11. Juli 2018

Die besten Tipps für Islands Südwesten

Island erlebt in diesen Tagen den schlechtesten Sommer seit Messbeginn. Trotzdem ist die Insel eine Reise wert – wenn man genügend Geld hat.

Tal bei Vik Island
Nur zehn Fahrminuten östlich von Vík öffnet sich dieses Tal mit einer Schotterstrasse, die vom Meer in die Nähe des Gletschers Myrdalsjökull führt.

Schweden und weite Teile Skandinaviens erleben derzeit einen Sommer, wie es ihn seit Jahrzehnten nie mehr gegeben hat: Temperaturen um 30 Grad und wochenlang Sonnenschein mit kaum Regen. In Island ist es genau umgekehrt: Die Insulaner klagen über den kältesten und grauesten Sommer seit Messbeginn. Eine Tagestemperatur um 12 Grad ist eher die Regel als die Ausnahme. Aber Hand aufs Herz: Kaum jemand reist wegen des Wetters zur Insel aus Feuer und Eis. Obwohl: In Reykjavík, der nördlichsten Hauptstadt der Welt, kann im Sommer auch mal kurz vor Mitternacht die Sonne scheinen - ziemlich einmalig. Einmalig ist es auch, wenn Ende Juni die Osterglocken blühen …

Reykjavík Island
Aussicht von der Hallgrímskirka: So erfasst man die isländische Hauptstadt am besten.

Die Stadt am Atlantik mit rund 123'000 Einwohnern zeigt sich attraktiv: Neue moderne Gebäude wie die Oper sind entstanden, und um dieses architektonische Wunderwerk wird derzeit an einem neuen Stadtteil gebaut.

Ähnlich wie in den Schweizer Städten lassen sich die meisten Attraktionen zu Fuss erkunden: Mitten in Reykjavík befindet sich der Tjörnin. Der See ist einer der grössten Brutplätze für Wasservögel im Südwesten der Insel, das moderne Rathaus befindet sich nördlich davon. Und dieses sollte man unbedingt besuchen, denn dort ist eine Touristeninformation untergebracht, die für die ganze Insel Prospektmaterial und Informationen kostenlos bereithält.

Wikingerdenkmal Reykjavík Island
In der Nähe der Oper befindet sich dieses moderne Denkmal, das an die Zeit der Wikinger erinnert.

Die Attraktionen von Reykjavík im Schnelldurchlauf: Nach dem Tjörnin zur Hallgrímskirkja hochmarschieren. Die 360-Grad-Aussicht vom Turm der 74 Meter hohen evangelischen Kirche (Eintritt umgerechnet Fr. 10.–) ist imposant und zeigt, in welch malerischer Landschaft die Hauptstadt eingebettet ist. Via Fussgängerzone weiter zum Wikingerdenkmal, zur Oper und zur Altstadt rund um den Hafen. Von der dortigen Promenade Grandagarður gibt es zahlreiche Abfahrten für Walsafaris. Wir haben uns für diejenige von Elding entschieden.

Buckelwal in der Region von Reykjavík
Wer Glück hat, sieht auf der Safari Buckelwale, die die Region von Reykjavík regelmässig im Sommer besuchen.

Alternativen bei Regen: Das Saga-Museum beim Hafen lässt die Besucher in die Zeit der Wikinger eintauchen. Und Reykjavík hat rund ein halbes Dutzend Hallenbäder mit Thermalwasser. Weshalb also nicht Wellnessferien im hohen Norden? Oder Strandferien: Ausserhalb der Hauptstadt, unterhalb des inselbekannten Warmwasserspeichers Perlan mit der Aussichtsplattform, befindet sich der Sandstrand von Nauthólsvík. Die Lagune wird mit Thermalwasser angereichert, sodass das Meer bis zu 19 Grad warm werden kann. Für Warmduscher stehen Becken mit gegen 40 Grad heissem Wasser zur Verfügung. Der Eintritt ist kostenlos.

Nauthólsvík Reykjavik Island
Bade- und Wellnessferien in Reykjavík: exotisch, aber möglich!

Restaurants in Reykjavik: In den letzten Jahren hat sich die Gastronomieszene in der Hauptstadt stark gewandelt. Geblieben sind die hohen Preise (ein Hauptgang umgerechnet rund Fr. 60.–, eine Stange Bier Fr. 10.–). Viele Einheimische findet man bei Matur og Drykkur im Hafen: Das mit einfachen Holztischen eingerichtete Lokal bietet lokale Gerichte und einen freundlichen Service. Fisch ist Trumpf im Fiskfelagid (Fish Company). Der empfehlenswerte Viergänger «Around Iceland» kostet 9900 Isländische Kronen oder Fr. 91.–: innovative Speisen, professioneller Service, etwas dunkle Räumlichkeiten. Seit Jahren ein sicherer Wert ist Lakjarbrekka, das in einem fast 200 Jahre alten Haus eines ehemals dänischen Schiffsbesitzers und Händlers untergebracht ist. Wie in vielen isländischen Restaurants dominieren auch hier Lamm und Fisch, die im Gegensatz zu den meisten Lebensmitteln nicht importiert werden müssen.

Kleifarvatn Island
Auf Umwegen zur Blauen Lagune taucht der Kleifarvatn auf.

Die bekannteste Sehenswürdigkeit Islands befindet sich ausserhalb der Hauptstadt: das Thermalbad Blaue Lagune bei Grindavík. Ganz so schön, wie es die Werbung mit malerischen Bildern verspricht, ist es dort aber nicht: Massen von Kreuzfahrtpassagieren und Touristen aus China sorgen für einen Menschenauflauf, der an eine Mittelmeerinsel im Hochsommer erinnert. Wer nicht im Vorfeld ein Eintrittsbillett kauft, hat das Nachsehen.

Es lohnt sich, von Reykjavík über Hafnarfjörður und den Kleifarvatn zu fahren. Die Landschaft auf diesem Umweg quer über die Halbinsel von Reykjavík ist viel schöner als auf dem direkten Weg der Küste entlang.

Kleifarvatn Island
Hinter dem Kleifarvatn verbirgt sich dieser blaue See.

Blubbernde Schlammlöcher, heisse Quellen, ein kitschig blauer See und endlos scheinende Strassen durch einsame Landschaften gehören zu den weiteren Attraktionen.

Wer für Island rund eine Woche Zeit hat, kann mit dem Mietwagen weiter Richtung Süden fahren und einen ersten Übernachtungsstopp in der Region Selfoss/Hella einlegen. Ich habe das Gästehaus Nordheimar gebucht und einen Volltreffer gelandet. Das Haus ist umgeben von Weiden, auf denen Schafe und isländische Pferde grasen. Der gut Deutsch sprechende Gastgeber Johann und seine Frau haben ihr Zuhause mit viel Liebe und Geschmack eingerichtet. Ein Zimmer für zwei Personen inklusive Frühstücksbuffet kostet rund 150 Franken.

Gästehaus Nordheimar Island
Ideale Unterkunft auf dem Weg Richtung Süden: das Gästehaus Nordheimar

Der Klassiker aller isländischen Attraktionen nennt sich «Goldener Kreis» und befindet sich zwischen der Hauptstadt und Selfoss. Es ist eine Ansammlung von Naturwundern: der Nationalpark Thingvellir, der Wasserfall Gullfoss, die Region der Geysire, die bis zu 30 Meter hohe Wasserfontänen ausstossen, und der Kratersee Kerið. Das alles lässt sich in einem Tag entdecken. Wer keinen Wagen mieten möchte, kann auch eine Tagestour buchen. Interessant: Bei diesen Wundern sind oft Tafeln angebracht mit dem Hinweis «Notkun Flygilda er Oheimil» (Drohnen sind verboten).

Gullfoss Wasserfall Island
Der Gullfoss besteht genau genommen aus zwei verschiedenen Wasserfällen und zählt zu den bekanntesten Naturwundern Islands.

Südlich von Selfoss gibts noch mehr Attraktionen, die man an einem folgenden Tag bewundern kann. In Hvolsvöllur, schon 100 Kilometer südlich von Reykjavík, befindet sich das Lava Centre, das über Vulkane und Erdbeben informiert und täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet ist.

Urriðafoss Island
Der wasserreichste Wasserfall in Island heisst Urriðafoss.

Auf dem Weg dorthin breitet sich der Urriðafoss aus, der als wasserreichster Wasserfall Islands gilt. Auf einer Breite von 40 Metern stürzen sich 360 Kubikmeter Wasser pro Sekunde rund sechs Meter in die Tiefe. Falls es die Zeit erlaubt, sollte man danach die Westmännerinseln besuchen. Die Inselgruppe vulkanischen Ursprungs erreicht man ab dem Hafen von Landeyjahöfn. Zu den Inselattraktionen zählen der 200 Meter hohe Vulkan Eldfell, der letztmals 1973 ausgebrochen ist und die putzigen Papageientaucher, die auch als Puffin bekannt sind und leider auch mal auf Speisekarten auftauchen.

Skógafoss Island
Einer der schönsten Wasserfälle Islands: der Skógafoss. Die Wassermassen sind so intensiv, dass sich ein Regenbogen bildet (am linken Bildrand).

Die Landschaft dieser Umgebung ist mit zusätzlichen Attraktionen gesegnet: Am Horizont zeichnet sich der Vulkan Hekla ab, der im Februar 2000 letztmals ausgebrochen ist. Und mit dem 60 Meter hohen Seljalandsfoss und dem Skógafoss stürzen sich Wasserfälle in die Tiefe, die zu den schönsten auf der Insel gehören.

Geheimtipp Kvernufoss
Geheimtipp Kvernufoss

Diese Höhepunkte der Natur werden auch immer wieder in Reisereportagen erwähnt. Kaum bekannt ist jedoch der Kvernufoss, der sich nur ein paar Minuten vom Skógafoss entfernt befindet: Während dort Tourenbusse Horden von Touristen ausspucken, ist man im Tal des Kvernufoss fast allein, weil man rund 20 Minuten zu Fuss gehen muss, um das Wasserspiel der Natur zu bewundern.

Gletscher Myrdalsjökull
Die Eismassen des Myrdalsjökull. Eine Schotterstrasse führt nach Sólheimajökull, wie sich die Gletscherzunge nennt. Von dort werden auch Touren auf dem Gletscher angeboten.

Weitere landschaftliche Höhepunkte wechseln sich im Süden Islands fast im Minutenrhythmus ab: Die Fahrt zur Gletscherzunge des Myrdalsjökull, der schwarze Strand von Vík (wo immer wieder Touristen sterben, weil sie von Wellen überrascht werden, unbedingt genügend Abstand zum Meer halten!), die Felsformationen von Dyrrhólaey. Einen weiteren Tag sollte man für den Vatnajökull einplanen, den grössten Gletscher Europas.

Vik Island
Vík ist der südlichste Ort auf Island.

Als Ausgangspunkt, um all diese Begegnungen zu realisieren, eignet sich das verschlafene Dorf Vík, der südlichste Ort von Island. Bei Regen gibt es allerdings kaum ein Alternativprogramm zu den Naturerlebnissen. Ein kleines Einkaufszentrum bietet Lebensmittel wie Skyr (das traditionelle Milchprodukt gibt es auch in der Migros) an oder einen riesigen Souvenirladen (beliebt sind isländische Pulli). Und in Vík gibt es eine tadellose 400-Meter-Tartanbahn und ein paar nette Restaurants. Besonders sympathisch sind das von einem jungen Paar seit ein paar Monaten geführte Bierbrauhaus «Smidjan Brugghus» (Informationen über Facebook, es gibt nur Burger, gut 20 Franken mit Pommes frites) oder «Suður-Vík», das sich auf einem Hügel mit schöner Aussicht befindet und Restaurant, Bar und Café in einem ist.

Wie überall in Island muss man auch für das Essen in Vík mehr bezahlen als in der Schweiz, Gleiches gilt für Übernachtungen, Mietwagen und Taxis. Die Insel aus Feuer und Eis, rund zweieinhalbmal so gross wie die Schweiz, ist eben in all ihren Facetten einmalig.

Black Sand Beach Vik
Der Black Beach ausserhalb von Vík: Vorsicht, der Wellengang kann tödlich sein.

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