18. April 2018

Der Sonntagsfahrer

Lorenz Joss ist wohl der eifrigste «slowUp»-Fahrer der Schweiz. Auch in diesem Jahr will der Rentner wieder an allen motorfreien Erlebnistagen der Schweiz teilnehmen.

Rentner Lorenz Joss
Rentner Lorenz Joss: «slowUp-Fahren ist zu meinem Hobby geworden.

Lorenz Joss (65) hat in seiner Agenda 18 Daten fett markiert. Es sind alles Tage des Herrn. Weder seine Jassfreunde noch seine Ehefrau und schon gar nicht der Wettergott können ihn an diesen Sonntagen von seinen Plänen abbringen. Denn dann findet irgendwo in der Schweiz ein «slowUp»-Anlass, ein autofreier Sonntag, statt.

Velofahrer am slowUp
Freie Fahrt am slowUp: Ein Spass für die ganze Familie.

«Ohne Auto und ohne Lärm die schönsten Gegenden der Schweiz kennenlernen – es gibt nichts Schöneres», schwärmt der Rentner. 2003 hat er in Murten FR an einem der ersten «slowUp»-Events teilgenommen – danach wurde er ein regelmässiger Besucher. Und seit er sich vor vier Jahren in den Vorruhestand versetzen liess, hat er keinen einzigen dieser motorfreien Erlebnistage verpasst: «‹slowUp›-Fahren ist mein Hobby geworden.»

Das Beste aller Verkehrsmittel

Der ehemalige Gefahrengutspezialist war schon immer gern und viel auf dem Fahrrad unterwegs. Als er noch am Flughafen Zürich arbeitete, pedalte er täglich von seinem Wohnort in Kloten zu seiner Schicht, fünf Kilometer hin, fünf Kilometer zurück, mit Mittagspause zu Hause: «Das Velo ist das Beste aller Verkehrsmittel. Man kommt vorwärts, braust aber nicht nur an allem vorbei und erfährt so die Gegend im wahrsten Sinne des Wortes.»

Hüpfburg am slowUp
Die Migros engagiert sich für die motorfreien Erlebnistage, damit auch künftige Generationen den Zugang zum Besten aller Verkehrsmittel finden.

Am «slowUp» gefällt Lorenz Joss vor allem, dass man mit jedem ins Plaudern kommt und regionale Spezialitäten kosten kann. So schwärmt er etwa von Rösti mit Ei und Speck von der Trachtengruppe in Schnottwil SO («slowUp» Solothurn–Buechibärg) oder von Fischchnusperli im Fischerhüsli von Erich und Hanspeter in Männedorf ZH («slowUp» Zürichsee).

Dem passionierten Velofahrer bereiten auch die vielen Stände mit Gewinnspielen und anderen Attraktionen Freude. Er macht überall mit und hat in seinem Keller eine überquellende Kiste voller Mini-Migros-Körbchen, Sonnenbrillen und anderen Merchandising-Artikeln stehen. «Seit meine Frau gesagt hat, es sei kein Platz mehr, verschenke ich das meiste gleich wieder vor Ort», sagt er und lacht wie ein Spitzbub.

Preisfischen am slowUp
Das Preisfischen hält Gross und Klein bei Laune.

In der Regel ist Joss allein unterwegs. Nur bei zwei Events hat er Begleitung: Zum «slowUp» Werdenberg–Liechtenstein begleitet ihn sein Sohn mit Frau und Kind. Und am Zürichsee, zum Saisonabschluss, ist seine Frau mit dabei.

Joss reist stets mit den Zug an. Ehrensache ist auch, dass er bei jedem Wetter teilnimmt, egal, ob es stürmt oder schneit. Letzteres kann durchaus passieren, etwa beim «slowUp» Albula, der von Filisur GR bis auf die Passhöhe auf 2312 Metern über Meer führt. «Schlechtes Wetter ist für die Organisatoren ein Riesenfrust. Die Arbeit haben sie trotzdem, aber die Leute bleiben weg», erklärt Joss seinen wetterfesten Einsatz.

Die Superlativen

Überhaupt die Organisation: Mit leuchtenden Augen erzählt Joss, dass seinem Sohn einst die Kette riss und dann sofort ein Feuerwehrmann zur Stelle war. Der organisierte per Funk einen Pick-up, der das Velo samt Kinderanhänger zur nächsten SportXX-Garage transportierte, wo die Kette in kürzester Zeit repariert wurde.

Veloreparatur am slowUp
Eine Panne? Kein Problem! Bis zur nächsten SportXX-Garage ist es an keinem slowUp weit.

Welcher «slowUp» für ihn der schönste ist, kann Lorenz Joss nicht sagen: «Jeder einzelne ist grandios.» Superlative nennt er trotzdem. Basel-Dreiland ist für ihn der kulinarisch abwechslungsreichste: «Da gibts Weisswürste, Flammkuchen und natürlich Basler Läckerli.» Der Anlass im Vallée de Joux ist der gemütlichste: «Da oben zwischen Juraweiden und Wettertannen kann man herrlich entspannen.» Und der Albula-Event ist der spektakulärste: «Der Ausblick von der Passstrasse ist einmalig.» Die Höhenmeter sind allerdings so zahlreich, dass Lorenz Joss in Bergün immer ein E-Bike mietet.

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