20. November 2017

Der Grüntee und die Billag

Bänz Friedli rechnet sich einen Vorteil aus. Hier kannst du dich mit anderen Lesern austauschen und die vom Autor gelesene Hörkolumne herunterladen.

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Gehört für Bänz Friedli zum Grundbedarf wie Wohnen oder Grüntee: Radio hören.
Lesezeit 2 Minuten

Über die Frage «Wofür geben Sie unvernünftig viel Geld aus?» wundere ich mich immer wieder. Ist sie nicht möglicherweise falsch gestellt? Wenn ich für, sagen wir, einen raren chinesischen Grüntee viel Geld ausgebe – und zwar so viel, wie andere Leute für Grünzeugs bezahlen, das sie dann eher ­rauchen als mit 90-grädigem Wasser aufgiessen, für ein Säckchen à fünfzig Gramm nämlich so viel, dass ich dafür 34 Schachteln Lipton-Beuteltee hätte kaufen können –, dann ist das vielleicht in den Augen anderer unvernünftig.
Nicht in meinen. Denn was macht mir den Kopf klarer als dieser Tee namens Long Jing Shi Feng? Kein Red Bull, keine Tablette, nichts. Ich finde, ich gebe vernünftig Geld dafür aus.

Manches gönnt man sich halt: Eine Ausgabe der literarischen Zeitschrift «Oxford American», die mir vier Mal pro Jahr zugeschickt wird, kommt mich auf etwa 26 Franken zu stehen. Die Tickets fürs Konzert meiner lebenslangen Lieblingsband BAP, die ich soeben für einen Freund und mich gekauft habe, kosteten zusammen Fr. 173.80. Viel Geld. Aber wenig, wenn man bedenkt, dass ich mich bis zum 23. Oktober 2018 jeden Tag darauf freuen kann.

Und in manchem hat man ja, was die Ausgaben betrifft, nicht die Wahl. Fürs Wohnen bezahlen meine Familie und ich 87 Franken am Tag, und wenn wir das Gedankenspiel «Wie viel bezahle ich täglich wofür?» mal weitertreiben: für die Krankenkasse Fr. 46.60, fürs Generalabonnement des öffentlichen Verkehrs Fr. 17.25, für Internet, Kabel-TV und Telefonieren Fr. 8.10 am Tag. Abonnierte Zeitungen kosten uns täglich Fr. 5.40. Dazu kaufen wir reichlich Heftli am Kiosk, meine Liebste zum Beispiel wöchentlich den «Spiegel», Fr. 7.40, weil gute Information uns teuer ist. Die Mitgliedschaft in zwei verschiedenen Fussballvereinen kostet mich, heruntergerechnet, jeden Tag einen Franken; Fr. 2.75 bezahle ich pro Tag fürs Fitnessabo. Für Kaffee, wenngleich der mir wesentlich weniger guttut als Grüntee, gebe ich täglich mindestens zehn Franken aus. Und neulich schaute ich mir bei einem kommerziellen Anbieter am Fernsehen ein einzelnes YB-Spiel an, ehrlich gesagt sogar nur eine Halbzeit davon. Kostenpunkt: fünf Franken.

Da dünkt mich nun dieser eine Franken, den wir künftig täglich an Radio- und TV-Gebühren zu entrichten haben, eine Kleinigkeit. Die Frage ist doch nicht, ob einzelne Moderatorinnen oder Sendungen mir in den Kram passen. Die Frage ist, ob das ein fairer Preis fürs Gesamtpaket an Information, Sport, Unterhaltung und Hintergrund ist. Es ist. Vernünftig wenig Geld.

Die Hörkolumne (MP3)

Bänz Friedli live: 23. 11. Meikirch BE, 24. 11. Adliswil ZH

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