04. Mai 2018

Der gute Rat der Mutter

In unserer Redaktion sind die mütterlichen Ratschläge Dauerthema. Die besten haben wir eingesammelt und stellen die Mütter gleich mit vor.

Reto E. Wild (49), Redaktor Migros-Magazin, und seine Mutter Margrit

Reto E. Wild mit Mutter Margrit

«Meine Mutter Margrit (76) hat mich vor vielen Dingen gewarnt. Ihr ‹Pass uf!› höre ich noch heute. Als Reiseredaktor bin ich ständig unterwegs, und vor jeder Reise ermahnt mich meine Mutter wieder, immer schön vorsichtig zu sein. Heute akzeptiere ich das, aber als Kind war es manchmal etwas schwierig. Wenn alle anderen in den Fussballklub durften, wurde mir das verboten. Denn es sei ein viel zu einseitiger Sport, mit hoher Verletzungsgefahr. Viel zu gefährlich! Heute bin ich fast froh darüber, denn viele meiner damaligen Freunde hatten tatsächlich Verletzungen. Ich hingegen wurde leidenschaftlicher Läufer. Aber auch dazu sagt meine Mutter ‹Pass uf!›.»

Dinah Leuenberger (28), Volontärin Migros-Magazin, und ihre Mutter Ursula

Dinah Leuenberger mit Mutter Ursula

«Mein Mami Ursula (56) ist immer die Erste, die friert. Egal ob im Winter oder im Hochsommer: Immer zieht es irgendwo. Aber meine Mutter wäre nicht meine Mutter, wenn sie nicht die notwendigen Waffen gegen den ständig drohenden Kälteeinbruch parat hätte: Hier ein Halstüchlein, da ein Jäckchen, um vor dem markerschütternden Zittern geschützt zu sein. Natürlich wollte sie auch mir diese nützlichen Accessoires schmackhaft machen, denn wenn sie friert, ist mir mit Sicherheit auch kalt. Also hiess es früher, aber auch heute noch, immer wenn ich das Haus verlasse: ‹Hesch de gnue warm so?›, gefolgt von einem prüfenden Outfitcheck. ‹Wetsch nid no es Haustuech alege?› Zur Feier des Muttertags tue ich darum genau das und trage alle Halstücher, die sich in meiner Wohnung finden lassen. So ist mir dann bestimmt nicht zu kalt.»

Lisa Stutz (24), Redaktorin Migros-Magazin, und ihre Mutter Claudia

«Wenn ich nach dem Chindsgi oder der Schule nach Hause kam, wollte ich sofort wieder hinaus. Mit Freundinnen spielen, etwas unternehmen. Mein Mami Claudia (54) fand hingegen, ich solle zuerst einmal ankommen und ‹gruie›, zur Ruhe kommen. Das mochte ich gar nicht – so langweilig! Ich weiss nicht mehr, wie lange die Pausen zu dauern hatten, auf jeden Fall zu lange. Das ging so bis ins Teenageralter, auch da wäre ich am liebsten jeden Abend ausgegangen. Aber ich hatte keine Chance. Irgendwann war Mamis ‹Ratschlag› dann kein Befehl mehr. Sie empfahl mir zwar weiterhin zu ‹gruien›, aber ich ignorierte das gekonnt. Heute muss ich sagen: Ich vermisse das tägliche Ausruhen. Leider fehlt im Alltag oft die Zeit dafür, im Liegestuhl zu fläzen und einen Drink zu schlürfen.»

Andreas Dürrenberger (37), Redaktor Migros-Magazin, und seine Mutter Ursula

Andreas Dürrenberger mit Mutter Ursula

«Meine Eltern liessen mir früher relativ viele Freiheiten, denn ich habe die Grenzen eigentlich nie überschritten. An eine kann ich mich dennoch erinnern: die Baum-Grenze. Ich bin liebend gern auf Bäume geklettert. Ein Mal hat mich meine Mutter Ursula (65) im Garten gesucht, aber nirgends gefunden. Als sie nach mir rief, tönte es aus dem nahen Wald. Ich sass irgendwo in einer Krone. Ab da stellten meine Eltern folgende Regel auf: Ich durfte nur bei trockenem Wetter und in den Monaten ohne R auf Bäume klettern und nur auf Äste, die mindestens so dick waren wie mein Handgelenk. Das hat eigentlich gut funktioniert, ich habe mich nie verletzt und musste nur ein einziges Mal gerettet werden, weil ich selbst nicht mehr hinunterkam.»

Monica Müller (43), Redaktorin Migros-Magazin, und ihre Mutter Heidi

Monica Müllermit Mutter Heidi

«Meine Mutter Heidi (74) ist eine Lady in Red. Sie liebt Rot und trägt Rot. Manchmal ein bisschen viel, sie trägt jetzt sogar eine rote Brille. Aber die Farbe steht ihr gut, keine Frage. Sie sagt, Rot mache gute Laune und sei schön frisch. Und immer wieder hörte und höre ich von ihr, wie gut auch mir Rot stehen würde. Sie kam mal mit einem roten Schal, den sie mir andrehen wollte, aber ansonsten hat sie mir zum Glück keine roten Kleider geschenkt. Als Teenie hatte ich dann eine Phase, in der ich Leuchtfarben mochte, die war aber rasch beendet. Seither bevorzuge ich Erdtöne und Basics, alles, nur kein Rot. Die Farbe gefällt mir an mir nicht, und ich glaube, ich hatte immer zu viel davon in meinem Umfeld. Jetzt beim Fotoshooting habe ich bei meiner Mutter allerdings ein rotes Oberteil mit einem sehr schönen Schnitt entdeckt. Vielleicht stibitze ich ihr das doch mal.»

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