13. Oktober 2018

Denke an Kartoffelbrei!

Unsere Stadt-Land-Kolumnistin sitzt in einer Besenbeiz und sinniert über Besen – ja, über was denn sonst?

Besen
Schon mal über Besen nachgedacht? (Bild: unsplash.com)

Klimawandel, Hooliganismus, #Metoo – es sind die grossen Themen, die uns beschäftigen. Manchmal tut es aber gut, über etwas ganz und gar Unbedeutendes nachzudenken. Über Besen zum Beispiel. Genau, die Dinger mit dem Stiel und den Borsten. Bibi Blocksberg hatte einen besonders coolen. Der hiess Kartoffelbrei und flog mit der kleinen Hexe, wohin sie wollte. Gern hätte ich als Kind auch einen Kartoffelbrei gehabt. Ansonsten konnte man mich mit Besen jagen; statt zu putzen, hörte ich lieber Bibi-Hörspiele.


Wann hat man schon Zeit, über so etwas wie Besen nachzudenken? Zum Beispiel, wenn man in einer gemütlichen Besenbeiz sitzt. In einer solchen legen wir eine Pause auf unserem Herbstspaziergang ein. Vor der Scheune stehen einige Tische, ein Ehepaar bedient die paar Gäste. Besenbeizen heissen so, weil die Betreiber der ländlichen Gastwirtschaften früher einen Besen am Wegrand einsteckten, um zu signalisieren, dass geöffnet ist. Und nicht etwa – wie eine Freundin von mir glaubte –, weil die Gastgeber ihre Räume nur mit dem Besen reinigen. Die Beizen haben sporadisch und je nach Saison geöffnet. Wir trinken frischen Traubensaft und schlemmen hausgemachte Vermicelles. Meine Begeisterung für Beizen mit Stiel ist gross. Mit dem Besen im Schrank kann ich hingegen noch immer nicht viel anfangen. Meine Meinung zum Thema ist gemacht.


Wir bleiben lange sitzen – und reden doch noch über die grossen Brocken. Lohndiskriminierung, Kindererziehung, militante Veganer. Wenn auch du mal genug davon hast: Setze dich in eine Besenbeiz und denke an etwas völlig Banales. Apfelkerne zum Beispiel. Oder Handschuhe. Rabattbons, Ravioli, Radiergummis. Oder halt Kartoffelbrei.

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