05. Juli 2019

Die Frau im Führerstand

Cornelia Croci-Limacher bringt Besucher aus aller Welt auf den Monte Generoso. Als eine unter drei Lokomotivführerinnen legt sie tatkräftig Hand an, damit die Schmalspur-Zahnradbahn sicher auf dem Gipfel ankommt.

Carolina Croci-Limacher bringt Besucher aus aller Welt auf den Monte Generoso
Carolina Croci-Limacher vor dem Führerstand.
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Obwohl der Führerstand des Triebwagens zum Fahrgastbereich hin offen ist, spricht Cornelia Croci-Limacher nur sehr wenig mit den Fahrgästen der Monte-Generoso-Bahn, die sie auf eine Höhe von 1704 Metern bringt – auf einen der schönsten Berge im Tessin. «Fragen, die etwa den Fahrplan betreffen, beantworte ich kurz. Wenn die Passagiere aber Wandertipps haben wollen, erkläre ich ihnen, dass sie warten müssen, bis wir am Bahnhof halten», sagt die 46-Jährige.

Eine Lokführerin hat eben stets höchst konzentriert zu sein. «Ich muss darauf achten, dass kein Stein auf den Schienen liegt, und ich muss rechtzeitig bremsen können, wenn eine Gämse die Gleise überquert.» Auch dass sie das bewegliche Pedal ohne ­Unterbruch betätigt, hat einen guten Grund: «Wenn nach 40 Sekunden keine Bewegung registriert wird, bleibt der Zug automatisch stehen.»

Viel körperlicher Einsatz

Neben den Aufgaben, die mit dem Lokführerberuf verbunden sind, muss Cornelia Croci-Limacher auch von Hand die Weichen stellen – wofür es jedes Mal aus dem Zug zu steigen gilt , über Lautsprecher die Haltestellen durchsagen und Billette kontrollieren. «Ich helfe natürlich auch Fahrgästen im Rollstuhl oder Eltern mit Kinderwagen beim Einsteigen», erklärt die Luzernerin, die 2000 ins Tessin kam, um Italienisch zu lernen, und dann geblieben ist – aus Liebe.

Bergauf: Die Fahrt zum Monte Generoso.
Bergauf: Die Fahrt zum Monte Generoso.

Cornelia Croci-Limacher hat sich in doppelter Hinsicht im Tessin selbst verwirklicht: Sie kann hier auch ihre Leidenschaft voll und ganz ausleben. «Ich war schon immer von Zügen fasziniert. Meine Familie hat das einfach im Blut», sagt sie lachend. Lange Zeit war sie für die SBB als Bahnbetriebsdisponentin tätig und musste dabei auch den Eisenbahnverkehr überwachen. «Im Tessin habe ich anschliessend an den Billettschaltern der Ferrovia Monte Generoso gearbeitet. Als mir 2017 diese Stelle angeboten wurde, musste ich nicht lange nachdenken.»

Zwei weitere Frauen besetzen einen vergleichbaren Posten, während es ein Dutzend männliche Lokomotivführer gibt. «Für mich war es nie ein Problem, als Frau in einem männerdominierten Umfeld zu arbeiten. Bei technischen Fragen bitte ich einen männlichen Kollegen um Hilfe, denn das sind alles gelernte Mechaniker. Dafür kann ich ihnen beim Billettverkauf helfen; damit kenne ich mich gut aus. Wir ergänzen uns also gegenseitig.»

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