06. April 2015

Der Zukkihund wird erwachsen

Rafi Hazera ist Grafiker, Blogger und Comedian. Seit drei Jahren bringt er mit der Kunstfigur Zukkihund seine 56'000 Facebook-Freunde zum Lachen. Nun wagt sich Rafi Hazera auf die Bühne – ohne Hund.

Rafi Hazera posiert mit Hundemodel Horka – auch ein Husky wie seine Kunstfigur Zukkihund.
Rafi Hazera posiert mit Hundemodel Horka – auch ein Husky wie seine Kunstfigur Zukkihund.

Von der Tribüne aus beobachtet er das Publikum und merkt: Nur die vorderen Tische sind aufmerksam. Comedian Rafi Hazera (36) ist nervöser als sonst, es ist sein bisher grösster Auftritt: 800 Leute, Swiss Web Award 2015. Zwei Dinge hat er gelernt: «Die ersten Lacher müssen sitzen, dann läufts von alleine.» Und: «Man muss das Programm dem Publikum anpassen.» Dies gelingt: Beim vierten Gag – Bilder downloaden in den 90ern – hat er die Leute auf seiner Seite, der nächste Witz – eine Freudenlaudatio auf das Ende des Internet Explorers – erntet pfeifenden Applaus. Dem Mann auf der Bühne, Rafi Hazera im Hundekostüm, gilt nun die Aufmerksamkeit.

Quelle: Rafi Hazera/Zukkihund/Watson
Quelle: Rafi Hazera/Zukkihund/Watson

Angefangen hat es vor drei Jahren mit einem imaginären Husky auf Facebook, der keine Party, keine Droge, keine Frau und generell keinen Fauxpas auslässt: der «Zukkihund», benannt nach dem Zürcher Club «Zukunft». Der fiktive Hund vereint Annehmlich- und Widrigkeiten des Zürcher Nachtlebens in sich. Oder wie ihn sein Erfinder umschreibt: «Der Zukkihund ist in urbanen Disco- und Partygebieten anzutreffen. Fortpflanzung: vermehrt sich unbewusst unter dem Einfluss von Alkohol. Brunftzeit: immer. Herrchen: Rafi Hazera.» Der Grafiker versieht Huskybilder mit schweizerdeutschen Sprechblasen, in denen Kraftausdrücke («Pfrässi!») und erfundene Schimpfwörter («Nuttepony») dominieren.

Die Idee des Comedian war nicht neu: Ihm wurde oft gesagt, er müsse auf die Bühne. Andere zum Lachen bringen macht er gern. Mittlerweile unterhält der gebürtige Italiener so 56'000 Fans – viele während deren Arbeitszeit. «Wirtschaftlich habe ich vermutlich schon riesige Schäden verursacht», sagt Rafi Hazera scherzend.

Quelle: Rafi Hazera/Zukkihund/Watson
Quelle: Rafi Hazera/Zukkihund/Watson

Sein Erfolg beruht auf der Kombination von grafischem Know-how, gutem Humor und Beobachtungen im Alltag. «Wir sind Egoisten und wollen von uns selber lesen, einen Spiegel sehen. Je mehr sich die Leute in Problemen wiedererkennen, desto erfolgreicher der Beitrag.» Gerne führt der Zukkihund auch grosse Firmen auf ihren eigenen Twitter- oder Facebook-Seiten vor: Die SBB bei winterlichen Zugverspätungen, oder McDonald’s wegen Grammatikfehler. «Je grösser die Firmen, desto cooler», sagt Rafi Hazera und lacht.

Quelle: Rafi Hazera/Zukkihund/Watson
Quelle: Rafi Hazera/Zukkihund/Watson

Selten um einen guten Spruch verlegen Beim Fotoshooting scheint Rafi Hazera eher zurückhaltend. Als sich jedoch Hundemodel Horka zur Seite und ihren Kopf auf Hazeras Bein legt, entfährt es ihm: «Jösses, isch die herzig!» Er sei sehr sensibel, spüre die Leute gut. Das gilt auch beim Hund: Immer wieder schlägt Rafi Hazera während des Fotografierens vor, dem Husky eine kleine Pause zu gönnen. Als es weitergeht, sagt er: «Mir chamer immer en Hund uf d Schultere legge.» Er ist selten um einen guten Spruch verlegen. Nach dem Facebook-Erfolg fing er an zu twittern. Dort trennte er sich vom Zukkihund: Beide haben ihren eigenen Account. Der Hund macht politisch neutral und unkorrekt weiter, während sich sein Herrchen eher mal positioniert. Unabhängig bleiben aber beide: Werbeanfragen lehnt Rafi Hazera ab.

Quelle: Rafi Hazera/Zukkihund/Watson
Quelle: Rafi Hazera/Zukkihund/Watson

Im Februar 2013 brachte er den Zukkihund auf die Bühne und gründete die «Comedy in der Zukunft»-Reihe. Mittlerweile wirft seine Unterhaltung auch Geld ab: Online verkauft er Bücher und andere Zukkihund-Gadgets, auf dem Newsportal Watson bloggt er unterhaltsame Grafiken (siehe unten), und für die Gratiszeitung «kult» entwirft er monatlich eine Doppelseite mit zum Beispiel lustigen Zettelchen für nervige ÖV-Mitfahrer.

Quelle: Rafi Hazera/Zukkihund/Watson
Quelle: Rafi Hazera/Zukkihund/Watson

Seine drei Berufe – Grafiker, Blogger und Comedian – laufen am Computer zusammen: Ständig online sein gehört dazu. Er sei ein Medienjunkie oder ein «SMJ», Social-Media- Junkie. Die mehrgleisige Internetpräsenz zwingt Rafi Hazera fast, regelmässig alle Kanäle zu checken und zu aktualisieren. Das braucht Zeit. «Ich bin ein Tubel, wenn ich abends um zehn noch was poste», sagt er, «denn dann bin ich sicher noch vier Stunden wach, um den weiteren Verlauf zu überprüfen.» Crossposting ist sein Ding: Hat er auf Watson, «kult» oder Twitter was Neues, streut er dies auch via Zukkihund. So erreicht er auf einen Schlag fast 60'000 Leute.

Der Zukkihund darf weiterhin vulgär sein

Online schlagfertig sein ist eins. Comedy auf der Bühne funktioniert anders. «Der direkte Menschenkontakt als Comedian auf der Bühne ist viel echter, das gefällt mir», sagt Rafi Hazera. «Ein Publikum, das lacht, ist mehr wert als 2000 Likes.» Bilanz nach gut einem Dutzend Auftritten: Er fühlt sich selbstsicherer, präsenter auf der Bühne.

Quelle: Rafi Hazera/Zukkihund/Watson
Quelle: Rafi Hazera/Zukkihund/Watson

Jetzt tourt er zum ersten Mal nicht als Zukkihund, sondern als «Rafi Hazera» im Projekt «We see too» von SRF-Mann Reeto von Gunten, bekannt für seine Diaabende. Rafi Hazera ist Teil des siebenköpfigen Teams und wird lustige Grafiken und Statistiken präsentieren. Im Juni findet die Ikea-Bölleliland-Party statt, die aufgrund einer Hazera-Statistik entstand. Und er wird einen Abend lang ein Open-Air in Zürich moderieren.

«Der Hund wird langsam erwachsen»

sagt Rafi Hazera und meint vielleicht auch ein bisschen sich selbst. Die Markentrennung Zukkihund/Hazera war gut: Als Rafi kann er sich auch ohne vulgäres Vokabular über grosse Firmen und Alltagsprobleme lustig machen, im Gegensatz zum Zukkihund, der das weiterhin tun wird. Das Comediandasein bereitet Rafi Hazera ab und zu noch schlaflose Nächte, die seien aber «sehr kreativ». Sichtlich erleichtert ist er deshalb nach dem grossen Auftritt. Umgehend postet er auf Facebook: «DAS HAT GEROOOCKT! Was für ein geiles Publikum! Okay, bin scho biz stolz.»

Coole Links vom Zukkihund
Hazeras Blog auf Watson
«kult»

Bild: Gian-Marco Castelberg

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