11. August 2017

Der Aussteiger

Der 32-jährige Manuel Zingg befürchtete, in einen Trott zu geraten und hängte den Lehrerjob nach sechs Jahren an den Nagel. Heute ist er Inhaber einer Sicherheitsfirma.

Manuel Zingg posiert in seiner Sicherheitsfirma.
Manuel Zingg fehlte die Dynamik im Lehrerberuf: «Ich war schon immer eher der Projekttyp.»
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Manuel Zingg hat den Lehrerberuf, erst 32-jährig, wieder verlassen. Statt Jugendlichen Stoff zu vermitteln, berät er nun Erwachsene beim Kauf von Sicherheitssystemen. «Du spinnst!», finden viele in seinem Umfeld. Als er noch Lehrer war, fielen die Reaktionen nicht viel positiver aus: «Lehrer, aha. Du arbeitest wenig und hast viel frei!»

Nach einem Semester BWL an der Uni wollte er Lehrer werden, weil ihn der Praxisbezug und die guten Jobaussichten ansprachen. Doch schon mitten in der Ausbildung kamen die ersten Zweifel auf. Zingg geht als ehemaliger Unihockey-Profi gern an seine Grenzen, liebt die Dynamik und die Aussicht, für seinen Einsatz belohnt zu werden.
«Das alles hat mir beim Lehrerberuf gefehlt», sagt er. Alle drei Jahre mit einer neuen Klasse bei null beginnen, immer wieder den Zweiten Weltkrieg von Neuem erklären – er fürchtete, in einen Trott zu geraten. Die Tatsache, dass der Beruf keine Aufstiegschancen bietet, empfand er als demotivierend. «Ich war schon immer eher der Projekttyp.»

Der Traum von Afrika

Dennoch hat er die Ausbildung abgeschlossen und fast sechs Jahre lang als Lehrer gejobbt. Er hat eine Stellvertretung nach der anderen übernommen, war höchstens sechs Monate am selben Ort. Den Austausch mit Jugendlichen fand er gut, auch wenn sie fordernd waren. Am liebsten denkt er zurück an seinen Einsatz in einer Klasse für Fremdsprachige,die kaum Deutsch sprachen. «Da konnte ich etwas bewirken.» Und doch fehlte das Gefühl: Das ist es!

Zwischen seinen Engagements unternahm er immer wieder längere Reisen. Mit seiner Frau trampte er acht Monate lang durch Südamerika und reiste jährlich nach Tansania, Malawi, Sambia und Mosambik.

Sie hat die Hotelfachschule absolviert und länger in Ost­afrika gelebt – deshalb ist das Paar dort gut vernetzt. Seit fünf Jahren organisieren sie mit ihrer Firma POA Safari gemeinsam Reisen in die Region. Sie träumen davon, als Familie länger in der Region zu leben, aber erst wenn die gemeinsame Tochter (1) etwas älter ist.

Bis es so weit ist, will er die Firma Homesecurity, die er gemeinsam mit einem Freund aufgebaut hat, zum Fliegen bringen. Die Branche befinde sich im Aufwind, sein Kompagnon verfüge über das Know-how, ihm lägen die Beratung und der Verkauf. Spricht er von massgeschneiderten Alarmsystemen, gerät er ins Schwärmen: «So vieles ist möglich!» Und als Selbständiger könne er Termine verschieben, wenn seine Tochter krank sei.
Dennoch schliesst er ein weiteres Engagement als Lehrer nicht aus. «Es wäre aber eindeutig Plan B.» 

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