05. September 2019

Der Filmstar und sein Erstlingsregisseur

Hans Kaufmann hat Joel Basman schon mehrfach für Filmcastings erfolgreich in Szene gesetzt. Nun hat der Regisseur dem Schauspieler eine Hauptrolle in seinem Erstling «Der Büezer» auf den Leib geschrieben. Weitere gemeinsame Projekte sollen folgen.

Joel Basman und Hans Kaufmann
Joel Basman (links) und Hans Kaufmann sind ein gut eingespieltes Team.

Bei Ihrem Film geht es um Bauarbeiter, Freikirchen und erste Dates – deshalb erst mal ein paar Fragen dazu. Wenn Sie wählen müssten zwischen einem Job auf dem Bau oder in der Werbung, was wäre es?

Joel Basman: Klarer Fall: Bau.
Hans Kaufmann: (lacht) Was soll ich da sagen, ich bin ja in der Werbebranche tätig. Auf dem Bau würde ich nicht lange durchhalten.

Wie haben Sie es persönlich mit dem Glauben?

Kaufmann: Ich bin Atheist.
Basman: Ich auch. Zweimal unterstrichen.

Haben Sie die Onlinedatingplattform Tinder auch schon ausprobiert?

Basman: Ja.
Kaufmann: Noch nie, ich bin in einer langjährigen Beziehung.

Wie haben Sie Ihre Freundinnen kennengelernt?

Basman: Da hat Hans eine echt aussergewöhnliche Geschichte...
Kaufmann: Auf dem Flohmarkt 2009. Wir haben dort beide gestöbert, und ich habe sie einfach angesprochen und nach ihrer Nummer gefragt. Wir sind noch immer zusammen.
Basman: Ich bin Single. Anders als Sigi im Film, aber ganz entspannt. Alles ist gut.

Welches Zürcher Lokal würden Sie fürs erste Date aussuchen?

Basman: Den Biergarten im Kreis 4. Wenn sies dort nicht toll findet, kann sie eh nach Hause gehen.
Kaufmann: Genau, ich auch!

Und Sie sind Jugendfreunde, richtig?

Basman: Wir sind beide in Zürich aufgewachsen, haben uns mit 12, 13 Jahren beim Skaten kennengelernt und sind uns in der Zeit an allen möglichen Orten über den Weg gelaufen. Vor sechs, sieben Jahren haben wir uns in der Filmszene wiedergetroffen und sind dann Freunde geworden.

«Der Büezer» war also ein gemeinsames Projekt?

Kaufmann: Ich habe das Drehbuch 2017 explizit für Joel geschrieben. Er war von Anfang an mit an Bord, hat mich unterstützt und auch bei der Suche nach Geldgebern geholfen.
Basman: Wir haben aber schon zuvor zusammengearbeitet, weil wir ähnlich ticken und die gleiche Ästhetik mögen. Wenn ich Szenen für Castings einschicken muss, drehe ich mit Hans – und schon mehrfach mit Erfolg. So habe ich zum Beispiel die Rollen in «Papillon», «Kursk» und «A Hidden Life» bekommen. Hans weiss genau, was welche Regisseure mögen.

Und so hat er es geschafft, für seinen ersten Spielfilm gleich einen der wenigen Schweizer Filmstars zu bekommen ...

Kaufmann: Genau. Das war für den Film cool, aber auch für unsere Beziehung. Und es hat einige Türen geöffnet.
Basman: Finanziell war es trotzdem nicht leicht, aber es hat zum Beispiel beim Finden von Drehorten und Ähnlichem geholfen. Immerhin konnte ich Hans die Burger Collection vermitteln, die einen Teil der Finanzierung gesichert hat. Aber wir haben schon vorher zu drehen begonnen. Es gibt so viele Leute, die Filmprojekte jahrelang mit sich herumschleppen und sie nie realisieren, das wollten wir nicht.
Kaufmann: Wir hatten halt das Glück, viele gute Leute zu kennen, die sofort bereit waren mitzumachen, weil sie das Projekt mochten – teils für wenig oder gar kein Geld.

Wie wichtig war der Beitrag des Migros-Kulturprozents?

Basman: Verdammt wichtig. Ohne diese 42 000 Franken wäre aus dem Material kein Film geworden.
Kaufmann: Wir hatten das Geld der Burger Collection schon für den Dreh ausgegeben. Den Rohschnitt reichten wir beim Kulturprozent ein, wo er von mehreren Leuten begutachtet wurde – und am Ende hat uns die Migros die ganze Postproduktion finanziert.
Basman: Wir sind richtige Migros-Kinder! (lacht)
Kaufmann: Genau! Leider war ich ein bisschen zu ehrlich. Eigentlich hätte ich 50 000 beantragen können, aber ich habe genau ausgerechnet, wie viel wir wirklich brauchen.

Wie kamen Sie auf die Geschichte dieses einsamen Bauarbeiters, was hat Sie daran gereizt?

Kaufmann: Einige unserer Freunde arbeiten auf dem Bau – von ihnen hören wir immer wieder solche Geschichten. Kaum erzählen sie bei einem Date, was sie arbeiten, laufen die Frauen weg.

Weshalb kennen Sie so viele Bauarbeiter?

Kaufmann: Zum Teil sind es Kollegen noch aus der Primarschulzeit.
Basman: Das hat sich irgendwie so ergeben, in meinem Freundeskreis sind mehr Leute vom Bau als aus der Filmwelt. Echt.
Kaufmann: Es ist ja auch bezeichnend, dass Sie das jetzt überrascht. Viele Leute haben gar keinen Bezug zu dieser Welt, in der noch richtig mit den Händen gearbeitet wird.

Wie vertraut sind Ihnen Freikirchen?

Kaufmann: Ich kenne sie aus meiner Schulzeit ...
Basman: ... du musst vielleicht noch sagen, dass du nie selbst in einer warst ...
Kaufmann: Richtig, ich habe das einfach mitbekommen, weil etwa ein Fünftel aller Schüler in meinem Gymi in Freikirchen waren. Und wenn man sieht, wie sich unsere Hauptfigur im Film entwickelt, weiss man auch, was ich davon halte – nicht besonders viel.
Basman: Für mich wars eine ganz unbekannte Welt. Aber das hat gepasst, denn Sigi kommt ja auch völlig unvorbereitet dort rein. So war sein Staunen dann nicht gross gespielt.

Und wie gut kennen Sie das Zürcher Milieu?

Basman: Viel besser als Freikirchen. (lacht) Ich bin quasi um die Ecke des «Bermudadreiecks» aufgewachsen. Es stand für Gefahr und Abenteuer, aber es hat ziemlich lange gedauert, bis mir klar war, dass ein paar unserer Nachbarinnen Prostituierte waren. Was dann irgendwann auch nichts Besonderes mehr war. Heute ist es eine der wenigen verbliebenen authentischen Orte im Kreis 4.
Kaufmann: Wir wohnen beide auch heute noch in dieser Gegend. Ich glaube, man merkt es dem Film an, dass uns dieser Teil der Stadt vertraut ist.

Wo lernt man die Frau fürs Leben kennen? Im Freundeskreis, bei der Arbeit – nicht im Ausgang oder bei Tinder.

Hans Kaufmann, Regisseur

Sigi ist ein netter, sensibler, gutaussehender Typ. Ist es realistisch, dass einer wie er es so schwer hat bei den Frauen, nur weil er ein Büezer ist?

Basman: Es kommen noch andere Aspekte hinzu: Sigi ist allein – und das schon länger. Damit ringt er, und das strahlt er aus. Da ist eine gewisse Frustration, Impulsivität und Unberechenbarkeit, die auch gefährlich werden kann, wenn Erwartungen enttäuscht werden.
Kaufmann: Bei einem Date entscheidet sich schnell, ob es funkt oder nicht. Da spielt genau solch Unterschwelliges rein. Ausserdem ist das Daten durch Tinder nicht leichter geworden. Man muss erst mit seinem Aussehen und seiner Schreibe überzeugen und dann beim Treffen selbstbewusst und überzeugt auftreten. Wer das nicht schafft ...
Basman: Achtung, der Experte spricht! (lacht) Der mit der jahrelangen Beziehung und ohne Tinder-Erfahrung.
Kaufmann: (lacht) Okay, okay, aber ich beobachte das ja trotzdem.
Basman: Du hast ja auch recht, wobei die meisten auf Tinder vermutlich nicht auf der Suche nach der Frau fürs Lebens sind. Sie erwarten sie dort auch nicht. Wer das tut, wie Sigi im Film, hats schwer.
Kaufmann: Genau. Wo lernt man die Frau fürs Leben kennen? Im Freundeskreis, bei der Arbeit – nicht im Ausgang oder bei Tinder.
Basman: Ich habe kürzlich an einer Geburtstagsparty ein Tinderkind kennengelernt, die Eltern haben sich so getroffen. Auch das gibts.

Aber im Film ist es vordergründig Sigis Job, der das Problem ist, nicht?

Basman: Ja, ich habe das während der Dreharbeiten selbst erlebt. Ich fuhr jeweils im Kostüm zum Drehort, in der Bauarbeiterkleidung, die immer dreckiger wurde. Und da schauen die Leute im Tram dich schon anders an, starren auf die Flecken, fragen sich, woher die wohl stammen. Das war schon eindrücklich. Aber es gibt Menschen, die sowas jeden Tag erleben, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben.

Die haben Sie nicht erkannt, sondern nur die verdreckte Kleidung gesehen?

Basman: So ist es. Vielleicht dachten sie angesichts der Kleidung auch, dass das eh nicht der Basman sein kann... Lustig war aber auch, dass ich einmal beim Triemli direkt in eine Ticketkontrolle kam und vor lauter Taschen mein Billet nicht fand. Der Kontrolleur meinte dann, das sei schon okay – so von Arbeiter zu Arbeiter quasi. Das fand ich noch schön.

Was soll das Publikum aus dem Film mitnehmen?

Kaufmann: Am meisten könnte er bei Schülern und Berufsschülern auslösen. Ansonsten hoffe ich, dass die Leute sich gut unterhalten und angeregt werden, über gewisse Entwicklungen nachzudenken. Über die starken Veränderungen in unserer Arbeitswelt, die vielleicht dazu führen, dass es bald keine Büezer mehr braucht. Auch das Rotlichtmilieu verschwindet langsam aus dem Stadtbild – als Folge einer zunehmend prüderen Gesellschaft. Wir tun heute Dinge nicht mehr, die vor fünf Jahren noch okay gewesen wären.

Zum Beispiel?

Kaufmann: Die #MeToo-Debatte hat viel Positives bewirkt, aber auch zu Übertreibungen geführt. Zu Männern, die es vermeiden, mit weiblichen Angestellten allein Lift zu fahren, zum Beispiel. Es ist auch schwieriger geworden, Sexualität im Film darzustellen.
Basman: Das fängt schon beim Drehen von körperlichen Szenen an. Als Mann hast du da schlicht Angst, dass irgendwer etwas Verfängliches in dein Spiel hineininterpretieren könnte. In den USA wird man dabei von einem ganzen Team mit Argusaugen beobachtet. Aber du hast ja keine Wahl, laut Drehbuch musst du jetzt diese Frau vergewaltigen, und natürlich fühlst du dich bei einer solchen Szene nie wohl, aber heute ist es noch schwieriger. Mit etwas Glück spielst du die Szene mit einer tollen Kollegin, die sich der Problematik bewusst ist und sagt, «schon okay, du musst meine Brust anfassen, geht nicht anders, ist alles okay» – und das auch beim 20. Mal. Oder ein anderes Beispiel: Wenn sich eine Frau auf dem Set umzieht, gehen quasi Alarmsirenen an und alle müssen rückwärts an die Wand und wegschauen. Wenn ich mich umziehe und mehr oder weniger nackt rumstehe, ist egal, wer gerade in der Nähe steht.
Kaufmann: Es ist halt schwierig. Die Debatte und diese neue Sensibilität ist wichtig, es darf einfach nicht zu radikal werden, weil das nur wieder neue Probleme und Ungerechtigkeiten schaffen würde.

Sie planen ein weiteres gemeinsames Projekt, können Sie dazu schon mehr sagen?

Kaufmann: Es ist noch etwas zu früh, im Moment bin ich mit dem «Büezer» sehr beschäftigt. Einen Film ins Kino zu bringen, ist sehr aufwendig, das habe ich völlig unterschätzt.
Basman: Ein Regisseur ist drei Jahre lang mit seinem einen Film beschäftigt, in der gleichen Zeit kann ein Schauspieler 15 Filme abdrehen – und verdient jedesmal Geld damit.

Was brauchts, um in der Schweiz als Regisseur Erfolg zu haben?

Kaufmann: Wenn ich das wüsste! Es ist noch viel schwieriger als bei Schauspielern. Die meisten kämpfen ständig ums Überleben. Bezahlt wird man nur fürs Drehen selbst, aber das ist ein kleiner Teil der Arbeit.

Trotzdem wollen Sie damit weitermachen?

Kaufmann: Absolut! Aber Erfolg und Reichtum bleiben schwierig.
Basman: Ich werde immer wieder mal gefragt, warum ich nicht in einem teuren Loft wohne und Mercedes fahre...

Aber Sie können inzwischen komfortabel von der Schauspielerei leben?

Basman: Naja, man muss jederzeit damit rechnen, plötzlich mal sechs Monate nicht zu arbeiten – dafür muss das Geld dann auch reichen. Und in Zürich braucht man schnell mal 6000 Franken im Monat auch ohne grosse Sprünge zu machen. Ich kann mir das inzwischen erlauben, aber komfortabel ist anders. Mittlerweile drehe ich auch nicht mehr jeden Scheiss nur wegen des Geldes.

Joel Basman und Hans Kaufmann
«In Dänemark werden seit vergangenem Jahr auch englischsprachige Filme gefördert», sagt Joel Basman. «Damit gefährdet man nicht die eigene Kultur, sondern erhöht die Chance, international anzukommen.»

Hans Kaufmann, Sie wurden in einigen Medien als «Nachwuchshoffnung» gefeiert – freut Sie das? Oder ist damit auch ein gewisser Druck verbunden?

Kaufmann: Beides. Natürlich ist es cool, dass «Der Büezer» an den Solothurner Filmtagen so gut ankam und es jetzt auch noch ins Kino schafft. Das ist nicht selbstverständlich. Dieses Filmverleihgeschäft ist echt eine Welt für sich, ich habe da inzwischen viel gelernt.

Derweil ist Joel Basmans «Wolkenbruch» nicht nur der erste Schweizer Film, der es auf Netflix geschafft hat, er wird nun auch bei den Academy Awards eingereicht.

Basman: Das ist natürlich eine Riesenfreude. Der Erfolg bei Netflix hilft auch dem Filmland Schweiz insgesamt. Und die Oscars..., na mal sehen. Es ist sicher die gesündere Einstellung, nicht zu sehr damit zu rechnen, im Februar dann wirklich in Los Angeles zu sein.
Kaufmann: Es ist ja auch nicht dein erster Film, der tatsächlich nominiert wurde.
Basman: Genau, diesen Punkt auf meiner to-do-Liste durfte ich schon abhaken. Für das dänische Nachkriegsdrama «Land of Mine» war ich 2017 schon bei der Oscar-Verleihung dabei. In der Schweiz hat er es leider nicht mal ins Kino geschafft.

Weshalb tut sich die Schweiz so schwer, Filme zu drehen, die auch international eine Chance haben? Andere ähnlich kleine Länder schaffen das regelmässig.

Basman: Ich glaube, dass es mit unserem Filmfördersystem zu tun hat. Das müsste man mal überdenken. In Dänemark werden seit vergangenem Jahr auch englischsprachige Filme gefördert. Damit gefährdet man nicht die eigene Kultur, sondern erhöht die Chance, international anzukommen. Und man pusht damit nicht nur die Filme, sondern auch die Schauspieler, Regisseure, Drehbuchschreibende und Kameraleute. Es wäre eigentlich gar nicht so schwer.

Wann immer man mit einem Schweizer Filmemacher über das Förderungssystem spricht, hört man nur entnervtes Klagen.

Basman: Das ist so. Klar, das ist Politik, und es muss ja irgendeine Ordnung geben. Für einige funktioniert sie besser, für andere weniger. Aber hey, die müssen dann halt kreativ werden.
Kaufmann: Es ist eine schwierige Diskussion. Hätten wir in der Schweizer Filmwelt einen Star, wie wir ihn mit Roger Federer im Tennis haben, könnten junge Filmemacher sagen, okay, ich mache jetzt auch solche Projekte wie der. Die Skandinavier haben seit Jahrzehnten Starregisseure und können sich von denen inspirieren lassen, das hilft sehr.

Joel Basman, Sie gehören heute zu den wenigen Schweizern, die auch regelmässig in grossen internationalen Produktionen zu sehen sind, im kommenden Jahr etwa im dritten Teil von «Kingsmen» – was braucht es, dass man das schafft?

Basman: Ein Rezept gibt es nicht. Sicher geholfen hat, dass ich mit 18 ohne Ausbildung nach Berlin gegangen bin – das würde ich heute vermutlich nicht mehr wagen. Damals hätte ich eine Lehrstelle als Buchhändler anfangen können, aber ich habe abgelehnt. Meine Eltern akzeptierten es, obwohl es sie nervös machte. Wichtig sind auch die richtige Agentur, die Freude am Spiel, Begabung und Glück, viel Glück.
Kaufmann: Aber wenn man eine Kamera in die Hand nimmt und auf Joel zielt, merkt man schnell, dass er einfach ein sehr guter Schauspieler ist. Wenn man jemanden in einem leeren Raum für ein Castingvideo filmt, sieht man schnell, ob der was kann oder nicht.

In Deutschland gibts 50 andere, die so aussehen wie ich und gut sind.

Joel Basman, Schauspieler

Wie ist das, wenn man plötzlich mit Leuten dreht, die man vorher nur von der Leinwand her kannte?
Basman: Mit dieser Liga stehe ich ja nicht täglich auf dem Set. Das ist auch für mich noch immer total abgefahren. Ich sitze für «Kingsmen» in der Maske mit Gemma Arterton, und dann kommt Ralph Fiennes rein. Klar, mit der Zeit gewöhnt man sich ein bisschen dran, aber zu Beginn staune ich immer ein bisschen, dass ich bei sowas jetzt auch dabei sein darf. Noch krasser sind allerdings die alljährlichen Agenturtreffen. Dort begegne ich all den deutschen Stars, die ich früher als Kind und Jugendlicher in Kino und Fernsehen gesehen und bewundert habe, Leute wie Moritz Bleibtreu zum Beispiel. Und das sind jetzt heute Kollegen, teils sogar Freunde.

Das alles von Zürich aus zu machen, ist kein Problem? Gibts keine Umzugspläne?

Basman: Nein, vorerst nicht. Klar, ab und zu muss man mal fliegen für ein Casting, aber vieles läuft heute über eingeschickte Videos. Und wenn umziehen, dann in den englischsprachigen Raum. Aber konkrete Pläne gibt es nicht.

Und je interessanter die Rollen und prominenter die Filme, desto besser die Chancen, noch interessantere Rollen in noch prominenteren Filmen zu kriegen?

Basman: Schon, aber man kommt dann auch in einen grösseren Pool mit mehr Konkurrenz. In Deutschland gibts 50 andere, die so aussehen wie ich und gut sind. Und auf die treffe ich natürlich regelmässig an Castings und weiss dann, dass es wieder eng wird und ich Gas geben muss.

Joel Basman und Hans Kaufmann
Zwei erfolgreiche Schweizer mit grossen Plänen im Filmgeschäft.

Sie sind noch nicht mal 30 – was erhoffen Sie sich für die nächsten zehn Jahre?

Basman: Der englischsprachige Raum interessiert mich schon sehr. Mittlerweile habe ich dort auch Agenturen und bin gespannt, was sich daraus so ergibt. «Kingsmen» ist nun ein erstes Ergebnis, es läuft also so weit nicht schlecht.

Und wenn Sie einfach so auswählen könnten?

Basman: Dann würde ich mit denjenigen drehen, mit denen alle drehen wollen. Aber mittlerweile habe ich schon so viel gemacht, dass ich eigentlich nur noch das drehen will, was mir guttut.
Kaufmann: Du hättest jetzt einfach «alles mit Hans Kaufmann» sagen können...
Basman: (lacht schallend)

Was tut Ihnen denn gut?

Basman: Man muss rausfinden, was man machen will und was nicht. Für mich war Rudolf Höss, den ich 2018 für die Miniserie «Clash of Futures» gespielt habe, ein passender Abschluss für die Nazi-Rollen. Es gab jedes Mal einen guten Grund, sie zu übernehmen, aber das war es jetzt. Ich will in keinen Lagern mehr drehen und keine Swastikas mehr sehen müssen. Ich will nicht mehr daran denken müssen, was die mit meinem Grossvater gemacht haben. Obwohl ich mich für Höss bewusst entschieden habe. Ich wollte zeigen, wie der Mann, der Auschwitz geleitet hat, in jungen Jahren gewesen ist. Parallel dazu drehte ich «Kursk» und «Wolkenbruch», war also bei den Russen im U-Boot und ein orthodoxer Jude in Zürich. Da ist man ziemlich durch den Wind, wenn man abends nach Hause kommt. Und wenn künftig ein Drehbuch mit «Deutschland, 1942» anfängt, dann lese ich gar nicht erst weiter. Klar, sag niemals nie, wenn mich plötzlich Christopher Nolan anfragen würde ...

Für den würden Sie alles machen?

Basman: Niemals so viel wie für Hans ...
Kaufmann: (lacht schallend)
Basman: Ha! Die Kurve doch noch gekriegt.

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