19. Juli 2019

Der Rabattprofi

Djily Gueye, Strandverkäufer auf Mallorca, erobert mit Berner Dialekt und Cumulus-Rabatt die Herzen vieler Schweizer Touristen. Wer ist der Mann?

Brillenverkäufer Djily Gueye verblüfft Schweizer Touristen auf Mallorca mit seinem Berner Dialekt und einer Cumulus-Karte.
Mit Cumulus und M-Budget am Strand von Mallorca: Brillenverkäufer Djily Gueye.

Jeden Tag schlurft Djily Gueye in der glühenden Hitze die drei Kilometer lange, weisse Playa de Muro im Nordosten von Mallorca auf und ab. Mit seiner dunklen Brille und der Mütze mit grossem Schirm fällt der Strandverkäufer auf – ganz besonders den Schweizer Feriengästen, von denen es in dieser Ecke der Mittelmeerinsel viele hat. Denn in regelmässigen Abständen ruft er in astreinem Berner Dialekt: «Schöni Bröue. Mit UV-Schutz. U 130 Jahr Garantie. Leg se mau a! ­Haube Priis nur mit Cumulus-Charte.» Und es funktioniert. Viele lachen, sprechen ihn an oder bitten um ein Selfie mit ihm. Der 32-Jährige lässt sich nicht lange bitten.

Die Stammgäste der umliegenden Hotels kennen Djily seit Jahren, vor Kurzem ist er innert weniger Tage zum Star in den sozialen Medien geworden. Den neuen Status verdankt Djily dem Schweizer Marco Casartelli, der mit seiner Familie Ferien auf Mallorca machte. Amüsiert von der originellen Verkaufstaktik filmte der Basler die Szene und stellte das Video auf Facebook. Es wurde so oft geteilt, dass verschiedene Medien darüber berichteten und das Filmchen mittlerweile schweizweit bekannt ist.

Djily Gueye ist nun so bekannt, dass er immer wieder nach einem Selfie gefragt wird.
Djily Gueye ist dank Social Media nun so bekannt, dass er immer wieder nach einem Selfie gefragt wird.

Für Casartelli kam dieser Hype unerwartet: «Am Anfang war es nur ein Spass unter Freunden. Ich wusste nicht einmal, dass die Leute mein Video weiterverbreitet haben», sagt er. «Mittlerweile haben wir mehr als eine Million Klicks.» Djily wird nun in der Schweiz, in Spanien, in Frankreich und sogar in Senegal erkannt. «Die Leute rufen mich von überallher an, um mir zu sagen, dass sie mich in dem Video gesehen haben», erzählt er stolz. Am Strand beglückwünschen mich die Schweizer.»

Von Senegal zur Playa de Muro

Djily Gueye lebt seit 16 Jahren abwechselnd auf den Balearen und den Kanarischen Inseln. Er wurde im westafrikanischen Senegal geboren und verliess mit 16 Jahren das Land, weil er dort keine Arbeit fand. Der junge Mann, der durch seinen Vater die spanische Staatsbürgerschaft besitzt, begann Brillen und Armbänder an den spanischen Stränden zu verkaufen – im Sommer auf Mallorca, in der Nebensaison auf Gran Canaria, im Winter ein bis zwei Monate in Senegal, wo er seine Frau und seine zwei Kinder wiedersieht. Das sind keine leichten Lebensumstände, aber so kann er den Lebensunterhalt verdienen und etwas Geld nach Hause schicken.

Ganz allein ist er trotzdem nicht: «Wir leben hier als Familie zusammen in einer Wohnung. Viele von uns arbeiten hier: Meine Schwester flicht Zöpfe, mein Bruder und mein Cousin verkaufen Strandtücher.» Ein Mal in der Woche geht Djily nach Palma, um sich in den Läden der Stadt einzudecken.

Cumulus-Karte von Schweizer Freund

Wenn man ihn fragt, warum er Berner Dialekt spreche, antwortet er: «Ich habe mit einem Freund zusammen einige Monate lang in Bern auf einem Markt gearbeitet. Ich habe den Dialekt vor allem am Strand mit Touristen gelernt und auch dank eines Schweizer Freundes auf Gran Canaria. Er hat mir auch eine Cumulus-Karte gegeben.» Und warum Schweizerdeutsch? «Ich spreche mit allen Kunden in deren Sprache. Das amüsiert sie und verbindet uns. Ich kann auch einige Sätze auf Holländisch. Aber von allen Nationalitäten sind die Schweizer meine Lieblingskunden. Sie sind sympathisch, höflich, und sie kaufen meine Brillen. Ich habe viele Schweizer Freunde. Sie sind wie eine Familie für mich.»

Arbeitsalltag eines Strandverkäufers: Djily Gueye unterwegs am Playa de Muro.
Arbeitsalltag eines Strandverkäufers: Djily Gueye unterwegs am Playa de Muro.

Djily hat nie für längere Zeit Ruhe. Schon nähern sich weitere Neugierige und fragen, ob sie ein Foto mit ihm machen dürfen. «Wir kommen jedes Jahr hierher und kennen ihn schon lange. Wir haben das Video gesehen und schätzen Djily sehr, weil er immer gute Laune hat und sehr respektvoll ist. Ausserdem versteht er Schweizerdeutsch, so können wir uns immer ein bisschen mit ihm unterhalten», erklärt eine Touristin aus Basel. Klar ist: Mit seinen Verkäuferqualitäten überzeugt Djily im Internet ebenso wie am Strand.

Zum Facebook-Video mit Djily Gueye

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