23. Juni 2018

Die Froschkönigin

Unsere Stadt-Land-Kolumnistin hat früher Frösche geküsst und mit ihnen gebadet. Bis ihre Eltern einen eiskalten Plan ausheckten.

Frösche bei der Paarung
Frösche sind gute Freunde unserer Kolumnistin. Ob sie auch ihre Freundin ist? (Bild: Unsplash.com)
Lesezeit 2 Minuten

Ich bin mit Fröschen aufgewachsen. Jetzt nicht so wie Tarzan, der von Affen aufgezogen wurde. Sonst würden mich die Kinder im Dorf wohl die Quak-Frau nennen und hinter meinem Rücken tuscheln, wenn ich durch die Gassen hüpfe. Die Frösche waren für mich mehr Freunde als Erziehungsberechtigte. Sie wohnten im Teich, der im Garten vor unserem Einfamilienhaus stand. Städter mögen jetzt staunen: Haus? Garten? Teich? Auf dem Land kann man sich das eben noch leisten, ohne eine milliardenschwere Erbschaft gemacht zu haben.


Was sich meine Eltern dann aber doch nicht leisten konnten, war ein zweites Anwesen, in das wir während der Paarungszeit flüchten konnten. Also das der Frösche, um das klarzustellen. Es ist ja so: Die quaken ja unglaublich laut «dabei» . Nächtelang lag ich wach und habe sie verflucht, diese algengrünen Lustmolche. Bei Tag fand ich die Frösche hingegen cool. Mit dem Fischernetz versuchten wir, sie einzufangen. Manchmal hüpften wir samt Flügeli in den Teich und schwammen mit ihnen. Einmal küsste ich einen auf seinen schleimigen Rücken, weil ich am Tag zuvor «Der Froschkönig» gesehen hatte. Die Verwandlung blieb aus.


Verwandelt hat sich nur der Teich. Als meine Mutter vorletzten Frühling nach einer weiteren froschbedingt schlaflosen Nacht eine Volkszählung durchführte, kam sie auf über 60 Frösche. «Jetzt reichts!», fand sie und besprach mit meinem Vater eine Reorganisation des Gartengewässers. Der Teichbauer kam, formte um, baute ein Bächlein und vor allem: siedelte Fische an. Diese, nun ja, verstehen sich nicht so gut mit Fröschen. Die Wahrheit ist: Sie fressen ihren Laich. «Wie fies!», fand ich und trauerte um meine Freunde. Meine Eltern rieben sich die Hände – ihr eiskalter Plan war aufgegangen. Tatsächlich? Als ich letztens beim Teich sass, hüpfte neben mir ein Frosch hinein. Ich habe ihn nicht verraten.

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