24. Mai 2018

«Der Prinz aus dem Paradies»

Liebe und Betrug im Paradies – der neue Hera-Lind-Roman erzählt eine Geschichte über Mut und Naivität.

«Der Prinz aus dem Paradies»

Hera Lind (Ein Mann für jede Tonart; Das Superweib) hat mit Der Prinz aus dem Paradies ihr mittlerweile 33. Buch veröffentlicht.

Die Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht, ist schnell erzählt: Geschiedene, desillusionierte, nicht mehr ganz taufrische Fastfünfzigerin mit leichtem Hang zur Hysterie, ausgestattet mit einem gehörigen Stück Naivität, fliegt in ein fremdes Land – in diesem Fall Sri Lanka –, verliebt sich dort in einen halb so alten und natürlich bildschönen Exoten namens Kasun, ehelicht ihn, nimmt ihn mit nach Deutschland, schickt jede Menge Geld an seine Familie – bis er spurlos verschwindet. Der Klassiker.

Lind lässt ihre Protagonistin Rosemarie, obwohl sie Psychologin ist, recht weltfremd daherkommen: Sie ist studiert, erfolgreich im Beruf, Mutter zweier erwachsener Kinder. Doch im Ausland ist ein Nachmittag, an dem sich die Gute drei Stündchen unters einheimische Volk mischt, schon ein spektakuläres Abenteuer, ja fast eine Heldentat. Die Diskrepanz zwischen der Frau, die zu Hause allein fest auf beiden Beinen steht und anderen bei der Bewältigung ihrer Probleme hilft, und derjenigen, die sich im fernen Lande eher wie ein dummes Hausmütterchen aufführt, das von nichts eine Ahnung zu haben scheint, kommt etwas übertrieben daher.

Rosemaries Bestürzung über die Zustände im Drittweltland inklusive der Verromantisierung und Linds manchmal moralinsaure Anprangerung sri-lankischer Missstände nerven mitunter ein bisschen. Auch die klischeehafte Beschreibung gewisser deutscher Prototypen, wie Bärbel und Eberhardt aus Unna, wirkt, auch wenn es solche Exemplare natürlich gibt, manchmal überspitzt («Wir brauchen unsere Ruhe und Ordnung zu Hause in Unna und unseren Schrebergarten, woll? Und der Eberhardt muss immer wat zu kärchern haben!»). Vielleicht hat aber auch alles genau so stattgefunden. Denn der Roman beruhe ja, wie erwähnt, auf einer wahren Geschichte. Liebe macht bekanntlich blind, und das Leben schreibt die bizarrsten Storys. Also Hut ab vor der Frau, die ihre Geschichte hier der Welt zugänglich macht.

Lind ist bemüht, witzig zu sein, was ihr nur streckenweise gelingt. Wahrscheinlich steht das Buch im Buchladen in der Rubrik Freche Frauen, deren Heldinnen aber von wahrer Aufmüpfigkeit weit entfernt sind: so weit wie ein Papst, der sich für die Homoehe einsetzen würde.

Zurück zum angeheirateten Singhalesen: Selbiger verschwindet also spurlos, nachdem Rosemarie ihr ganzes Geld in ihn gesteckt hat. Denn Kasun ist natürlich kein Prinz und Sri Lanka nicht das Paradies. Stattdessen steht vor Rosemaries Tür eines Tages eine fremde Frau, die auch Anspruch auf den Schönling erhebt.

Jahre später meint die Verlassene, ihren Ehemann im Fernsehen wiederzuerkennen, in den Trümmern des Tsunamis, der auch Sri Lanka mächtig gebeutelt hat. Sie macht sich noch einmal auf die Reise. Wird sie ihren Geliebten finden? Und wird er das Geheimnis seines Verschwindens preisgeben? Wer es bis hierher geschafft hat, wird auch wissen wollen, wie die Geschichte ausgeht. Eines kann verraten werden: weder kitschig noch realitätsfremd.

Bei Ex Libris: Der Prinz aus dem Paradies
Autorin: Hera Lind
Verlag: Diana Verlag

Benutzer-Kommentare

Verwandte Artikel

Buchcover: «Voll im Leben»

Voll im Leben

Buchcover: «Blumberg»

Blumberg

Buchcover: «Keinem schlägt die Stunde»

Keinem schlägt die Stunde

Buchcover: Was ein Mann ist

Was ein Mann ist