06. Juni 2018

Die besten Tipps für das Piemont

Die italienische Genusshochburg Piemont ist bekannt für mittelalterliche Dörfer, authentische Küche und gute Weine. Als Geheimtipp gilt die Gegend des Monferrato, wo sich Claudia und Alessandro Cardamone-Brombin ihren Traum erfüllten.

Barbaresco Piemont
Eine Ortschaft mit einem stolzen Namen: Barbaresco

Die Orte Alba und Asti stehen fast bei jedem Piemont-Besuch auf dem Programm. Doch die 60 Kilometer nördlich davon gelegene Grafschaft Monferrato geht oft vergessen, obwohl die Landschaft mit ihren sanften Hügeln seit 2014 Teil des Unesco-Welterbes ist. Im Herzen dieser Region, auf einer Anhöhe in der Nähe des Dorfs Ottiglio gelegen, haben Claudia und Alessandro Cardamone-Brombin vor knapp einem Jahr ein fast 170-jähriges Winzerhaus mit viel Liebe in das «Country House Montessino» verwandelt.

Claudia und Alessandro Cardamone-Brombin
Claudia und Alessandro Cardamone-Brombin vor ihrem Anwesen, dem «Country House Montessino»

«Ich habe mir meinen Lebenstraum erfüllt», sagt die Schweizerin Claudia Cardamone. Aus dem ehemaligen Reitstall ist zusätzlich eine kleine Wellnessoase entstanden – mit Sauna, Fitness- und Yogaraum. Über 50 Oliven- und Obstbäume sowie ein Swimming- und Whirlpool zieren den Umschwung, am Horizont zeichnet sich bei guter Sicht der Alpenkamm ab, und in den Morgenstunden durchbricht einzig der Ruf des Kuckucks die Stille.

Country House Montessino
Die Zimmer im Countryhouse sind mit viel Geschmack eingerichtet und mit Originalen von Alessandro Cardamone ausgestattet.

6 Zimmer (ab 120 Euro) sowie ein Ferienhäuschen für Familien mit Kindern (ab 140 Euro) stehen zur Auswahl. In den individuell eingerichteten Zimmern, die ein wenig an die Provence erinnern, hängen expressionistische Werke von Alessandro Cardamone. Die Liebe für ihr neues Zuhause überträgt sich auch auf das Frühstücksbuffet: Claudia Cardamone tischt selbstgemachten Zopf und lokale Produkte wie eine Nuss-Nougat-Creme auf – und steht immer wieder mit Ausflug- und Restauranttipps zur Seite. In Altavilla Monferrato befindet sich das Museo della Grappa , in Cella Monte das Ecomuseo della Pietra da Cantoni . Cardamone ist überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis mehr Genussmenschen diesen nördlichen Teil des Piemonts entdecken.

Montemagno im Piemont
Monferrato befindet sich noch im touristischen Dornröschenschlaf. Montemagno gehört zu den unzähligen Dörfern, die fast keine Touristen haben.

Und sie rät, Weine aus der fruchtigen und lokalen Traubensorte Ruché zu degustieren, die nach Rosen duftet. So fahren wir über die Hügel nach Castagnole Monferrato zum in einem modernen Gebäude untergebrachten Familienbetrieb von Montalbera und staunen über die spannenden Erzeugnisse. Aperitif-Tipp: der Spumante Cuvée Blanche aus Barbera-Trauben. Und fürs Abendessen danach locken die L’Osteria Aleramo oder das Corona Reale im kaum touristischen und dennoch attraktiven Dorf Moncalvo.

Villa Tiboldi ob Canale
Hotel-Restaurant mit Aussicht: die Villa Tiboldi oberhalb des Orts Canale.

Wer am nächsten Tag grosse Weingüter besuchen möchte, sollte zu Luigi Pira nach Serralunga d’Alba fahren. Die Geschichte der Kellerei reicht bis in das 18. Jahrhundert zurück. Unkompliziert, piemontesisch und preiswert ist man im Ristorante Italia , das sich nur ein paar Fussminuten von Luigi Pira befindet. Und gleich noch drei weitere empfehlenswerte Weingüter: Adriano Marco e Vittorio ausserhalb von Alba, Agricola Cadia in Roddi sowie Enzo Boglietti in La Morra.

La Morra, Piemont
La Morra gehört wie Barbaresco und Barolo zu den sehenswerten Orten im Piemont, deren Namen eng mit den grossen Weinen aus dem Piemont verbunden sind.

Letzteres Dorf gehört übrigens zu den sehenswertesten des Piemonts. Wichtig: Wer Weine degustieren möchte, sollte dies im Vorfeld anmelden. Unbedingt reservieren heisst es schliesslich auch in der hoch über den Rebbergen gelegenen Villa Tiboldi oberhalb von Canale, die auch zum Übernachten lockt. Das starke piemontesische «Menu Tradizione» kostet 40 Euro.

Castello di Villa, Piemont
Das Zimmer Nummer 2 ist eines von 20 im Boutiquehotel Castello di Villa.

Ein barocker Herrschaftssitz aus dem 17. Jahrhundert bildet das Fundament des Sunstar-Boutiquehotels Castello di Villa in Isola d’Asti, der Heimat der dünnen Brotstangen Grissini und des Barberas. 20 Zimmer mit 40 Betten (ab 150 Euro inklusive Frühstück, WLAN, alkoholfreie Getränke aus der Minibar sowie Mountainbike-Miete) und ein 12 Meter langer Aussenpool gehören zum Angebot in diesem südlichen Teil des Monferrato. Im Keller lagern 300 verschiedene Weine, die die Gäste persönlich inspizieren und zum Essen auswählen können. Der langjährige Zürcher Hoteldirektor Peter Müller steht beratend zur Seite. Er erklärt: «Wegen der Traubenlese und der internationalen Trüffelmesse in Alba haben wir Mitte Oktober/Anfang November Hochsaison.» Der Herbst ist im gesamten Piemont beliebteste Reisezeit mit mehr Touristen und höheren Preisen. So lange sollte man allerdings ohnehin nicht warten, um den Nordwesten Italiens zu besuchen.

Castello di Villa, Piemont
Die Aussicht vom Castello di Villa. Am Horizont zeichnen sich die Alpen ab.


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