen und sich Messzeitpunkt und Temperatur zu notieren. Dabei ist immer dieselbe Messmethode anzuwenden. Verschlechtert sich der Zustand der kranken Person auf einmal rapide oder steigt das Fieber über 38 Grad, muss die Körpertemperatur sogar im Abstand von 30 Minuten überprüft werden. Dann ist meist ein Besuch oder zumindest ein Anruf beim Hausarzt ratsam. Es sei denn, die kranke Person fühlt sich vergleichsweise wohl.

Schwitzt die kranke Person so stark, dass Bettwäsche und Kleidung feucht werden, sollte diese jeweils gewechselt werden. Dreimal tägliches Stosslüften bringt zudem frische Luft ins Krankenzimmer. Die kranke Person darf dabei aber keiner Zugluft ausgesetzt sein. Bei starkem Husten oder Schnupfen kann das Anheben des Kopfteils des Betts die Beschwerden lindern. «Ist dies nicht möglich, schiebt man einfach einen dicken Ordner unter die Matratze», sagt Brigitte Streiff.

Ist ein Grippepatient im Haus, verdienen auch die gesunden Familienmitglieder besondere Aufmerksamkeit. Zwar ist es schwierig, Personen im gleichen Haushalt vor gegenseitiger Ansteckung zu schützen. Dennoch rät Brigitte Streiff zu einigen Vorsichtsmassnahmen: «Nach Kontakten mit der kranken Person heisst es Hände waschen, und Türgriffe sowie WCs reinigt man nun besser etwas öfter.» Das kranke Familienmitglied wiederum tut gut daran, nur Papier- statt Stofftaschentücher zu verwenden und diese nach Gebrauch sofort in den Abfalleimer zu werfen. Auch wer in den Ellenbogen statt in die Hand schneuzt oder hustet, trägt zum Schutz seiner Familie bei.

Wenn Betreuende krank sind

Besonders herausfordernd ist ein Krankheitsfall in der Familie, wenn ausgerechnet die Person das Bett hütet, die sich sonst um die Kinder kümmert. Falls es sich dabei gar um die Grossmutter oder den Grossvater handelt, die oder der regelmässig für die Kinderbetreuung zu Besuch ist, wird die Pflege schnell anspruchsvoll. Denn es stellen sich Fragen, auf die man möglicherweise keine Antwort hat: Wie gefährlich ist eine plötzliche Grippeerkrankung für die Person, und wer ist der zuständige Hausarzt? Welche Medikamente für welche Krankheiten muss die Person ohnehin einnehmen, und welche Unterstützung benötigt sie dabei? Wer im Vorfeld bespricht, was im Krankheitsfall zu tun ist,ist weniger schnell am Anschlag – schliesslich kann der plötzliche Ausfall der Betreuungsperson selbst den bestorganisierten Haushalt ins Chaos stürzen.

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