30. Juni 2017

Der Trumpf des rollenden M

Mit dem erfolgreichen Migros-Verkaufswagen begann in den 1940er-Jahren die Kundenbeziehung der Familie Stauffer zum orangen M: Seit drei Generationen sind die Mitglieder treue Kunden.

Bruno Stauffer, Dinah Marti, Hilde Stauffer, Bea Haupt, Rahel Marti und Nadine Marti (v.l.)
Migros-Kunden der ersten Stunde: Bruno Stauffer, Dinah Marti, Hilde Stauffer, Bea Haupt, Rahel Marti und Nadine Marti (v.l. / Bild: Mara Truog)
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Diese Szene aus seiner Kindheit hat Bruno Stauffer (83) noch so klar vor Augen, als habe sie sich erst gestern zugetragen: Direkt vor seinem Elternhaus in der Zürcher Oberländer Gemeinde Hinteregg hielt jeweils in den 40er-Jahren der Migros-Verkaufswagen. Chauffiert wurde der rollende Laden von einem stets freundlichen Mann, dessen Vorname Stauffer nie erfuhr. «Für uns Kinder war das einfach der Herr Eigenmann», sagt der pensionierte Werkzeugmacher.

Wenn der Lastwagen im Dorf einfuhr, wartete bereits eine Gruppe von Hausfrauen am Strassenrand. Der Chauffeur klappte die Seitenwand auf; zum Vorschein kam eine Verkaufstheke, hinter der Herr Eigenmann in Position ging, um die Kundinnen zu bedienen. Als Bub stellte sich Stauffer dann oft mit seiner Mutter in die Warteschlange. «Mich beeindruckte immer, wie mühelos der Chauffeur im Kopf rechnen konnte und wie schnell er das Wechselgeld aus den Münzfächern an seinem Gurt herauszählte. Ein spezielles Lieblingsprodukt im Migros- Sortiment hatte ich aber damals nicht.»

Ein Migros-Verkaufswagen am Ende der 1940er-Jahre. (Bild: MGB-Archiv)

Das lag daran, dass dieses Sortiment damals noch sehr klein war. Schleckzeug war nicht im Angebot; dafür gab es Nahrungsmittel wie Zucker, Reis, Teigwaren oder Kokosfett, die jeder Haushalt benötigte. Diese Produkte waren stets von einwandfreier Qualität und deutlich günstiger als bei den alteingesessenen Läden. Kein Wunder also, dass die Hausfrauen beim Migros-Wagen Schlange standen.

Tumulte rund um die Verkaufswagen

In anderen Gemeinden kam es wegen der Konkurrenz zwischen der Migros und den Dorfläden während der 40er-Jahre zu tumultösen Szenen: Die Stellplätze der Verkaufswagen wurden mit Güllefässern blockiert, Kunden und Gegner der Migros stritten heftig miteinander. «In Hinteregg ging alles eher still über die Bühne», sagt Stauffer. Der Verkaufswagen hatte immer mehr Kunden; irgendwann verschwand der traditionelle Dorfladen.

Der Siegeszug der Migros liess sich ohnehin nicht mehr aufhalten – weder im Zürcher Oberland noch im Rest der Schweiz. «Die neuen ­Läden mit ihren guten und günstigen Produkten waren bei einem Grossteil der Bevölkerung hochwillkommen», sagt Brunos Ehefrau Hilde (83). «Man vergisst heute, dass die Schweiz nach dem Krieg noch ein armes Land war. Viele Familien mussten jeden Rappen umdrehen.»

Migros-Verkaufswagen kreuzten auch nach den 40er-Jahren den Lebensweg von Bruno Stauffer. Nach der Heirat lebte er mit Hilde während der 60er-Jahre in Uster ZH an der Seeblickstrasse. Und wieder lag die Haltestelle eines rollenden Ladens direkt vor der Haustür. Kein Wunder, dass auch die beiden Töchter Rahel Marti (52) und Bea Haupt (58) viele Kindheitserinnerungen an den Verkaufswagen haben. Die ältere Tochter berichtet zum Beispiel, sie habe die Mutter schon sehr früh zur mobilen Migros begleitet.

Die Verbindung mit dem orangen M reicht bis in die dritte Generation. Rahel Martis Töchter Dinah (18) und Nadine (16) kennen das Migros-Sortiment gut und haben ihre Lieblingsprodukte. Dazu gehören etwa die klassische Vanilleglace mit dem Seehund auf der Verpackung, Mangoglace oder Honignüsse. 

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Jakob Tanner