24. August 2017

«Denver Clan» 4.0

Liebe, Lügen, Leidenschaft – darauf einen Bourbon. Oder auch zwei oder drei …

Lesezeit 2 Minuten

Nach «Bourbon Kings» nun also «Bourbon Sins». Wer den neusten Wurf der US-Autorin J. R. Ward zwischen die Finger bekommt, fühlt sich unweigerlich in die 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts zurückversetzt, als wir Dienstag- und/oder Mittwochabend gebannt vor dem Fernsehgerät hockten und uns die TV-Serien «Dallas» oder «Denver Clan» reinzogen. Noch ein bisschen «Fackeln im Sturm», und wer für die drei erstgenannten zu jung ist, ein Quäntchen «Downton Abbey», «Revenge» oder «Lüthi und Blanc» dazu, und fertig ist die Story um schmutzige Familiengeheimnisse, Fehden, Intrigen und Rivalitäten, böse Schurken und verlorene Lieben.

Die Geschichte der Bourbon-Dynastie Bradford aus Kentucky ist schnell erzählt: Spätestens als Patriarch William Wyatt Baldwine unterhalb des Ohio-Wasserfalls tot aufgefunden wird, beginnt es hinter der glänzenden Fassade der Bradfords zu bröckeln. Zudem ist das komplette Vermögen verloren. Nun liegt es an Sohn Jonathan, den Betrieb und seine Familie vor dem Untergang zu retten.

Das Buch macht schon allein wegen der absurd überzeichneten Namen der Protagonisten Spass, die unter anderem Virginia Elizabeth Bradford Baldwine, Edward Westfork, Maxwell Prentiss, Jonathan Tulane, Sutton Endicott Smythe oder Samuel Theodore Lodge III. lauten und die auf Spitznamen wie «Little V.E.» «Lane» oder «Gin» hören.

Die Leute sind skrupellos und aufmerksamkeitssüchtig. Sie haben hohe Ziele und niedere Moral. Sie sind tablettenabhängig, notorische Säufer, vögeln ständig fremd oder haben sich aufgrund eines familieninternen Entführungsdramas aufs Gestüt zurückgezogen und der räudigen Familie den Rücken gekehrt. Wahrscheinlich, um später Rache zu üben. Und Rechnungsprüferin Rosalinda hat sich selbst mit Gift ins Jenseits befördert, und eine gewisse Chantal erwartet ein uneheliches Kind von ihrem toten Nochschwiegervater.

Der vermeintliche Selbstmord entpuppt sich schliesslich als Mord, und sämtliche Kinder geraten in Verdacht, denn alle sind froh, dass das Krebsgeschwür (O-Ton der Autorin) aus der Familie entfernt worden ist. Trotz aller Verwicklungen verlieren sie nie, oder fast nie, die Contenance komplett. Das Buch ist, wenn man es nicht ernst nimmt, lustig und süffig und liest sich schneller, als ein Gläschen Bourbon geleert ist.

Mit uns Menschen sei es wie mit einem guten Bourbon, schreibt Ward: Wenn wir Glück haben und klug sind und zur richtigen Zeit befreit werden, verbessern wir uns. Wenn wir zu lange lagern, sind wir für immer ruiniert. «Bourbon Sins» ist ein sündiger Genuss für einen heissen Südstaatensommer oder einen wilden Herbst – wo auch immer man ihn verbringen möge.

Die Story kratzt und brennt und ist zugleich glatt und seidig wie ein Glas Kentucky-Bourbon. Das eine oder andere Glas während der Lektüre wird dringend empfohlen. Und wer nicht genug bekommen kann von dieser fiesen, abgründigen und zugleich faszinierenden Familie: Im Dezember erscheint unter dem Titel «Bourbon Lies» bereits Band 3.


«Bourbon Sins», J. R. Ward, Lübbe LYX, erhältlich bei Ex Libris

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