06. August 2012

Die Brückenbauer

Die Schule als unantastbare Institution ist passé. Mütter und Väter reden und gestalten heute mit. Noch müssen sich Lehrer und Eltern aneinander herantasten.

Steve Sidor
Setzt sich 
ein für sichere Schulwege: Steve Sidor, Präsident des Elternforums Beringen, mit den Söhnen David (links) und Noah.

Schwungvoll legt Steve Sidor (43) ein prall gefülltes Klarsichtmäppli auf den Tisch und zückt daraus einen Flyer: «Miteinander für eine gesunde und lebendige Schule» steht auf dem A4-Blatt. Es ist der Slogan des Elternforums von Beringen SH, dessen Präsident Steve Sidor ist. Er gehört zu der Handvoll Väter und Mütter, die sich meldeten, als die Schule Beringen Mitglieder für ein Elterngremium suchte. Der Auftrag dazu kam vom Stimmvolk: Es hatte entschieden, die geleitete Schule inklusive Elterngremium zu testen.

Sidor stellte sich für das Elternforum zur Verfügung, weil er etwas für die Gemeinde tun wollte und für seine Söhne Noah (10) und David (6): nämlich eine Brücke bauen, die das Elternhaus mit der Schule verbindet und so, wie er sagt, «eine Basis legen für ein gutes und schönes Schülersein».

Die harzige Suche nach Mitgliedern für den Vorstand

Das Elternforum Beringen hat schon einiges auf die Beine gestellt. «Gleich in den ersten zwei Wochen führten wir in der Schule Kinder-Cash ein», sagt Steve Sidor, «einen Kurs, der Schülern einen vernünftigen Umgang mit Geld beibringt.» Es folgten ein Würstlistand für den Räbeliechtliumzug, eine Lesenacht und das Projekt «Senioren im Klassenzimmer». Eltern zu finden, die bei den einzelnen Projekten mithalfen, war kein Problem. Harziger verlief hingegen die Rekrutierung von weiteren Vorstandsmitgliedern für das Forum.

Dieses Problem kennen fast alle Elterngremien in der Schweiz – seien es Elternräte oder Elternforen. «Ich würde sogar sagen, in ganz Europa», sagt Maya Mulle (59), Leiterin der Fachstelle Elternmitwirkung. Der Grund: Viele Väter und Mütter glauben, nicht die nötige Qualifikation für eine solche Aufgabe mitzubringen, und fürchten sich vor einer Blamage. Steve Sidor winkt ab: «Jeder hat Stärken, die er einbringen kann.» Ausserdem könne sich ein Elterngremium Hilfe holen. Bei der Fachstelle Elternmitwirkung zum Beispiel oder auf einschlägigen Websites. Auch der Zeitaufwand halte sich in Grenzen, sagt Sidor. Drei Sitzungen jährlich plus administrative Arbeiten sind es in Beringen. «Alles in allem arbeite ich vielleicht eine Woche pro Jahr für das Forum», schätzt er. Das tut er gern, auch wenn er als Finanzfachmann keinen Nine-to-Five-Job hat. Dennoch akzeptiert er, dass nicht alle Eltern eine fixe Verpflichtung eingehen können.

Nicht nur Väter und Mütter zögern, wenn es um Elternmitwirkung geht. Mancherorts stehen auch Schulleiter und Lehrer dem Engagement von Eltern skeptisch gegenüber. Sie empfinden es als Einmischung. In Beringen sei das anders, sagt Sidor. «Die machen das ganz smart. Jede Schulstufe stellt einen Lehrervertreter, der an den Gesprächen des Elternforums teilnimmt.» So können die Elternvertreter schon im Vorfeld abtasten, wie ein Anliegen bei der Schule ankommt, und es allenfalls anpassen. Denn man wolle keineswegs den Lehrern dreinreden, betont Sidor. Vielmehr gehe es darum, Vorhaben zu realisieren, für welche die Schule keine Ressourcen oder gesetzliche Grundlagen hat.

Ein solches Vorhaben ist der Schulweg. Der ist in Beringen nicht ganz ungefährlich, finden die Elternvertreter. Deshalb fordern sie in ihrem neusten Projekt Massnahmen von der Gemeinde, um die gefährlichen Stellen zu entschärfen. Die zuständige Gemeinderätin unterstützt das.

Während der Schulweg also auf gutem Weg ist, macht sich Steve Sidor Sorgen über die Zukunft des Elternforums. Die Testphase ist zu Ende, und in wenigen Wochen entscheiden die Beringer an der Urne, ob sie definitiv zur geleiteten Schule mit Elterngremium übergehen wollen. Im Gegensatz zu anderen Kantonen sind Schaffhauser Schulen nicht von Gesetzes wegen zur Zusammenarbeit mit den Eltern verpflichtet.

Was, wenn die geleitete Schule mit Elterngremium abgelehnt wird? «Dann werden wir eine andere Art von Elternmitwirkung ins Leben rufen», sagt Sidor. Diese einfach aufzugeben ist für ihn keine Option.

Fotograf: René Ruis

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